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Bürgerversammlung in Odelzhausen:Bilanz auf 154 Folien

Ortsmitte

Viele Odelzhausener würden es begrüßen, wenn wieder ein gastronomischer Betrieb ins Gasthaus zur Sonne einziehen würde.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bürgermeister Markus Trinkl nutzt die Bürgerversammlungen in Odelzhausen und Sixtnitgern als Wahlkampfveranstaltungen. Er lobt sich für seine Erfolge, die zweite Autobahnauffahrt, das Neubaugebiet Höfa Nord und die Ansiedlung eines Logistikunternehmens

Werbung in eigener Sache zu machen, ist genau sein Ding. Und so nutzte Bürgermeister Markus Trinkl (parteifrei) jetzt die Bürgerversammlungen in Odelzhausen und dem Ortsteil Sixtnitgern als Bühne, um sich zu präsentieren. Seine Vorträge in den Bürgerversammlungen haben schon immer einen gewissen sportlichen Charakter gehabt - zumindest für die Zuhörer. Wie viele Folien hat er heuer vorbereitet? Und vor allem: Wie lange wird er brauchen, um sie abzuarbeiten? Das sind so die Fragen, über die die Zuhörer zu Beginn derartiger Veranstaltungen spekulieren. Seit 2014 ist Trinkl Rathauschef in Odelzhausen. In dieser Zeit hat der 36-Jährige seinen Bericht von Mal zu Mal umfangreicher gestaltet. In diesem Herbst hat er sogar einen neuen Rekord aufgestellt: 154 Folien hatte Trinkl vorbereitet. Pünktlich um 19.30 Uhr legte er im großen Saal des Gasthaus Harner vor etwa 120 Interessierten los. Um 21.41 Uhr beendete er sein Referat. Von seinem Cola-Mischgetränk hatte er genau einmal genippt.

Zum Vergleich: Bei der Sommer-Bürgerversammlung in Ebertshausen hatte Trinkl einhundert Folien in knapp zwei Stunden durchgejagt. Dass er zum Ende des Jahres rund fünfzig Prozent mehr Bild- und Texttafeln zusätzlich eingefügt hat, hängt weniger an den seitdem abgeschlossenen Projekten, sondern wohl eher an der Kommunalwahl.

Aller Voraussicht nach muss der Amtsinhaber keinen Konkurrenten fürchten - alle im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen unterstützen seine Wiederwahl: BGO, CSU, FW und SPD. Dennoch scheint Trinkl zu befürchten, dass er nicht genügend Stimmen bekommen könnte. Denn einige Bürgerinnen und Bürger könnten auf ihr Votum verzichten, weil sie keine Wahl haben. Außerdem sind die Gemeinderatslisten diesmal deutlich länger als bisher - künftig sitzen zwanzig Kommunalpolitiker in dem Gremium, nicht mehr nur 16. Auch die riesige Kreistagsliste könnte manchen Wahlberechtigten abhalten. Trinkl möchte jedoch mit einem imposanten Ergebnis wiedergewählt werden. Außerdem hat er sich zum Ziel gesetzt, dass er dieses Mal unbedingt in den Kreistag einziehen will.

Seine besten Chancen sieht der Odelzhausener auf der Liste der Cchristsozialen - denen er wohl ebenso nah steht wie den Freien Wählern; auf die Idee, ihn als "Grünen" oder "Roten" zu bezeichnen, ist bisher niemand gekommen. Nichtsdestotrotz betonte Trinkl in Sixtnitgern ausdrücklich, dass er als "Parteifreier" kandidiere, auch für den Kreistag. Allerdings nimmt er auf der CSU-Liste gerade mal Rang 30 ein. Knapp hinter dem Haimhausener Amtskollegen Peter Felbermeier (29.), aber immerhin noch vor Altomünsters Anton Kerle (31.), beide arrivierte CSU-Größen.

Besonders ausführlich erzählte Trinkl seine unbestrittene Erfolgsstory bei den Bürgertreffen in Odelzhausen und Sixtnitgern und stellte nochmals die Bedeutung der künftigen zweiten Autobahnauffahrt heraus. "Jeder sagte voraus, dass eine zweite Anschlussstelle an einer der ganz großen Autobahnen unmöglich ist." Er habe es trotzdem versucht und hatte Erfolg - der allerdings erst nach den langwierigen EU-Ausschreibungsprozeduren sichtbar werden wird. "An eine Umgehungsstraße hatte vor sechs Jahren auch niemand mehr geglaubt." Er habe sich trotzdem in die Sache hineinkniet, mit Erfolg - der sich aus dem gleichen Grund erst in einigen Jahren manifestieren wird.

Doch die Erfolgsgeschichte ging weiter: Vom Neubaugebiet Höfa-Nord, in dem in absehbarer Zeit "200 bis 300 Neubürger" leben werden - und Einkommenssteuern zahlen, über das dortige Kinderhaus, "ein Bau für die Zukunft", bis hin zur Ansiedlung des Logistikriesen Noerpel, "der zugesagt hat, 500 Arbeitsplätze zu schaffen, davon die Hälfte im höherwertigen Segment". Für den künftigen "Glonnpark", ein Freizeit- und Naturareal zwischen Odelzhausen und Höfa, hatte Trinkl allein 13 Folien vorbereitet - mit beeindruckenden Fotos und aufwendigen 3D-Grafiken. Ein Sixtnitgerner Zuhörer fragte mit einem zweifelnden Unterton nach den Kosten. "400 000 Euro abzüglich 150 000 Euro an Zuschüssen", antwortete Trinkl und legte sofort nach: "Wir haben damit zusätzlich 300 000 Kubikmeter Retentionsraum geschaffen", falls die Glonn mal wieder über die Ufer treten sollte.

Bei einem anderen wichtigen Zukunftsthema bezog Trinkl auf beiden Versammlungen deutlich Stellung: dem weiteren Ausbau der Ortsmitte, insbesondere die Nachnutzung des früheren Gasthauses Sonne. Seit Jahren geistern Gerüchte durch den Ort, dass Trinkl dort ein neues Rathaus hinstellen will. Nun sagte er: "Mir ist es völlig egal, wo der Verwaltungssitz ist. Allerdings trage ich dafür Verantwortung, dass meine Mitarbeiter vernünftig arbeiten können." Das jetzige Rathaus verfüge über 21 Arbeitsplätze für genau 21 Verwaltungsfachkräfte. "Schon jetzt ist es knapp." Doch dass Odelzhausen weiter wachsen werde, sei sicher, so Trinkl, und damit auch die Verwaltung: "Deswegen müssen wir uns jetzt Gedanken machen und nicht erst in fünf Jahren, wenn es zu spät ist." Viele im Ort plädieren leidenschaftlich für eine neue bayerische Gastwirtschaft samt Metzgerei. Der Rathauschef beeilte sich zu betonen: "Ich auch!" Immerhin sei schon wieder ein Metzger in das Gebäude der Familie Willibald eingezogen, fuhr er fort. Das war ein Wunsch vieler. Trinkl appellierte an die Bürger, "dessen Angebot auch zu nutzen."