Altstadt DachauNeue Hoffnung für das Café Gramsci

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Stelldichein vor dem Café Gramsci mit Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann, Manfred Käfer, Ulrike Prediger, Vereinschef Manfred Huber, Andrea Huber, Armin Prediger, Manfred Rail und Stadtrat Michael Eisenmann (von links).
Stelldichein vor dem Café Gramsci mit Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann, Manfred Käfer, Ulrike Prediger, Vereinschef Manfred Huber, Andrea Huber, Armin Prediger, Manfred Rail und Stadtrat Michael Eisenmann (von links). Niels P. Jørgensen
  • Der Sparverein Dachau will das seit drei Jahren leerstehende Café Gramsci im Alten Metzgerhof sanieren und im Sommer 2026 wiedereröffnen.
  • Die Stadt hatte das Lokal im Februar 2023 wegen massiver baulicher Mängel geschlossen und wird kein Geld für die Sanierung beisteuern. Der Verein ist auf Spenden angewiesen.
  • Der Nutzungsvertrag gilt zunächst fünf Jahre, mittelfristig muss das Gebäude aber der Erweiterung der Klosterschule weichen.
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Vor drei Jahren musste die Stadt das baufällige Gebäude im Alten Metzgerhof schließen.  Nun wollen Mitglieder des Sparvereins die Kulturkneipe wieder zum Leben erwecken – mit Spenden und vielen unbezahlten Arbeitsstunden.

Von Gregor Schiegl, Dachau

Seit knapp drei Jahren steht das Café Gramsci leer, Kletterpflanzen haben die Fassade zur Hälfte überwuchert. Dass hier jemals wieder Leben einkehren würde, konnte sich kaum einer vorstellen. Doch genau das soll geschehen. Der Sparverein Dachau will die ehemalige Kulturkneipe im Alten Metzgerhof wieder in Betrieb nehmen. Einen entsprechenden Nutzungsvertrag mit der Stadt, der das Gebäude gehört, gibt es schon. Er gilt zunächst für fünf Jahre. Geplant ist die Eröffnung im Sommer 2026.

Für das Projekt haben Mitglieder des Sparvereins einen Ableger gegründet, den Verein Gramsci-Kult. Das Café soll seinen alten Namen behalten, denn am alten Grundkonzept wolle man nicht rütteln, sagt der Vereinsvorsitzende Manfred Huber: „Es soll wieder ein kultureller Treffpunkt werden, mit Live-Musik.“ Auch die alten Öffnungszeiten können beibehalten werden; am Nutzungsrecht für das Gebäude hat sich schließlich nichts geändert.

Mathilda, das Klavier, soll auch wieder einziehen

Eins zu eins wird das Café Gramsci allerdings nicht wiedererstehen. Vom Interieur sind nur noch die schwarz-weißen Kacheln geblieben, das Mobiliar wurde bereits entsorgt, die Küche herausgerissen. Wenigstens die treue Mathilda, das alte Klavier des Cafés, an dem viele Erinnerungen hängen, ist nicht verloren gegangen. „Das kriegen wir wieder“, freut sich Manfred Huber.

Im Februar 2023 hatte die Stadt das Lokal kurzerhand geschlossen, nachdem sie dort massive bauliche Mängel festgestellt hatte. Sogar ein Betretungsverbot war ausgesprochen worden, es drohe Lebensgefahr. Ein Schock, nicht nur für die alternative Kulturszene. Auch für die Stadträte sei der Schritt überraschend gewesen, sagt Michael Eisenmann vom Bündnis für Dachau. „Das Gramsci war ein Ort, an dem alle zusammengekommen sind, von den Jugendlichen des linksalternativen ‚Freiraum‘ bis zum Landrat.“ Die Schließung bezeichnet Manfred Huber vom Sparverein als „Verlust für Dachau“.

Das Gramsci ist ein Lokal mit einer ungewöhnlichen Geschichte: In den 1990ern war der Alte Metzgerhof eine verwilderte Brache, mannshohe Holundersträucher wuchsen aus dem Boden. Nach 30 Jahren Leerstand war das Gebäude eine Ruine. Heinz Bielmeier vom Jugendgerichtshilfeverein Brücke setzte damals den ganzen Komplex mit Jugendlichen wieder instand, die dort unzählige Sozialstunden ableisteten. So entstand nach und nach eine einzigartige Oase der Subkultur mitten in der Stadt.

Der Alte Metzgerhof in Dachau, im Hintergrund die Container der Klosterschule.
Der Alte Metzgerhof in Dachau, im Hintergrund die Container der Klosterschule. Niels P. Jørgensen
EIn paar Wandfliesen, recht viel mehr ist vom alten „Gramsci“ nicht übriggeblieben.
EIn paar Wandfliesen, recht viel mehr ist vom alten „Gramsci“ nicht übriggeblieben. Niels P. Jørgensen

Das soll nun ein zweites Mal gelingen – mit dem Sparverein, den Eisenmann für das Projekt mobilisieren konnte. Der Sparverein ist Relikt einer Zeit, als es noch keine Versicherungen gab. In Dachau wurde er 1903 gegründet, um seine Mitglieder in Notfällen finanziell abzusichern. Heute spielt diese Idee keine große Rolle mehr. Der Traditionsverein erfreut sich dennoch ungebrochener Beliebtheit. Wahrscheinlich hätte er weitaus mehr als 200 Mitglieder, wäre nicht schon vor geraumer Zeit ein Aufnahmestopp verhängt worden.

„Wir haben ein großes Netzwerk“, sagt Huber. Das zahlt sich nun aus. Unter den Mitgliedern gibt es viele Handwerker, die bereit sind, kostenlos mit anzupacken, wie Huber sagt. Zu tun gibt es genug, das fängt schon beim Dachstuhl an. „Irgendwann sind da mal Balken rausgesägt worden“, sagt Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD). „Kein Mensch weiß, warum.“ Die Folge: ein statisch instabiles Dach. Auch im Keller müssen Stützen eingezogen werden. Die elektronische Verteilung ist defekt, die Heizung ebenso. Und das Wasser in der Kanalisation läuft auch nicht mehr richtig ab.

In fünf Jahren könnte es schon wieder vorbei sein

Schon bei der Schließung des Gramsci hatte die Stadt erklärt, sie werde keinen Cent mehr in das marode Gebäude stecken. Diese Aussage hat der OB noch einmal unterstrichen. Ungeachtet dessen dankte Huber den Stadtvertretern, dass sie das Vorhaben „sehr unterstützt“ hätten. „Jetzt schauen wir erst mal, was wir geschenkt bekommen.“ Der Sparverein hofft auf großzügige Spenden von Privatleuten. Wie viel Geld die Sanierung verschlingen wird, kann Huber nicht sagen. „Ich habe noch keinen Kostenrahmen.“

Gelingt die Instandsetzung, wäre das Dachauer Kultlokal gerettet – zumindest für die nächsten fünf Jahre. So lange gilt der Nutzungsvertrag mit dem Gramsci-Kult-Verein; danach kann der Vertrag jährlich erneuert werden. Mittelfristig aber wird der Alte Metzgerhof der Erweiterung der Klosterschule weichen müssen. Das heißt es zwar schon seit gut 15 Jahren, ohne dass etwas passiert ist. „Aber wenn wir das Gelände brauchen“, sagt Hartmann, „dann ist es vorbei.“

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