Bürgerpark in Karlsfeld:Der Tod einer schönen Idee

Die SPD will einen Bürgerpark zwischen Eichinger Weiher und der Würmschleife in Karlsfeld. Der Plan begeistert alle Fraktionen im Gemeinderat - aber die Umsetzung scheitert am Haushalt und den Forderungen der Grundeigentümer

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Einen schönen Park mit mächtigen Bäumen und großen Rasenflächen, mit Bänken zum Ausruhen und Genießen, das wünschen sich die Karlsfelder schon lange. Am Eichinger Weiher und an der Würmschleife gibt es bereits charmante Wege, auf denen man abseits des alltäglichen Trubels in der Natur spazieren kann. Doch das ist noch ausbaufähig: "Karlsfeld braucht ein grünes Herz", befand die SPD schon vor gut zwei Jahren und stellte den Antrag, einen Bürgerpark einzurichten. Vom Würmkanal bis zum Eichinger Weiher und weiter bis zur Bayernwerkstraße sollte man unansehnliche Brachen und Äcker in einen Grünzug verwandeln, der alle anspricht, so die Idee. Politiker aller Couleur waren davon begeistert. Im Flächennutzungsplan ist das Vorhaben bereits verankert. Doch die Umsetzung ist schwierig, wie sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung wieder gezeigt hat.

Am Eichinger Weiher

Vögel beobachten, Natur genießen - am Eichinger Weiher kann man das schon heute sehr gut. Doch viele wünschten sich noch mehr Parklandschaft in Karlsfeld, statt der zum Teil brachliegenden Felder.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die für einen Bürgerpark in Frage kommende Fläche erstreckt sich über etwa 13 Hektar Größe, so die stellvertretende Bauamtsleiterin Simone Hotzan. Die Grundstücke sind jedoch nicht im Eigentum der Gemeinde. Sie müssten erst angekauft oder gepachtet werden. Erste Gespräche mit den Besitzern, zumeist Landwirte, offenbarten allerdings zwei grundlegende Probleme: Nicht jeder ist bereit, sein Areal zu verkaufen und die, die es sich vielleicht vorstellen könnten, hegen gewisse Erwartungen - einerseits finanzieller Art, andererseits wollen sie im Gegenzug Wohnungen bauen dürfen.

Bürgerpark Planung

Am Würmkanal sollte der Bürgerpark beginnen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die zweite Schwierigkeit ist, dass die Gemeinde ihrerseits klamm ist. Ende 2019 hatte sie durch den Neubau der Grundschule an der Krenmoosstraße bereits Schulden in Höhe von fast 14 Millionen Euro gemacht. Für 2020 muss Karlsfeld einen weiteren Kredit aufnehmen - voraussichtlich in Höhe von elf Millionen Euro.

Mindestens 3,25 Millionen Euro würde der Park nach ersten Schätzungen kosten - ohne Grunderwerb. Doch das ist das "absolute Minimum", so Hotzan. Bänke, Spielplätze, Treffpunkte und Baumpflanzungen würde den Preis deutlich in die Höhe treiben. Mit mehr als zehn Millionen Euro müsse man für das Vorhaben schon rechnen, so die Prognose der Verwaltung. Denn der Park sollte ja mehr als nur eine grüne Wiese sein. Allein der Grunderwerb, sollte er überhaupt möglich sein, werde mindestens vier Millionen Euro kosten, so Hotzan. Nicht geklärt ist dabei auch, zu welchem Preis die Gemeinde das Land bekommen könnte, ob es der landwirtschaftliche Preis ist oder ob man Bauerwartungsland kauft.

"Niemand gibt gerne etwas für einen Park", konstatiert Bernd Wanka (CSU). Doch die mangelnde Begeisterung der Landwirte hat durchaus finanzielle Hintergründe. So müssten die Höfe der Bauern eine gewisse Betriebsgröße haben, um überhaupt wirtschaftlich geführt werden zu können, so Hotzan. Manch einer fühle sich deshalb nicht in der Lage, ein paar Hektar Land einfach abzuzwacken. Zudem müssen die Landwirte offenbar hohe Steuern zahlen, wenn sie einen Teil ihrer Äcker verkaufen und das Geld nicht innerhalb einer gewissen Zeit wieder in ihrem Betrieb reinvestieren. Denn dann gilt die Summe als aus dem landwirtschaftlichen Vermögen herausgenommen, das Land als umgewidmet. Mit Wohnungen auf anderen Grundstücken wollten die Landwirte diese Verluste kompensieren und drängten deshalb auf die Umwandlung in Bauland als Bedingung für einen Grunderwerb der Gemeinde. Laut Hotzan handelt es sich da um "größere Flächen", die bei den heutigen Grundstückspreisen sicher verdichtet bebaut würden. Wanka spricht grob geschätzt von bis zu 4000 neuen Bewohnern. Das wiederum würde die Gemeinde aber in Bedrängnis bringen. Denn diese müsste weitere Krippen und Kindergärten bauen und was sonst noch für infrastrukturelle Maßnahmen nötig sind. "Das hat uns früher schon tief in die Verschuldung getrieben", erinnerte Wanka.

Angesichts der Finanzlage der Gemeinde sind die Kommunalpolitiker sich einig: Abgesehen von dem großen Ludl-Areal, das wohl in nächster Zeit bebaut werden wird, will man kein neues Baugebiet mehr ausweisen. Denn noch mehr Einwohner verkrafte Karlsfeld momentan nicht. Die ohnehin schon schwierige Haushaltslage ist durch die Corona-Pandemie noch weiter in Schieflage geraten. Auch wenn Kämmerer Alfred Giesinger sagt: "2020 ist besser gelaufen als gedacht." 2021 sei allerdings nur über eine Kreditaufnahme finanzierbar, gibt er zu. Allein für den laufenden Betrieb brauche man nach derzeitigem Stand etwa 2,6 Millionen Euro mehr. Der Steuereinbruch, sowohl beim Gewerbe, als auch bei der Einkommenssteuer, macht jedenfalls nicht nur ihm Kopfzerbrechen - zumal ein Ende des Lockdowns noch immer nicht absehbar ist.

"Der Bürgerpark ist eine schöne Vision", sagt Adrian Heim (Bündnis). Doch sie ist derzeit eben nicht finanzierbar. Heim fürchtet sogar: "Das wird in dieser Amtsperiode nichts mehr - ganz realistisch betrachtet." Auf den Sankt Nimmerleinstag wollten die Gemeinderäte den Bürgerpark jedoch nicht vertagen. In zwei Jahren, so einigten sie sich, will man nun noch einmal überlegen, ob man nicht doch in die Planungen einsteigen soll. Eine Grundlage ist immerhin vorhanden. Eine Studentin hat bereits einige Ideen im Rahmen ihrer Masterarbeit aufgezeigt. Ideen, die die Gemeinderäte durchaus reizvoll finden.

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