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Bundestagswahl 2021:ÖDP wählt Neuzugang zum Direktkandidaten

Will nach Berlin: Stefan Plate will für die ÖDP im September in den Bundestag einziehen.

(Foto: oh)

Erst seit September ist Stefan Plate Mitglied der Partei. Nun wurde er einstimmig für die Bundestagswahl aufgestellt

Von Sophie Kobel, Dachau

Wer Stefan Plate nach seinem politischen Schwerpunkt fragt, sollte Zeit mitbringen. Und zwar mindestens eine Stunde, denn der Puchheimer brennt für sein Lieblingsthema, die Verkehrswende. Auch deswegen wurde er am Montagabend bei der Mitgliederversammlung der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP) zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl im Wahlkreis 215 Fürstenfeldbruck einstimmig gewählt. Dieser umfasst die Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck ohne Germering, von Plate werden in Zukunft daher auch die Dachauer noch hören.

Dabei ist der 51 jährige IT-Fachmann erst seit September Mitglied bei der ÖDP. Noch im Frühjahr 2020 betonte er, bewusst parteilos sein zu wollen. "Ich dachte früher immer, als Berater muss ich neutral sein, dann hört mir jeder zu", erzählt Plate. Irgendwann habe er aber gemerkt, dass er als Parteifreier nicht in Arbeiterkreise auf Bundesebene aufgenommen werde. Durch seine Erfahrung als Berater bei der SPD, den Grünen und der ÖDP fiel ihm die Wahl am Ende nicht schwer: "Meine Ansichten stimmen mit denen der ÖPD sehr überein, und auch das interne Arbeitsklima habe ich hier nicht als so durchwachsen wahrgenommen, wie es bei größeren Parteien der Fall war".

Die Pläne von Plate für die Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau jedenfalls sind zahlreich: Mithilfe von Rikschas will er die Mobilitätslücke von Senioren schließen. Durch das Konzept der bewegten Quartiere will er Mobilität und Wohnen vereinen. Hierbei könnten sich Hausgemeinschaften die Kosten für gemeinsame E-Autos und Lastenräder teilen um so Co2 einsparen. Außerdem will er den Ausbau von Radschnellwege für Pendler entlang von S-Bahn-Linien voranbringen und Recyclingstationen fördern. Bei seinem ersten virtuellen Treffen mit der ÖDP Dachau will Plate zudem mithilfe des Klima-Verkehrswende-Rechners seinen Kollegen die Co2-Bilanz des Dachauer Verkehrs erläutern. Er ist sich sicher: "In München ist die Verkehrswende angekommen, aber in den Landkreisen ist sie noch ein Fremdwort".

Im Festsaal des Hotel Groß in Bergkirchen wurde der ÖDP-Politiker am Montagabend dann offiziell zum Direktkandidaten aufgestellt. Dass Plate nach nur knapp vier Monaten bereits zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl ausgesucht wurde, überraschte ihn trotz all seiner Pläne dennoch. "Ich wusste zwar, dass meine Expertise bei der ÖDP von Anfang an geschätzt wurde, aber als die anderen mir sagten, dass ich einstimmig als Kandidat gewünscht werde, hat mich das im ersten Moment doch erschlagen", erzählt der Wirtschaftsinformatiker. Nur 14 Personen, also in etwa ein Zehntel der Mitglieder, waren aufgrund der Corona-Beschränkungen anwesend. "Die Masken wurden zu keinem Zeitpunkt abgenommen und jede Person bekam ihren eigenen Tisch zugewiesen", erzählt Adrian Heim, Kreisvorsitzender der ÖDP Dachau. Er ist erleichtert, dass das Landratsamt die Veranstaltung ein paar Tage zuvor überhaupt genehmigt hat, die Partei hätte sonst ein Problem gehabt. Denn: "Direktkandidaten können rechtssicher nur in einer Präsenzversammlung gewählt werden", sagt Heim.

Dass ein Mitglied aus dem Kreisverband Fürstenfeldbruck und nicht Dachau zur Bundestagswahl antreten wird, das stört ihn und seine Parteikollegen aus Dachau überhaupt nicht. "Die zusätzliche Kandidatin Stephanie Sichelschmidt kommt aus unseren Reihen, es war uns wichtig, sie ebenfalls für die Liste vorzuschlagen. Sie ist schließlich noch jung und das ist eine tolle Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln und sich auf den kommenden Wahlkampf vorzubereiten", sagt Heim. Er selbst war in der Vergangenheit bereits drei Mal als Direktkandidat für die ÖDP angetreten. Dass die Chancen, es als ÖDP-Kandidat in den Bundestag zu schaffen, damals und heute sehr gering sind, weiß auch Heim. Trotzdem findet er es wichtig, präsent zu sein: "Es ist mehr eine symbolische Sache, unsere Leute auch für die Liste zu nominieren. Wer uns wählen möchte, soll immer die Möglichkeit dazu haben", sagt der Karlsfelder. Man wisse ja nie, vielleicht klappe es ja irgendwann doch noch mit der Fünf-Prozent-Hürde. Schließlich habe die ÖDP sich in den vergangenen Jahren sehr weiterentwickelt. Das Volksbegehren Artenschutz "Rettet die Bienen" zum Beispiel habe viel Aufmerksamkeit bekommen und bei der Europawahl konnte das Mandat gesichert werden. Auch auf lokaler Ebene habe man viel geschafft: Bei den internen Neuwahlen konnte sich die Partei in ihrer Struktur verjüngen, an der Spitze stehen nun zudem drei Frauen. Das mit der Fünf-Prozent-Hürde sei allerdings immer so eine Sache. "Viele Menschen wählen uns genau nicht weil sie denken, das schaffen wir eh nie", so Heim. Mit Stefan Plate aber, da ist sich Heim sich sicher, habe die Partei guten Zuwachs bekommen.

© SZ vom 13.01.2021
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