Was die Wähler im Landkreis bewegt„Der Rechtsrutsch bereitet mir Sorgen“

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Eine Wählerin und ein Wähler geben ihre Stimme am Vormittag in Dachau ab, am Tisch sitzen die Wahlhelferinnen Helen Börner und Katja Graßl (v. l. n. r.).
Eine Wählerin und ein Wähler geben ihre Stimme am Vormittag in Dachau ab, am Tisch sitzen die Wahlhelferinnen Helen Börner und Katja Graßl (v. l. n. r.). Niels P. Jørgensen

Schon früh zeichnet sich eine rege Wahlbeteiligung im Landkreis ab. Die Themen, die die Menschen an die Urne treiben, sind sehr verschieden. Zu Besuch in Wahllokalen.

Von David Ammon, Laura Angelina Huber, Dachau

Dachau hat gewählt. Seit 8 Uhr sind am Sonntag die Wahllokale zur Bundestagswahl geöffnet. Trotz eines bereits im Vorfeld absehbaren hohen Anteils an Briefwählern machen sich viele Menschen auf den Weg, um ihre Stimme persönlich abzugeben. Die Wahlhelfer in Dachau und Karlsfeld sind den ganzen Tag im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf der Wahl zu ermöglichen.

Eines der Wahllokale der Stadt Dachau befindet sich im Haus der Erwachsenenbildung an der Ludwig-Thoma-Wiese. Immer wieder öffnet sich die Tür zum Wahlraum, Menschen treten ein und holen sich ihre Stimmzettel ab. Einer nach dem anderen verschwindet in den Wahlkabinen. „Wir rechnen hier mit einer hohen Wahlbeteiligung“, sagt Helen Börner, die im Wahllokal mithilft. Man habe einen großen Anteil Briefwähler, die werden nicht persönlich im Wahllokal erscheinen; dennoch habe man bereits vormittags alle Hände voll zu tun gehabt.

Verschiedenste Themen sind für die Dachauer Wahlberechtigten entscheidend. Für eine junge Frau, 25 Jahre alt, sind es vor allem soziale Gerechtigkeit und Klimapolitik. Ihre Stimme gibt sie in diesem Jahr der Linken, entschieden habe sie sich dafür bereits vor Wochen, erzählt sie auf dem Weg nach draußen. Eine 54-Jährige sagt, sie habe heuer die SPD gewählt: „Der aktuell stattfindende Rechtsrutsch bereitet mir Sorgen“, sagt sie.

Mittags müssen bereits Stimmzettel nachbestellt werden

Die Mittelschule in Dachau Ost fungiert ebenfalls als Wahllokal. Auch dort erwartet man eine hohe Beteiligung. Aufgrund des vergleichsweise starken Andrangs am Vormittag müssen dort bereits mittags Stimmzettel nachbestellt werden.

Eine Passantin, 59, ist gerade dabei, sich mit dem Fahrrad auf den Heimweg zu machen. Sie habe ihre Stimme der CSU gegeben, erzählt sie, da sie die Idee eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres gerade für junge Leute notwendig findet, um Einblicke in den sozialen Bereich zu sammeln. Auch eine andere Frau teilt mit, sie habe für die CSU gestimmt. Bei ihr ist aber die Sorge vor der AfD ausschlaggebend gewesen. Die CSU überzeuge sie „zwar nicht zu 100 Prozent, aber ich hoffe einfach, dass sich was tut“, so die 42-Jährige.

Ein Paar steckt diskutierend vor der Tür zum Wahllokal die Köpfe zusammen. Sie sind immer noch unentschlossen, erst in der Wahlkabine werden sie sich endgültig festlegen, berichten sie. Die Wahlentscheidung einer 22-Jährigen für das BSW sei ausschließlich auf Grundlage ihres Wahl-O-Mat-Ergebnisses zustande gekommen.

Gewählt wird häufig „nach Mittagessen oder Kirche“

In Karlsfeld ist die Stimmabgabe unter anderem im Bürgerhaus möglich. Bis zur Mittagszeit hätten bereits 186 der 707 Wahlberechtigten den Gang zur Wahlurne gemacht, berichtet Wahlhelfer Bernd Wanka. Die restlichen gut 500 Menschen hätten im Vorfeld bereits die Unterlagen zur Briefwahl angefordert. Wanka vermutet eine Wahlbeteiligung von etwa 75 Prozent. Längere Wartezeiten gibt es im Bürgerhaus keine, da der Wahlvorgang für den Bundestag mit zwei Kreuzen recht einfach ist. Mit einem stärkeren Andrang im Wahllokal rechnet Wanka vor allem am Nachmittag: „Sonntags kommen viele Menschen erst nach dem Mittagessen oder der Kirche“, so seine Erfahrung.

Auf dem Gehweg vor dem Karlsfelder Bürgerhaus erzählt eine 50 Jahre alte Frau, sie habe ihr Kreuz gerade bei den Grünen gemacht. Die Umweltpolitik der Partei sei für sie wahlentscheidend. Für einen älteren Herrn, 71, spielen Asylpolitik und die Sorge vor Krieg die entscheidende Rolle. Eine 70-jährige Rentnerin treiben am meisten die Themen Rente und Altersarmut sowie Wohnungsnot um. Verbesserungen seien hier dringend notwendig.

Im Wahllokal in Karlsfeld hoffen sie, wenn es zügig geht, mit der Auszählung der Stimmen bereits etwa zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale fertig zu sein.

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