Bundestagswahl 2021:Das sind die Direktkandidaten im Wahlkreis Fürstenfeldbruck-Dachau

Kommunalwahl in Bayern

Wen wählen die Bewohnerinnen und Bewohner des Wahlkreises Fürstenfeldbruck-Dachau in den Bundestag? Am 26. September 2021 wird abgestimmt.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Katrin Staffler, Michael Schrodi oder Beate Walter-Rosenheimer: Wer zieht aus dem Wahlkreis Fürstenfeldbruck-Dachau in den Bundestag ein? Das sind die Direktkandidaten.

Von SZ-Autorinnen und Autoren

Elf Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich um die Erststimme bei der Wahl am 26. September. Vor vier Jahren waren es ebenso viele Kandidaten um das Direktmandat. Damals ging es um die Nachfolge von Gerda Hasselfeldt (CSU), die den Wahlkreis viele Jahre vertreten hatte. Zur Nachfolgerin wurde die CSU-Kandidatin Katrin Staffler gewählt. Doch Staffler ist nicht die einzige Abgeordnete aus dem Wahlkreis Fürstenfeldbruck/Dachau.

Seit fast einem Jahrzehnt gehört auch Beate Walter-Rosenheimer von den Grünen dem Bundestag an. Sie schaffte den Einzug ins Parlament mehrmals über die Liste und kandidiert auch diesmal. Und noch einen dritten Bundestagsabgeordneten hat der Wahlkreis: Der Sozialdemokrat Michael Schrodi gelangte vor vier Jahren ebenfalls über die Liste seiner Partei ins Parlament. Auch er bewirbt sich wieder um das Direktmandat.

Das Interesse an der Bundespolitik ist im Wahlkreis groß: Mit mehr als 82 Prozent lag die Wahlbeteiligung 2017 sechs Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Etwa 235 000 Frauen und Männer aus beiden Landkreisen sind aufgerufen, zur Wahl zu gehen. Wie schon vor vier Jahren, so gehört die Stadt Germering auch diesmal nicht zum Wahlkreis Dachau/Fürstenfeldbruck. Die Wahlberechtigten aus der einwohnerstärksten Kommune des Landkreises Fürstenfeldbruck geben ihre Stimmen im Wahlkreis Starnberg/Landsberg ab.

Für die Vergabe der Zweitstimme können die Wähler unter Landeslisten von 26 Parteien auswählen: CSU, SPD, AfD, FDP, Grüne, Linke, Freie Wähler, ÖDP, Tierschutzpartei, Bayernpartei, Die Partei, Piraten, NPD, V-Partei³, Partei für Gesundheitsforschung, MLPD, DKP, Die Basis, Bündnis C, Der dritte Weg, Hip-Hop-Partei, Liberal-Konservative Reformer, Partei der Humanisten, Team Todenhöfer, Unabhängige und Volt.

Katrin Staffler (CSU)

Bundestagswahl 2021: Katrin Staffler aus Türkenfeld tritt erneut für die CSU an.

Katrin Staffler aus Türkenfeld tritt erneut für die CSU an.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Wer die CSU-Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler vor mehr als zehn Jahren als frisch gewählte Gemeinderätin erlebt hat, der dürfte ihren steilen Aufstieg vom kommunalen Gremium in Gröbenzell über den Kreistag bis zur Direktkandidatin der CSU für den Wahlkreis Fürstenfeldbruck/Dachau nicht unbedingt vorausgeahnt haben. Denn Staffler, die damals noch Mair hieß und Studentin war, hat sich in dem Kommunalparlament nicht gerade durch häufige oder pointierte Meinungsäußerungen profiliert. Und dennoch, oder eben gerade deswegen, ist die inzwischen 39 Jahre alte gebürtige Dachauerin zur Nachfolgerin von Gerda Hasselfeldt aufgestiegen, die für die Christsozialen jahrzehntelang auf Bundesebene einflussreiche Posten innehatte. Staffler, die im Bergkirchner Ortsteil Günding aufgewachsen ist und in Gröbenzell ihre politische Karriere begonnen hat, hat einmal über sich selbst gesagt, sie müsse ihr Gesicht nicht ständig in der Zeitung sehen müsse. Sie arbeite lieber intern, das mache ihr Spaß. Mit dieser Strategie der leisen Töne, die der von Gerda Hasselfeldt nicht unähnlich ist, ist die 39 Jahre alte Politikerin praktisch ohne Umwege vom Gemeinderat in Gröbenzell bis in den Bundestag in Berlin gelangt. Hilfreich dürfte auch die Teilnahme an einem Mentoring-Programm von Junger Union und Frauen-Union gewesen sein, mit dem beide Organisationen den weiblichen Nachwuchs in der CSU unterstützen wollten.

Ihre Begeisterung für die Politik hat Staffler bereits in der Schule entdeckt, wie sie bei einem Spaziergang vom Kloster Fürstenfeld in Richtung Schöngeising erzählt. "Ich hatte in der Schule eine grandiose Sozialkunde-Lehrerin", sagt sie. Die habe es verstanden, mit Hilfe von Workshops, Planspielen und Exkursionen die großen Zusammenhänge zu erklären und in ihr den Wunsch geweckt, dabei ebenfalls mitzuwirken. Staffler berichtet, wie der Kontakt zu ihrer Lehrerin Angelika Neumayer wieder auflebte, nachdem sie 2017 in den Bundestag gewählt worden war. Sie erhielt in ihrem Abgeordnetenbüro einen Anruf ihrer ehemaligen Lehrerin. Es folgten einige Besuche mit Schülern in Berlin: Im Frühjahr sei Neumayer kurz vor ihrer Pensionierung gestorben, sagt die 39-Jährige. Und fügt hinzu: "Die hat in ihrem Leben echt Großartiges geleistet. Das ist ja eigentlich das Entscheidende, dass man junge Leute zu selbständigen und mündigen Bürger erzielt."

Aus diesem Grunde liegt Staffler die Bildungspolitik am Herzen. Als eines ihrer großen Ziele gibt sie an, die Bildungspolitik in der ganzen Republik mehr zu vereinheitlichen, etwa durch eine gemeinsame Abiturprüfung. Dabei sei ihr aber bewusst, dass ein zentralistisches System auch kein Allheilmittel sei; deshalb wolle sie auch kein einheitliches Schulsystem in allen Bundesländern, betont Staffler und verweist auf ihre politische Herkunft und, mit ihrem charakteristischen, leicht verschmitzten Lächeln, auf ihren Mann. "Ich hab ja einen direkten Draht zur Kommunalpolitik." Staffler arbeitet im Ausschuss Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung mit, seit 2018 ist sie außerdem Obfrau der CDU/CSU-Fraktion in der Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt".

Freilich gibt es noch weitere Themen, die die Bundestagsabgeordnete realisieren oder zumindest voranbringen möchte. Priorität hat für sie der Ausbau der B 471, zu dem auch der weitere Ausbau der A 8 gehört. Außerdem will Staffler für den Klimaschutz mehr in Forschung und Entwicklung investieren. "Ich bin der Meinung wir machen da noch viel zu wenig", betont sie und erzählt von einer Reise nach Südkorea, wo in dieser Richtung in einem Jahrzehnt unglaublich viel passiert sei.

Was die weitere politische Karriere anlangt, so will die Türkenfelderin nicht wie ihre Vorgängerin Gerda Hasselfeldt jahrzehntelang Berufspolitikerin bleiben. "Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich auch mal was anderes machen werde als Politik", sagt sie. Da sei sie sich auch mit ihrem Mann einig. Ariane Lindenbach

Michael Schrodi (SPD)

Wahlkampf Auftakt

Auf eine Wunschkoalition will sich Michael Schrodi nicht festlegen, wichtig ist ihm nur, dass die SPD den Kanzler stellt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Fußball ist ein Kosmos, in dem sich der Sozialdemokrat Michael Schrodi gerne bewegt. Sei es als leidenschaftlicher Löwenfan, früher als Spieler beim damaligen Viertligisten FC Ismaning, heute beim FC Bundestag. Wenig verwunderlich also, dass er auch in seiner Rhetorik gerne Mal auf Bolzplatz-Vokabular zurückgreift. "Wir spielen auch bei den Erststimmen auf Sieg", erklärt er voller Selbstbewusstsein mit Blick auf den Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck. Natürlich weiß auch der 44-Jährige, dass seine Chancen trotz der Schwäche der Union ähnlich stehen, wie die der Löwen in einem Spiel gegen die Bayern - und trotzdem ist die Ausgangslage für Schrodi womöglich so gut, wie schon lange nicht mehr für einen SPDler, in einem Wahlkreis, der seit Bestehen der Bundesrepublik stets an die CSU gegangen ist. Der Bundestrend jedenfalls spielt ihm aktuell in die Karten.

"Das Direktmandat ist in greifbare Nähe gerückt. Anders als bei den vergangenen Wahlen tritt diesmal ein amtierender SPD-Bundestagsabgeordneter wieder an. Ich glaube, ich habe in den vier Jahren gezeigt, wie viel ich erreichen kann und was ich auch für den Wahlkreis rausgeholt habe", sagt Schrodi und nennt zwei Beispiele: Millionen Euro für Klimaschutzmaßnahmen in beiden Landkreisen, Kompensationen für die Kommunen bei den Gewerbesteuerausfällen durch die Pandemie. Beides habe er als Mitglied des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und des Finanzausschusses durchsetzen können.

Überhaupt sei es eine der wichtigsten Erkenntnisse seiner ersten Amtszeit, dass man auch als neuer Abgeordneter im großen Bundestag schnell viel erreichen und bewirken könne. So habe er bei den Verhandlungen für das Konjunkturpaket zwei eigene Ideen eingebracht, die dann auch im Gesetz gelandet sind: den Kinderbonus und die Mehrwertsteuersenkungen.

Wenn man mit dem zweifachen Vater und ehemaligen Lehrer am Brucker Viscardi-Gymnasium über seine Arbeit als Parlamentarier spricht, die Erfahrungen in den vergangenen vier Jahren, dann bricht die Schale des routinierten Parteipolitikers auf, der souverän Positionen aufzählen, wenig Angriffsfläche bieten und die Arbeit seiner Fraktion ins beste Licht rücken kann. Zum Vorschein kommt dann einer, der seine Aufgabe absolut ernst nimmt, Respekt vor der Dimension des Bundestagsmandats hat und sich mit Neugier und Fleiß an die Arbeit macht. Etwa, wenn er von der Nacht vor seiner ersten Rede im Parlament erzählt. "Ich weiß nicht, ob ich mehr als zwei Stunden geschlafen habe. Ich war so nervös, bin alles noch mal durchgegangen, habe umgeschrieben. Ich bin mit großer Demut an diese Aufgabe rangegangen. Ich bin einer von 709 Abgeordneten für 83 Millionen Menschen. Einer, der Volksvertreter sein darf. Das ist ein großes Privileg und eine große Aufgabe."

Auch wenn es mit dem Direktmandat nicht klappen sollte, hat Schrodi, der auch im Kreistag sitzt, mit Platz 13 auf der Landesliste gute Chancen für eine zweite Amtszeit in den Bundestag einzuziehen. Und natürlich würde er auch gerne wieder Teil einer Regierung sein. Auf eine Wunschkoalition möchte er sich nicht festlegen lassen. "Wichtig ist, dass die SPD die Regierung führt. Und dann schauen wir, mit wem es die größten Überschneidungen gibt und mit wem wir die großen Zukunftsfragen angehen können". Welche drei Punkte ihm persönlich dabei am wichtigsten sind? Mittlere und untere Einkommen entlasten und die oberen fünf Prozent der Einkommen stärker heranziehen, ein Wohnungsbauprogramm mit 400 000 neuen Wohnungen und das bereits auf den Weg gebrachte Klimaprogramm verbessern. "Bei diesen wichtigen Punkten müssen wir das nachjustieren, was mit der Union nicht möglich war", sagt Schrodi, der den legendären Herbert Wehner als eines seiner Vorbilder nennt. Ganz dessen Format hat Schrodi freilich noch nicht erreicht, aber zumindest zeigt er eine gewisse Angriffslust. Florian Haamann

Beate Walter-Rosenheimer (Grüne)

Bundestagswahl 2021: Die Sonnenblume im Hintergrund ziert eine Wand im neuen Wahlkreisbüro von Beate Walter-Rosenheimer in Gröbenzell.

Die Sonnenblume im Hintergrund ziert eine Wand im neuen Wahlkreisbüro von Beate Walter-Rosenheimer in Gröbenzell.

(Foto: Günther Reger)

Beate Walter-Rosenheimer hat kein Auto mehr. Sie ist wieder von Germering nach München gezogen, und in der Großstadt kommt man gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurecht. Nur jetzt, für den Wahlkampf, hat sie sich ein Leihauto genommen, einen kleinen Fiat 500. Mit dem ist sie zu den kleinen Dörfern in ihrem Wahlkreis unterwegs. Mit Bus und Bahn komme man "sonst nicht mit der Zeit hin", sagt sie: "Mit dem Auto ist man halt immer noch viel schneller." Und sie weiß auch: "Es gibt Gegenden, da braucht man ein Auto."

Auch als Grüne sagt sie das. Walter-Rosenheimer sieht die Dinge pragmatisch. Sie vertritt die Ansichten der Grünen, aber sie sieht auch die zwei Seiten einer Medaille. Und sie weiß, dass die richtige Lösung nicht immer einfach ist. Früher, als ihre fünf Kinder klein waren, da habe sie einen großen VW-Bus gefahren, erzählt sie. Damals wohnte sie noch in Germering. Und so sind oft für verschiedene Lebensphasen verschiedene Modelle passend.

Die fünf Kinder der 56 Jahre alten Bundestagsabgeordneten sind mittlerweile zwischen 30 und 23 Jahren alt und längst selbständig. Beate Walter-Rosenheimer muss nun nicht mehr das Leben einer ganzen Familie organisieren. Das musste sie noch, als sie vor neun Jahren als Nachrückerin in den Bundestag einzog. "Damals ging alles ziemlich schnell", erinnert sie sich. Ihre Kinder hätten ihr damals gleich signalisiert, dass sie die neue Aufgabe in Angriff nehmen könne. Als dann auch ihre inzwischen verstorbene Mutter ankündigte, sie bei der Kinderbetreuung zu unterstützen, und ihr dazu riet, das Mandat anzunehmen, sagte sie zu.

Es begann ein Pendelleben zwischen Germering und Berlin. Mit dem Zug fährt sie zu den Sitzungswochen, die Wochenende gehörten lange den Kindern. Ihr gefällt der ständige Wechsel des Lebensmittelpunkts und ihr gefällt es in der großen Politik. "Es ist toll, dass man Dinge bewegen kann", sagt sie. "Ich empfinde es als totales Privileg, an dieser Stelle arbeiten zu dürfen." Mit Mitarbeitern, eigenen Büros, Diäten. Beate Walter-Rosenheimer kennt auch die ehrenamtliche Seite der Parteiarbeit. Vor 19 Jahren trat sie den Grünen bei. Sie war viele Jahre Kreissprecherin in Fürstenfeldbruck und auch Kreisrätin.

Die Anliegen von Kindern und eine gerechte Gesellschaft sind ihr besonders wichtig. "Ich mag Ungerechtigkeiten nicht", bekennt sie. Die Sorgen und Nöte von Jugendlichen und jungen Erwachsenen seien in der Pandemie völlig unberücksichtigt geblieben, kritisierte sie im März in einer Rede im Bundestag. Die Grünen fordern, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken. Immerhin sei es gelungen, eine Arbeitsgruppe aus Experten zu gründen, die sich mit den Problemen von Buben und Mädchen beschäftigen, die einen psychisch kranken Elternteil haben. "Es freut mich sehr, dass wir das so ins Rollen gebracht haben", sagt sie. Auch weil sie als gelernte Psychologin ein Gespür für solche Probleme hat.

Und sie habe gelernt in ihren neun Jahren im Bundestag, wie gut Demokratie doch funktioniere: "Jeder Einsatz dafür lohnt sich." Für die anstehende Wahl steht Beate Walter-Rosenheimer nur auf Platz 19 der bayerischen Landesliste der Grünen. Die aktuellen Umfragewerte würden für ihren Wiedereinzug reichen. Sie würde gerne weiter machen, sagt Walter-Rosenheimer, auch wenn sie nicht an ihrem Posten "klebt", wie sie sagt. Jetzt gilt ihr Einsatz freilich erst einmal dem Wahlkampf. Auch an den Haustüren. Das Klingeln bei den Menschen mag sie eigentlich nicht so gerne, aber die meisten reagierten dann doch sehr angetan, wenn sie bemerkten, dass die Abgeordneten persönlich vorstellig würden. Heike A. Batzer

Ulrich Bode (FDP)

Bundestagswahl 2021: Streiter für ein Grundeinkommen: der Eichenauer Kommunalpolitiker Ulrich Bode.

Streiter für ein Grundeinkommen: der Eichenauer Kommunalpolitiker Ulrich Bode.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Ulrich Bode, 59, Inhaber einer IT-Firma und FDP-Bundestagskandidat, ist kein stromlinienförmiger Liberaler. Der Eichenauer Gemeinde- und Kreisrat liebt es, als analytischer Denker zu überraschen. So bekennt er, Wahlkämpfe zu mögen, "weil man gezwungen ist, sich aus der liberalen Komfortzone herauszubewegen". Über Fachwissen zu verfügen, hält er für die wichtigste Eigenschaft von Politikern. Gleichzeitig verweist er darauf, die von ihm geschätzten Fachpolitiker würden nicht unbedingt gewählt. Trotzdem will der in einer Patchworkfamilie lebende Kandidat bei der Wahl als Experte punkten. Tritt er doch mit einem einzigen Ziel an: Es geht ihm um einen parteiübergreifenden Konsens zur Einführung eines Grundeinkommens. Obwohl das nicht als Hauptanliegen der FDP gilt, ist Bode davon überzeugt, mit dem von den Liberalen als Bürgergeld bezeichneten Grundeinkommen viele soziale Probleme und die Gerechtigkeitsfrage lösen zu können. Wie das geht, beschreibt er in dem Buch "Sozial 4.0 statt Hartz IV".

Bode bezeichnet sich als Büchermensch, der beim Lesen von Unterlagen oder Akten ein Problem bis zum letzten Bit durchdringen will. Mit dem Wort Bit spielt der Informatiker auf das an, was seiner Ansicht nach seinen Beruf mit der Politik verbindet. Das sei die Fähigkeit, sich in ein Fachgebiet einzuarbeiten, für das man nicht ausgebildet ist, dem Ganzen eine Struktur zu geben und Lösungen zu finden. Woran es in der Politik fehle, seien angesichts oberflächlicher Diskussionen klare allgemeingültige Konzepte, die sich mit geringem Aufwand umsetzen lassen. In der Digitalisierung sieht Bode das ideale Mittel, in einem Grundeinkommen die unterschiedlichsten Sozialleistungen virtuell zusammenzuführen. Sollte das Wahlergebnis nicht für ein Mandat reichen, will er parteiintern für die Idee Grundeinkommen werben und gleichzeitig etwas gegen den Mangel an Konzepten und programmatischen Debatten tun. Über die Kontakte, das umzusetzen, verfüge er aus der Zeit als ehrenamtlicher Generalsekretär der Bayern-FDP. Stolz ist der Kreisrat darauf, mit durchgesetzt zu haben, dass in der IT-Technik alle Schulen des Landkreises bis zur Steckdose gleich ausgestattet sind. Diese Standardisierung gelte es auf kommunale Schulen auszuweiten.

Für Politik interessierte sich Bode bereits als Gymnasiast. In der Oberstufe befasste er sich mit Energiefragen, der Sicherheit von Atomreaktoren und las Risikostudien zur Wahrscheinlichkeit von Reaktorunfällen. An der Schwabinger Waldorfschule galt er als begabter Schauspieler, weshalb er sogar eine Bühnenkarriere erwog. Seine Liebe für Tanz und Gymnastik offenbart die musisch-künstlerische Seite, die der nüchterne Politiker Bode hat. Lange Zeit trat der Eichenauer in einer Tanzgruppe auf. Gerhard Eisenkolb

Ernestine Martin-Köppl (Die Linke)

Ernestine Martin-Köppl

Ernestine Martin-Köppl.

(Foto: Privat)

Ernestine Martin-Köppl ist das Gesicht der Linken in den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck. Deshalb ist es nicht überraschend, dass die 61-jährige Bürokauffrau auch als Direktkandidatin der Partei bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck antritt. Kämpfen ist eigentlich ihr Metier. Hat sie das Wort bei Kandidatendiskussionen, schlägt sich die eloquente ehemalige Krankenschwester immer sehr passabel. Doch in Pandemiezeiten läuft einiges anders, direkte Debatten gibt es kaum, und auch die Unterstützung der Parteimitglieder ist überschaubar. "Mein Wahlkampf könnte besser laufen", sagt denn auch Martin-Köppl.

Die Messlatte für die Kreissprecherin der Linken liegt einigermaßen hoch. Bei der Wahl im Jahr 2017 vier Jahren konnte die Partei immerhin 4,1 Prozent der Erst- und 5,1 der Zweitstimmen verbuchen. "Das Ergebnis war vor vier Jahren sehr gut", sagt die Kandidatin. Mit großem persönlichen Einsatz versucht Martin-Köppl, die in Garmisch aufgewachsen ist und seit 2007 in Emmering lebt, die zum großen Teil fehlende Unterstützung der Partei vor Ort zu kompensieren. "Die jungen Leute bei den Linken müssen studieren oder ihren Jobs nachgehen", beklagt sie. Deshalb schwärmt sie mit ihrem Ehemann Michael selbst aus, um Plakate zu kleben. Doch in der Endphase des Wahlkampfs ist Martin-Köppl zuversichtlich, dass sie ihre jungen Mitstreiter aus den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau noch zu mehr Engagement motivieren kann.

Immer noch fehlt es der Linken vor Ort am personellen Unterbau. Drei Mandate gab es bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr im Landkreis Fürstenfeldbruck. So sitzt ein Vertreter der Linken im Brucker Stadtrat und einer im Kreistag. Die gewählte Linken-Stadträtin in Germering ist inzwischen zur SPD übergetreten und hat ihr Mandat mitgenommen.

Martin-Köppl weiß, dass die Öffentlichkeit gerade auf die drei Kanzlerkandidaten fixiert ist. "Dazu kommt das Linken-Bashing von CDU und CSU", sagt die Emmeringerin, weil die vor einem möglichen linken Bündnis mit SPD und Grünen in Verzweiflung gerieten. Bei der Wahl will sie mit sozialen Themen punkten, darunter ist eine auskömmliche Rente nach österreichischem Vorbild. "Auch unser Klimaschutzprogramm ist hervorragend", hebt Martin-Köppl hervor, "weil es uns dabei mehr als bei den Grünen auch um soziale Gerechtigkeit geht." Dass die Linke eine Friedenspartei ist, sei wohl unbestritten. Als einzige habe sie Auslandseinsätze der Bundeswehr immer abgelehnt. "Mit unserem Programm müssten wir zweistellig werden", bekräftigt sie noch.

Martin-Köppl weiß jedoch, dass die Wählerinnen und Wähler kaum Programme lesen. In drei Wochen findet die Bundestagswahl statt und es gibt das Ergebnis. Danach freut sich die Kandidatin vor allem darauf, ihre im vergangenen Herbst geborene Enkelin in Bad Kohlgrub wieder häufiger zu sehen. Karl-Wilhelm Götte

Florian Jäger (AfD)

Bundestagswahl 2021: Florian Jäger.

Florian Jäger.

(Foto: Toni Heigl)

Florian Jäger möchte wieder in den Bundestag. Als Abgeordneter der AfD, der er nun schon einige Wochen ist. Dabei ist der 50-Jährige aus Olching bereits seit der Wahl vor vier Jahren und dem erstmaligen Einzug der AfD in den Bundestag im Bundestag tätig. Jäger ist der persönliche Referent des Augsburger AfD-Abgeordneten Rainer Kraft. Er hat sich um die Reden gekümmert, hat sich um das Wahlkreisbüro gekümmert. Alles also, was einen Abgeordneten erdet und ihm weiterhilft. Florian Jäger formuliert es so: Man dürfe nicht aus dem Fokus verlieren, was die Aufgabe des Parlamentariers sei. Er spricht da für seinen Abgeordneten wie für sich.

"Ich würde es, glaube ich, gut machen", antwortet der Kandidat auf die Frage, was ihm am Parlamentarismus und am Mandat liege. Vom Bundestag aus "das Leben der Menschen besser machen", das ist sein Ziel, und das möchte er unter anderem mit dem Abbau von Steuern und einer Linderung der Abgabenlast erreichen, und er will das "soziale Verhalten von Menschen fördern", ihnen Sicherheit vermitteln und die "ungesteuerte Einwanderung" beenden. Er betont, dass die AfD "Themen ins Bewusstsein gebracht" habe. An den Reaktionen der anderen Parteien im Bundestag erkenne er: "Wir haben politischen Einfluss, der nicht so ganz offensichtlich ist."

Seine Botschaften will der Olchinger Abgeordnete, der im Juli auf den Platz des verstorbenen AfD-Abgeordneten Martin Hebner nachrückte, im persönlichen Gespräch an Wahlkampfständen in den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck vermitteln und sich der sozialen Medien bedienen. Mit Videos hat er Erfahrung, weil er sie für Rainer Kraft produzierte.

Jäger bei seiner zweiten Bewerbung um ein Direktmandat politisch einzuordnen und ihm einen aussichtsreichen Listenplatz zu gewähren, ist seiner Partei nicht gelungen. Diejenigen, die ihn dem "Flügel" und Bernd Höcke zurechneten, seien falsch gelegen, sagt Jäger. Auch ihn an Extrempositionen oder den Lagern innerhalb der bayerischen AfD war nicht möglich. Vielleicht hat er deshalb den angestrebten Listenplatz zwölf nicht erhalten. Jäger ist realistisch genug, um seine Chance auf ein Direktmandat einzuschätzen. Das hat Katrin Staffler von der CSU inne, und weder die viel erfahrenere Grünen-Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer noch der umtriebige Olchinger SPD-Abgeordnete Michael Schrodi oder weitere Kandidatinnen oder Kandidaten dürften es ihr abnehmen.

Da die AfD vor vier Jahren 14 bayerische Kandidaten über die Liste in den Bundestag bringen konnten, wäre der zwölfte Platz bei ähnlichem Wahlergebnis aussichtsreich gewesen. Doch Jäger verlor die Abstimmung um diesen Platz bei der Aufstellungsversammlung in Greding gegen Gerrit Huy, die Direktkandidatin im Wahlkreis Weilheim-Schongau. Sie ist eine von vier Frauen auf der 26 Personen umfassenden Kandidatenliste. Auf eine hintere Position wollte er nicht, ist also auf der Landesliste nicht vertreten. Erich C. Setzwein

Stephanie Sichelschmidt (ÖDP)

Landkreis FFB: Neue ÖDP-Direktkandidatin für die Bundestagswahl

Stephanie Sichelschmidt.

(Foto: Privat)

In der Politik ist sie ein Neuling. Erst vor zwei Jahren beschloss Stephanie Sichelschmidt: "Schluss mit Schimpfen" und trat in die ÖDP ein. Jetzt will die 28-Jährige aktiv durchstarten. Ihr Ziel ist der Bundestag. Vor allem aber, dass sich etwas ändert. Die "Konsumgesellschaft" ist ihr ein Dorn im Auge. Zu viel werde einfach weggeworfen, obwohl es eigentlich noch gut sei, klagt sie und appelliert an alle: "Wir müssen sparsamer leben." Sie hat auch schon eine Idee, wie man das vielleicht erreichen könnte, ohne mit Verboten zu arbeiten. Die Kommunen sollten den Leuten eine Grundausstattung an Elektrogeräten bereitstellen - alte, die wiederverwendet werden, fordert die Nutzfahrzeugmechatronikerin. Das würde den Müll schon deutlich reduzieren.

Klimaschutz ist ihr sehr wichtig - besonders "die Nachhaltigkeit von Mensch und Natur überein zu bringen", so die Direktkandidatin. Es ist das ureigenste Thema der Grünen. Warum also engagiert sich Sichelschmidt nicht dort? "Das ist eine reine Verbotspartei", lehnt sie vehement ab. "Wir brauchen echte Ökologie und Transparenz." Die Grünen versuchten immer radikale Wege zu beschreiten, kritisiert sie. Und in Sachen Hartz IV wollten sie nur "individuelle Anpassungen". "Das ist ein Startpunkt", erklärt sie. Aber in Zeiten, in denen das normale Gehalt nicht mehr ausreiche, um sich eine Wohnung leisten zu können, müsse man mehr machen, nämlich Hartz IV auflösen und die soziale Ungerechtigkeit angehen.

Außerdem gelte es die Wohnungsnot im Ballungsraum München in den Griff zu bekommen. Immer mehr Wohnungen würden "outgesourcet", die Kommunen verpflichtet, Baugrund zur Verfügung zu stellen, moniert sie. Und dann entstünden Neubaugebiete mit vielen Einfamilienhäusern. "Das ist nicht so gut", sagt die Hilgertshausenerin. Bei dem "herrschenden Platzmangel" dürfe nicht so viel Fläche verbraucht werde. Sichelschmidt ist auf dem Dorf aufgewachsen und möchte ihre Heimat bewahren. Die Veränderungen, die der Ballungsraum mit sich bringt, sieht sie mit einigem Unbehagen. Natürlich kennt sie auch die Tücken des Landlebens: der lückenhafte öffentliche Nahverkehr. Den will sie unbedingt verbessern, schon um möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, ihr Auto stehen zu lassen.

Auch wenn die Grünen-Kanzlerkandidatin, Annalena Baerbock, in den Umfragen derzeit nicht so gut abschneidet, so steht ihre Partei doch noch immer hoch in der Wählergunst. Eine starke Konkurrenz für die ÖDP. "Da werden uns sicher viele Stimmen genommen", fürchtet Sichelschmidt. Sie appelliert an die Wähler, nicht zu glauben, dass eine Stimme für die ÖDP eine verlorene sei. "Kleinvieh macht auch Mist", sagt sie. Und muss es wissen, denn Sichelschmidt hat ein großes Herz für Tiere. Zu Hause hat sie fünf Meerschweinchen mit Behinderungen, die sie von der Notstation geholt hat. Sie ist im Meerschweinchenschutzverein und hilft jedem Tier, das ihre Hilfe braucht. Christiane Bracht

Susanne Droth (Freie Wähler)

Bundestagswahl 2021: Vielfältig vernetzt: Susanne Droth engagiert sich in vielen unterschiedlichen Ehrenämtern.

Vielfältig vernetzt: Susanne Droth engagiert sich in vielen unterschiedlichen Ehrenämtern.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Für Susanne Droth ist die Politik kein Neuland, auch wenn sie selbst noch kein Mandat innehatte. Aber die 50 Jahre alte Frau aus Fürstenfeldbruck, die sich für die Freien Wähler um einen Sitz im Bundestag bewirbt, kommt aus einer sehr politischen Familie: Ihr Mann Markus und ihr Sohn 20 Jahre alter Sohn Quirin gehören der Stadtratsfraktion der Freien Wähler an, ihre Tochter Veronika, 18, dem Stadtjugendrat. Vielleicht ist es sogar ein Vorteil, als Spätberufene in die Politik zu wechseln. "Ich stehe im Leben", sagt Droth. Und ihr sei die Nähe zu den Menschen im Wahlkreis wichtig.

Und so zögerte sie nicht lange, als die Bitte der Freien Wähler an sie herangetragen wurde, im Wahlkreis Dachau/Fürstenfeldbruck als Direktkandidatin anzutreten. Auch wenn alles sehr kurzfristig war: Denn der im April ursprünglich nominierte Otmar Tholler hatte aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Längst nicht nur wegen der niedrigen Frauenquote bei den Freien Wählern fiel der Blick schnell auf Susanne Droth, die im Juni dann mit dem Rückenwind eines einstimmigen Ergebnisses ins Rennen geschickt wurde. Die gelernte Industriekauffrau ist Unternehmerin sowie Gastwirtin und gut vernetzt auch dank ihres vielfältigen ehrenamtlichen Engagements: bei der Heimatgilde, als TuS-Übungsleiterin, beim Brucker Brettl, der Bürgerstiftung, Corona-Nachbarschaftshilfe und als Leiterin einer Kinder-Eventagentur auch beim Gewerbeverband. Zudem gilt sie als kommunikativ und meinungsstark.

Im Wahlkampf, bei dem sie von ihrer Familie unterstützt wird, sieht Droth nicht nur eine "Pflichtaufgabe", sondern eine spannende Herausforderung, zumal sie voll hinter dem FW-Wahlprogramm stehe. Am Herzen liegen ihr Themen wie Fahrzeuge mit umweltfreundlichem Antrieb und Häuser, die per PV-Anlage ihren eigenen Strom produzieren, die Regionalität der Wirtschaft, die Förderung mittelständischer Unternehmen, lokales Handwerk und die Bildung sowie die Förderung des Ehrenamts. Droth will zuhören und hat sich zum Ziel gesetzt, "gemeinsam Lösungen zu finden und umzusetzen". Aktuell wirbt sie zudem für Corona-Impfungen - die Ablehnung des Bundes- und Landesvorsitzenden Hubert Aiwanger sei als persönliche Entscheidung gleichwohl zu akzeptieren.

Bei einem Wahlkampfauftritt im Landkreis Dachau strich sie den Anspruch heraus, als Pragmatikerin Probleme anzupacken und zu lösen. Ihre eigenen Chancen auf das Direktmandat, das die CSU gepachtet zu haben scheint, bewertet sie realistisch. Ein Etappenziel sei aber schon erreicht, falls es den Freien Wählern erstmals gelingen sollte, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Stefan Salger

Daniel Burandt (Volt)

VOLT Kandidat

Daniel Burandt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Wenn Daniel Burandt beschreiben soll, wo man seine paneuropäische Partei verorten kann, dann sagt er: "in der progressiven Mitte". Denn, das weiß der Direktkandidat für den Wahlkreis Fürstenfeldbruck und Dachau natürlich selbst: Viele haben zwar vielleicht schon einmal den Parteinamen "Volt" irgendwo gelesen, die wenigsten aber wissen, was sich hinter dem Namen und der Partei verbirgt. Schließlich ist Volt eine junge und die erste in mehreren Staaten vorkommende Partei, die erst durch die Kandidatur bei der Europawahl 2019 ein wenig bekannt geworden ist. Das provoziert zu der Frage: Warum sollte jemand, der in Bayern lebt und arbeitet, bei der bevorstehenden Bundestagswahl im September eine Partei wählen, die sich weniger als deutsche als vielmehr als paneuropäische Partei versteht? Auch dafür hat Burandt eine Antwort: "Politik beginnt vor der Haustür und der europäische Gedanke auch." Passend dazu lautet der Wahlslogan der Partei auch: "Europäisch denken, lokal handeln."

Den 27-Jährigen Dachauer selbst hat dieser Gedanke kurz vor der Europawahl 2019 jedenfalls überzeugt - obwohl er bis dahin von sich selbst behauptet hätte, dass er gar nicht politisch ist, oder zumindest nicht partei-politisch. Ehrenamtlich engagiert sich Burandt indes schon seit Jahren: Als er in Stuttgart Luft- und Raumfahrt studiert hat, hat er sozial Benachteiligten Nachhilfeunterricht gegeben. Seit er für seinen Master in Medieninformatik mit dem Schwerpunkt Mensch-Computer-Interaktion an der Ludwigs-Maximilians-Universität München zurück nach Dachau gezogen ist, ist er als Mitglied beim runden Tisch gegen Rassismus aktiv.

Burandt, Sohn einer Peruanerin und eines Deutschen, gefällt der länderübergreifende Charakter, der Volt zugrunde liegt. Es gebe, so sagt Burandt, ein europäisches Grundsatzprogramm, das er als "unser Herzstück" bezeichnet, und auf dem auch das deutsche Wahlprogramm basiere. Für ihn hat eine Partei, die, so zumindest das langfristige Ziel, überall in Europa vertreten ist, den Vorteil, dass man sich für gemeinsame Probleme und Ziele in anderen europäischen Ländern und Städten nicht erst Verbündete suchen muss, sondern es bereits ein Netzwerk gibt, auf das man zurückgreifen kann. Für den überzeugten Europäer steht Europa im Übrigen aber nicht nur für Frieden, der europäische Gedanke geht für ihn auch mit einer Verantwortung gegenüber dem Rest der Welt einher.

Parallel zu seinem Studium arbeitet Burandt im Bereich Produktmanagement und -entwicklung. Für die nun anstehende heiße Phase des Wahlkampfs hat sich der Kandidat aus Dachau frei genommen. Fehlendes Geld und nur eine kleine Zahl von Unterstützern - im gesamten Wahlkreis gibt es mit Dachau nur einen Ortsverband, dessen Vorsitzender 27-Jährige ist - will er durch persönlichen Einsatz wettmachen. "Wir geben alles", sagt er. Burandt, der nicht nur als Direktkandidat, sondern auch auf Listenplatz 4 in Bayern kandidiert, ist davon überzeugt, dass seine Partei nur an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern kann, weil es ihr an Bekanntheit fehlt: "Inhaltlich reicht es." Jacqueline Lang

Fabian Handfest (Die Partei)

Bundestagswahl 2021: Fabian Handfest.

Fabian Handfest.

(Foto: Toni Heigl)

Wenn die Politik der anderen Realsatire ist, dann können wir auch Politik unter dem Deckmantel der Satire machen. Hätte "Die Partei" nicht schon einen Leitspruch, der schlicht lautet: "weil sie gut ist", hätte diese Feststellung das Zeug zum Motto der politischen Spaßvögel. Doch auch wenn Humor deren Mittel der Wahl ist, findet Fabian Handfest, Direktkandidat der Partei im Wahlkreis Fürstenfeldbruck: "Wir sind zwar in den Köpfen vieler eine Spaßpartei. Aber wenn man unsere Beiträge auf sich wirken lässt, prangern sie politische Missstände an."

Für den 20-jährigen Dachauer ist das Antreten als Kandidat zur Bundestagswahl auch keineswegs ein Witz unter Freunden, sondern ernst gemeintes Engagement. Im kompakten, 24 Punkte umfassenden Bundestagswahlprogramm der Partei sieht er vor allem zwei Vorteile: "Prozentual gesehen wird unser Wahlprogramm sicher am öftesten bis zum Ende durchgelesen. Außerdem machen wir nicht 125 Versprechungen, von denen wir vielleicht drei einhalten." Ob es überhaupt so weit kommt und die Partei in den Bundestag einzieht, ist zwar mehr als fraglich. Für den Veranstaltungstechniker in Ausbildung steht aber schon fest: "Es wird unser bestes Nachkriegsergebnis." Pointierte Antworten wie diese sind Handfests Stärke.

Neben dem Vorsitz des Dachauer Kreisverbands der Partei ist Handfest seit drei Jahren im Dachauer Jugendrat aktiv. Außerdem bestreitet er bereits seine zweite Amtszeit als Vorsitzender des Vereins "Freiraum Dachau". Immer wieder fällt er mit seinem vehementen Auftreten gegen die AfD auf. Julia Putzger

Christian Kreiß (Die Basis)

Der Kreisverband Dachau-Fürstenfeldbruck der Partei dieBasis, hat Prof. Dr. Christian Kreiß als Direktkandidaten für den Bundestag gewählt!

Christian Kreiß.

(Foto: Dirk Waechter/oh)

Die Basis ist eine von zwei Querdenker-Parteien, die zur Bundestagswahl antreten. Ihr lokaler Kandidat ist Christian Kreiß aus Gröbenzell, Professor für Betriebswirtschaft, Investition und Forschung an der Hochschule in Aalen. Vor vier Jahren trat der 58-Jährige als Direktkandidat für die Unabhängigen im Landkreis an. "Das war ein Schlag ins Wasser, die haben mich hängen lassen. Den Wahlkampf musste ich alleine machen", sagt er.

Die Basis wurde gegründet und wendet sich gegen die Corona-Maßnahmen. Kreiß bestreitet weder die Existenz des Virus noch dessen Gefährlichkeit, rügt aber Maßnahmen wie das Maskentragen. Die Regierung habe "überreagiert", es sei "Panik geschürt" worden. Man sollte Risikogruppen schützen und "ordentlich impfen", aber die Freiheit nicht einschränken, fordert Kreiß. Er ist jedoch noch nicht geimpft. "Ich habe dafür bis jetzt keinen Grund gesehen. Ich wünsche mir, ich würde mich infizieren, denn ich habe kein Risiko", sagt er und verweist auf Corona-Partys.

Anfangs stand Kreiß bei der Querdenker-Kundgebungen in München auf der Rednerbühne, distanzierte sich jedoch, als der Kopf der Szene, Michael Ballweg, zum Treffen mit Reichsbürgern einlud. Antisemitische Äußerungen von Sucharit Bhakdi, einer Ikone der Corona-Leugner und Mitglied der Basis, kann Kreiß "nicht nachvollziehen". Dessen Position, dass Impfen falsch und gefährlich sei, hält Kreiß für "ganz bescheuert". Er sieht sich als Linken, fordert mehr Gerechtigkeit, höhere Steuern für Reiche und will eine Bannmeile für Industrielobbyisten um den Bundestag schlagen. Peter Bierl

© maba
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