Bürgerversammlung Angst vor dem Verkehrskollaps

Die Entwicklung der Gewerbegebiete und die länger werdenden Staus beschäftigen die Bewohner in Dachau Ost. Oberbürgermeister Hartmann und Stadtbauamtsleiter Simon räumen die Probleme ein. Antworten bleiben sie schuldig

Von Stephanie Noll, Dachau

Nicht alle Plätze im Adolf-Hölzel-Haus waren am Mittwochabend bei der Bürgerversammlung in Dachau Ost besetzt. Der hitzigen Stimmung, die im Laufe des Abends entstand, tat das jedoch keinen Abbruch. Dafür war in erster Linie die Diskussion um die geplanten Gewerbegebiete auf dem ehemaligen Seeber-Gelände und an der Siemensstraße verantwortlich. Gerhard Schlabschi von der Bürgerinitiative anwohnerfreundliche Entwicklung Dachau-Ost e.V. meldete sich zwar erst nach fortgeschrittener Zeit zu Wort, dafür mit dem Thema, dass die meisten Beteiligten beschäftigte.

Ein Verkehrsgutachten für das Seeber-Gewerbegebiet besagt, dass nach der Umsetzung des Bauvorhabens mit 3800 zusätzlichen Fahrten pro Tag auf der Schleißheimer Straße gerechnet wird, wobei darin die genaue Arbeitsplatzdichte noch nicht festgelegt werden kann. Gegebenenfalls könnten sich die Verkehrsbewegungen daher auch auf eine Zahl von 6080 belaufen. Zusätzlich wird auch das geplante Gewerbegebiet Siemensstraße einen enormen Einfluss auf den Verkehr an der Kreuzung Bajuwaren-/ Schleißheimer Straße haben. Schlabschi kritisierte, dass beide geplanten Gewerbegebiete zusammen aus seiner Sicht voraussichtlich für zu viel Verkehr und somit auch zu viel Lärm und Schmutz sorgen würden. Sein Vorwurf an die Stadt lautete, dass es bisher kein übergreifendes Verkehrsgutachten für das Seeber-Gewerbegebiet und Siemensstraße gibt und somit keine aussagekräftige Vorhersage des künftigen zusätzlichen Verkehrsaufkommens möglich ist.

Das brachliegende Gelände an der Schleißheimer Straße 100 soll wieder belebt werden.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) blieb darauf eine konkrete Antwort schuldig. Er zeigte lediglich anhand einer Planskizze, dass die erste Version des Planes aufgrund von Einwänden der Bürgerinitiative bereits geändert wurde und man etwa Zugeständnisse bei der Wandhöhe gemacht habe. Zum zukünftigen Verkehrsaufkommen ergriff Stadtbaumeister Michael Simon das Wort und gab zu: "Die Kreuzung ist aus motorisierter Sicht jetzt schon katastrophal und wird noch ein bisschen schlimmer." Um Grünflächen freihalten zu können, müsse man jedoch verdichtet bauen und Verkehrsgutachten würden immer auf das jeweils betroffene Bauprojekt ausgerichtet werden.

Dass es zu einem Verkehrsproblem kommen werde, räumten sowohl Hartmann als auch Simon ein. Lösungen hatten sie jedoch nicht parat. Prinzipiell sei es die beste Lösung, wenn jeder seinen motorisierten Verkehr verringern würde.

Heinz Riedlbeck äußerte sich ebenfalls zum Thema Gewerbegebiet. Er brachte den Wunsch vor, das Seeber-Gelände bevorzugt mit produzierendem Gewerbe, vor allem Kleinbetriebe, und weniger Dienstleistungen zu besetzen. Hartmann entgegnete daraufhin, dass man keine Logistik-Betriebe und keinen Einzelhandel wolle. Da das Gelände aber privat sei, sei der kommunale Einfluss etwas beschränkt. Das Gelände gehört einem Investor aus Grünwald. Allgemein unterstrich Hartmann mehrmals die Bedeutung, die die Ansiedlung von Gewerbe für die Zukunft Dachaus habe. Denn nur mehr Gewerbe führe zu höheren Gewerbesteuereinnahmen. Diese seien zwingend nötig, um notwendige Investitionen zu tätigen und somit die Stadt und den Landkreis voranzubringen.

Peter Heller, Vorsitzender vom Bund Naturschutz Dachau, brachte die Petition zur Freihaltung der Grünflächen zwischen Dachau und Karlsfeld zur Sprache. Hartmann versprach, diese in dem neuen Flächennutzungsplan zu berücksichtigen, wobei der Weg dorthin lang und aufwendig sei. Die Stadt Dachau habe außerdem einen Antrag an den Kreistag für ein Landschaftsschutzgebiet auf der Fläche neben dem Seeber-Gelände gestellt, den dieser jedoch abgelehnt habe. Trotz der Ablehnung sei dort aber keine Gewerbefläche vorgesehen. Was an dieser Stelle gebaut werde, sei momentan noch nicht bekannt.

Auch das aktuelle und viel besprochene Thema möglicher bevorstehender Diesel-Fahrverbote griff Hartmann auf. Man habe sich mit dem Landesamt für Umwelt in Verbindung gesetzt und plane, selbst fundierte Messungen durchzuführen. Mit dem Ergebnis werde sich dann der Umwelt-und Verkehrsausschuss befassen. Unmittelbare Diesel-Fahrverbote von der Kommune stünden jedenfalls nicht bevor.

Zouheir Charrad vom Elternbeirat der Grundschule Dachau Ost brachte gemeinsam mit der Schulleiterin Ulrike Noha zum wiederholten Mal das leidige Problem des Mülls rund um die Wertstoffinsel an der Kreuzung Leipziger Straße/Troppauer Straße zur Sprache. Man müsse endlich eine Lösung finden, nachdem sich kürzlich ein Kind aufgrund eines herumliegenden Paketbandes verletzt habe. Die Diskussion darum erstrecke sich mittlerweile schon über einen Zeitraum von sieben Jahren. Hartmann versprach, das Problem baldmöglichst lösen zu wollen, da auch er eine weitere Verzögerung vermeiden wolle.