Bus-Odyssee Sechsjährige irrt durch Karlsfeld

Das sechsjährige Kind einer Karlsfelder Gemeinderätin steigt nach der Schule in den falschen Bus - doch niemand hilft ihm.

Von Gregor Schiegl

Es sei der "Schreck ihres Lebens" gewesen, berichtete Mechthild Hofner, Sprecherin der Bündnis-Fraktion im Bauausschuss des Karlsfelder Gemeinderats. Ihre kleine Tochter sei am Mittwoch nach der Schule nicht nach Hause gekommen. Sie tauchte einige Zeit später glücklicherweise wieder auf, am anderen Ende Karlsfelds, in der Arztpraxis ihres Mannes. Wie sich herausstellte, war das sechsjährige Kind in den falschen Bus eingestiegen. Aber die Geschichte ist damit nicht zu Ende. So wie die Gemeinderätin das Geschehen schilderte, muss Eltern angst und bange werden.

Die Sechsjährige musste in die Schwarzhölzsiedlung, kam aber ganz woanders raus.

(Foto: Toni Heigl)

Das Mädchen fährt jeden Mittag mit dem Bus nach Hause in die Schwarzhölzlsiedlung. Nach einer Schneeballschlacht erreichte das Kind sechs Minuten verspätet den 701er-Bus - der allerdings in die entgegengesetzte Richtung fährt. Zum Bahnhof. Zweimal habe ihre Tochter den Busfahrer angesprochen, dass sie in die Schwarzhölzlsiedlung müsse, doch der habe "überhaupt nicht reagiert". Es habe den Mann auch nicht gekümmert, als das Kind an der falschen Haltestelle ausgestiegen sei, nämlich an der Bäckerei Slanitz. Der Schulbusbetreiber, Busverkehr Südbayern, ist dem Fall zusammen mit Mechthild Hofner auf den Grund gegangen. Von verantwortungslosen, kaltherzigen Busfahrern kann laut Geschäftsführer Wolfgang Riedlinger nicht die Rede sein. Wenn ein Kind in den falschen Bus gestiegen sei, verständige der Busfahrer die Zentrale. Vor vier Monaten habe ein Fahrer ein Kind sogar mit dem Privatauto ans Ziel gebracht. "Kein Mitarbeiter würde ein Kind dieses Alters einfach seinem Schicksal überlassen", sagt Riedlinger entrüstet. Sicherheit sei "der wichtigste Aspekt." Er sei ja selbst Vater zweier Kinder.

Bei der Odyssee von Hofners kleiner Tochter handele es sich offenbar um eine "unglückliche Verkettung von Ereignissen". Dafür spricht, dass täglich zwischen 500 und 700 Schüler befördert werden, ohne dass ein Kind verloren geht. Nach einem Gespräch mit dem Fahrer, einem bewährten Mitarbeiter, ist Riedlinger überzeugt, dass es für den Fahrer "nicht ersichtlich" war, "dass das Kind Hilfe brauchte". Die Kleine habe hinter dem Busfahrer gesessen und nur gesagt: "Oh, der fährt ja gar nicht zur Schwarzhölzlsiedlung". Bei Slanitz stieg das Mädchen aus, und zwar "zielstrebig". Die Mutter meint: "Sie kannte die Bäckerei vom Sehen."

Handlungsbedarf sieht Riedlinger gleichwohl. Für die Grundschüler wären "nach meiner persönlichen Meinung" Einstiegshelfer sinnvoll, die aufpassen, dass die Kinder nicht drängeln - und auch gar nicht erst in den falschen Bus steigen. Hofner zufolge wird im Elternbeirat der Grundschule bereits über eine solche Einrichtung beraten. Zur besseren Orientierung für die Grundschüler waren die Karlsfelder Schulbusse einst mit einem Symbol versehen, einer Blume, einem Haus oder einem Pilz. Diese simple, aber wirkungsvolle Maßnahme will Riedlinger aufgreifen. "Das bringt sicher was." Sein Unternehmen müsse sich darüber nur mit dem MVV, dem Vertragspartner, verständigen. Aber: "Das ist eher eine Formalie", sagt Riedlinger.