Die Vorbereitungen für die Bundestagswahl am kommenden Sonntag sind im Landkreis Dachau bislang ohne Schwierigkeiten verlaufen – und das trotz kurzfristiger Planungszeit. Herausfordernd war heuer vor allem, dass der Bundeswahlausschuss erst am 30. Januar in Berlin tagte. Dieser befasste sich abschließend mit den Landeslisten und der Zulassung der Parteien zur Wahl. In Fürstenfeldbruck verfolgte das Team um Kreiswahlleiter Robert Drexl die Sitzung live übers Internet und gab den Druck der Stimmzettel sofort im Anschluss in Auftrag.
In den Kommunen im Landkreis Dachau indes bangten die Mitarbeitenden, wann die druckfrischen Stimmzettel bei ihnen eintreffen würden – einige rechneten damit, dass dies erst am Wochenende des 8. Februar geschehen würde und stellten sich auf Wochenendschichten ein. Doch weil die Mitarbeitenden der Druckerei ihrerseits Überstunden am vorangegangenen Wochenenden geleistet hatten, war das nicht nötig: Bereits am Mittwoch, 5. Februar, trafen die Stimmzettel bei den Gemeinden ein. Nun mussten die Briefwahlunterlagen so schnell wie möglich verschickt werden. Im Rathaus in Weichs ließ die gesamte Belegschaft alles stehen und liegen und steckte die Stimmzettel in einer großen Gemeinschaftsaktion in die bereits vorbereiteten Briefwahl-Umschläge.
Sulzemoos und Pfaffenhofen setzen eigene Boten ein, um Briefwahlunterlagen auszutragen
Der Trend, dass immer mehr Menschen per Brief ihre Stimmen abgeben, setzt sich auch in diesem Jahr fort – knapp die Hälfte aller Stimmberechtigten haben in den meisten Dachauer Gemeinden Briefwahl beantragt, in Pfaffenhofen an der Glonn sind es (Stand: Anfang vergangener Woche) 48 Prozent, in Markt Indersdorf 46 Prozent, in Weichs 45 Prozent und in Dachau 37 Prozent. Die Zahlen dürften in den vergangenen Tagen weiter gestiegen sein.
Seit Jahren schon beantragen deutschlandweit immer mehr Menschen Briefwahl: Während 2005 noch rund 19 Prozent aller Stimmberechtigten zu Hause ihr Kreuzchen machten, waren es 2017 bereits rund 29 Prozent. Corona dürfte diesen Trend noch befeuert haben, denn 2021 waren es rund 47 Prozent. 2009 wurde die Pflicht abgeschafft, Briefwahl nur mit einer Begründung beantragen zu dürfen. Als Gründe, warum sie per Brief abstimmen wollen, nennen die Einwohner der Gemeinden im Landkreis Dachau unter anderem, dass sie den Stimmzettel lieber in Ruhe ausfüllen und in der Wahlkabine so wenig Platz sei. So erzählen es die Mitarbeitenden der Rathäuser.
Ergebnisse aus den Gemeinden soll es am Sonntag ab 20.30 Uhr geben
Wer Briefwahl beantragt, trägt jedoch das Risiko, dass sein Brief nicht rechtzeitig bis zum Wahlsonntag im Rathaus eintrifft. Laut der Bundeswahlleiterin sollen Briefe, die bis spätestens Donnerstag, 20. Februar, in Briefkästen eingeworfen werden, zwar rechtzeitig ankommen. Doch für Deutsche, die im Ausland leben, gelten andere Fristen – und vielen reicht das kurze Zeitfenster bis zum Wahlsonntag vermutlich nicht. Im Einwohnermeldeamt von Weichs etwa gingen bedauernde Anrufe aus Portugal und Amerika ein.
Die Gemeinden Sulzemoos und Pfaffenhofen an der Glonn haben mit der Austragung der Briefwahlunterlagen nicht die Post beauftragt, sondern aus Zeitgründen sicherheitshalber eigene Boten eingesetzt. Die Gemeinde Sulzemoos hat außerdem eine Wahlkabine im Rathaus aufgestellt – so können Briefwähler, die ihre Wahlunterlagen persönlich im Rathaus abholen, direkt vor Ort ihre Stimme im Vorhinein abgeben.
Anders als bei vorangegangenen Wahlen haben sich heuer im ganzen Landkreis genügend Wahlhelfer gemeldet. Viele von ihnen sind Mitarbeitende städtischer Behörden, die am Wahlsonntag ehrenamtlich im Einsatz sind. Die Aufwandsentschädigung für die Wahlhelfer fällt in jeder Gemeinde anders aus: In Markt Indersdorf etwa bekommen die Wahlvorsteher 90 Euro und Beisitzer 60 Euro, außerdem werden sie mit Semmeln versorgt, in Dachau erhalten alle Helfer 50 Euro und einen Gutschein von „Dachau handelt“ für die örtlichen Geschäfte. In Weichs erhalten alle Helfer 50 Euro, in Sulzemoos 40 Euro und in Pfaffenhofen ebenfalls 40 Euro, dort werden alle Helfenden zudem anschließend ins Gasthaus auf eine Brotzeit eingeladen.
Die Auszählung wird bei der diesjährigen Wahl vermutlich rund zweieinhalb Stunden dauern, die meisten Gemeinden rechnen damit, dass sie die Auszählung ungefähr um 20.30 Uhr abschließen können.


