Dachau:Grüne gewinnen U18-Wahl

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Bei einer Abstimmung von Jugendlichen im Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck geht die Ökopartei als Sieger hervor. Dahinter folgen CSU und SPD. Auch die Tierschutzpartei schafft die Fünf-Prozent-Hürde. Ein Fingerzeig für Sonntag?

Von Julia Putzger, Dachau

Würden die Kinder und Jugendlichen im Landkreis bei der Bundestagswahl entscheiden, wäre bereits klar, wie die nächste deutsche Kanzlerin heißt: Annalena Baerbock. Das zumindest zeigt das Ergebnis der U18-Wahl, bei der die unter 18-Jährigen bundesweit eine Woche lang vom 10. bis 17. September die Chance hatten, ihre Stimme abzugeben. Das Ergebnis hat zwar keinen Einfluss auf das tatsächliche Bundestagswahlergebnis am Sonntag. Es zeigt jedoch, welche Themen den Heranwachsenden besonders am Herzen liegen und dass politisches Interesse keinesfalls erst mit der Volljährigkeit beginnt.

In sieben Wahllokalen konnten die Jugendlichen im Landkreis Dachau ihre Stimme abgeben, weitere zwölf gab es in Fürstenfeldbruck. Wie bei der offiziellen Bundestagswahl bilden die beiden Landkreise auch bei der U18-Wahl einen Wahlkreis. Das Stimmungsbild ist klar: Die jungen Dachauer und Fürstenfeldbrucker wünschen sich eine grüne Politik. Ziemlich genau ein Viertel aller Stimmen entfiel auf die Grünen, die CSU schaffte immerhin veritable 20,3 Prozent im Wahlkreis. Auf Platz drei landete die SPD mit 17,2 Prozent, die FDP lag knapp unter zehn Prozent. Die Fünf-Prozent-Hürde knackte lediglich noch die Tierschutzpartei, die immerhin 5,5 Prozent der jungen Politikinteressierten überzeugte. Fast 22 Prozent der Stimmen entfallen somit auf sonstige Parteien, unter ihnen die AfD mit rund vier Prozent der Stimmen und die Linke mit knapp 3,5 Prozent.

Die Ergebnisse des Wahlkreises Dachau-Fürstenfeldbruck bei der U18-Wahl bewegen sich im bayerischen und bundesweiten Schnitt. Im Vergleich wird aber vor allem der Sieg der Grünen noch deutlicher. Die liegen zwar auch bundesweit vorn, allerdings nur mit knapp 21 Prozent und damit nicht einmal ganz zwei Prozentpunkte vor der SPD. Die Union hingegen kann bundesweit nicht ganz 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen für sich gewinnen. In Bayern erobert die CSU dafür mit fast 21 Prozent der Stimmen Platz eins. Was nicht nur in Dachau und Fürstenfeldbruck, sondern in ganz Bayern auffällt: die Stärke der Kleinstparteien, auf die rund ein Fünftel aller Stimmen entfällt.

Richtungsweisend für die Ergebnisse am Sonntag dürfte die U18-Wahl aber nur bedingt sein. Denn selbst wenn man davon ausgeht, dass unter den jüngsten Wahlberechtigten die Stimmenverteilung ähnlich ausfällt, machen die 18- bis 20-Jährigen bundesweit nur einen Anteil von 3,4 Prozent aller Wahlberechtigten aus. Ignorieren sollte man die Ergebnisse der U18-Wahl aber keinesfalls, sind sie doch ein wichtiger Ausdruck dessen, was die junge Generation beschäftigt. "Wer wählen möchte, wer etwas zu sagen hat, soll das bitte tun. Junge Perspektiven sind wichtig", heißt es auf der Website der U18-Wahl. Das ist auch der Grund, weshalb es für die Teilnahme an der Aktion kein Mindestalter gibt. Gleichzeitig setzen sich der Deutsche Bundesjugendring als Veranstalter für die Senkung des Wahlalters bei künftigen Bundestagswahlen ein. Ein Wunsch, den auch Max Biebel von Jugendlichen aus dem Landkreis kennt: "Gerade wenn es um die Klimadiskussion geht, wissen sie, dass es eine Entscheidung für die Zukunft ist - aber sie dürfen nicht mitentscheiden."

Biebel ist Sozialpädagoge und Teamleiter im interkommunalen Zweckverband Jugendarbeit. Bei der U18-Wahl hat er das Wahllokal im JUZ in Hebertshausen betreut und resümiert: "Hier haben elf oder zwölf gewählt, in unseren anderen Wahllokalen in Petershausen und Markt Indersdorf war es eine ähnliche Anzahl. Klar hätten wir uns ein bisschen mehr Teilnehmer gewünscht, aber wir sind ganz zufrieden." Unter den jungen Politikinteressierten seien Jugendliche gewesen, welche die Jugendzentren schon gut kennen, aber auch solche, die keine regelmäßigen Besucher sind. Das - zumindest zahlenmäßig - eher geringe Interesse erklärt er sich vor allem mit dem etwas ungünstigen Zeitpunkt: In den Schulen, wo normalerweise am meisten Aufmerksamkeit für die Aktion generiert wird, habe man in der ersten Schulwoche kaum Kapazität für das Thema Wahl gehabt. Anders in Bergkirchen: Gemeindejugendpflegerin Susanne Baur durfte in den vierten bis zehnten Klassen der Grund- und Mittelschule sowie im Hort die Wahl und den Stimmzettel erklären, über die Ausrichtung der Parteien hatten die Lehrkräfte schon im Voraus informiert. Bei der anschließenden freien Wahl gaben 169 Schüler ihre Stimme ab. Und der Bayerische Jugendring vermeldet für die U18-Bundestagswahl sogar eine Rekordbeteiligung von rund 68 000 Teilnehmern, die ihre Stimmen in fast 700 Wahllokalen in Bayern abgaben.

Nicht zu verwechseln ist die U18-Wahl übrigens mit der Juniorwahl: Letztere findet diese Woche in ausgewählten Schulen statt, es handelt sich um eine staatlich geförderte Aktion.

© SZ vom 21.09.2021
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