Bürgermeister entnervt "Echt ein Wahnsinn"

Die Stadt will am Bahnhof mehr Platz für Stadt- und Umlandbusse schaffen. Relevante Flächen gehören der Bahn - die will Einzelhandel ansiedeln.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Stadt Dachau kommt mit dem Busbahnhof nicht voran, weil die Deutsche Bahn bei den Planungen nicht mitzieht.

Von Petra Schafflik, Dachau

Einen Aufruf zum Schwarzfahren im Zug wolle er jetzt zwar nicht starten, sagte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) in der Sitzung des Werkausschusses. Doch Hartmann ärgerte sich ziemlich über die Deutsche Bahn. Beim geplanten neuen Busbahnhof als Kernstück des Nahverkehrskonzepts muss die Stadt mit der Deutschen Bahn zusammenarbeiten. Doch der Konzern lässt die Stadt am langen Arm verhungern. "Da hängen wir", schimpfte Hartmann. Schon das Aufstellen neuer Fahrradständer an der S-Bahnstation verzögere sich. "Die offizielle Genehmigung muss aus Berlin kommen", beklagte Hartmann und sprach von "unglaublichen Zuständen". Weil das Placet ewig auf sich warten lässt, wird die Stadt die Fahrradbügel jetzt als Schwarzbau aufstellen. "Weil ich mag nicht mehr", begründete Hartmann.

Schwieriger ist es beim Projekt Busbahnhof. Diese geplante Bus-Umsteigestation direkt am S-Bahnhof ist zentral für die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs in der Stadt, relevante Flächen gehören der Bahn. "Aber die will keinen Busbahnhof, die wollen Einzelhandel", sagte Hartmann. Eigentlich sollte bereits ein Planungswettbewerb starten, doch die Bahn blockiere. "Echt ein Wahnsinn."

Auslöser für die massive Kritik an der Bahn war die Diskussion im Werkausschuss über die Frage, wie mehr Menschen zum Umstieg auf den Bus motiviert werden könnten. Und ob ein Bus-Schnuppertag, wie ihn die SPD beantragt hat, dafür ein geeignetes Mittel wäre. Die SPD will Werbung machen für den öffentlichen Nahverkehr in der Stadt. Damit die Bürger merken, so Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD), "man kommt mit dem Bus, wohin man will". Vorbild ist der Landkreis Fürstenfeldbruck, wo ein Bus-Schnuppertag im Herbst zum fünften Mal stattfand.

Es gibt auch Skepsis

Die Stadtwerke als Betreiber der Buslinien sind von der Idee nicht überzeugt. Natürlich lasse sich mit so einem Aktionstag die Leistungsfähigkeit des Busnetzes bewusst machen, heißt es in der Sitzungsvorlage. Aber ob jemand öffentlich fährt, sei "habitualisiert". Auch die Stadträte diskutierten kontrovers. Einfach mal ausprobieren will Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau) so einen Schnuppertag. Vielleicht an einem Samstag in Kooperation mit den Geschäftsleuten in der Altstadt und der Münchner Straße, ergänzt Verkehrsreferent Koch (SPD). So ein Schnuppertag könnte teuer werden, sorgt sich Peter Strauch (CSU), der gerne vorher die Kosten wüsste. Mitnahmeeffekte befürchtet Peter Gampenrieder (ÜB). Um die Bürger mit "Tücke und Charme" in den Bus zu bekommen, würde er einen zentralen Bereich für den Autoverkehr sperren und nur mit dem Bus anfahren lassen. Überzeugen könnten nur mehr Linien, ein besserer Takt und mehr Service findet dagegen Jürgen Seidl (FDP). "Die Leute sind zu bequem oder für den einzelnen ist das System nicht attraktiv."

Die gesamte "Mobilitätskette" müsse attraktiver werden, sagte Hartmann. Nur hake das eben am zentralen Umsteigepunkt und damit letztlich an der Bahn. Was Bürger abschrecke, sei der Preis, so die erklärte Viel-Busfahrerin Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU). Drei Euro für eine Hin- und Rückfahrt innerhalb der Stadt, "sind für manche zu viel". Bestrebungen, eine preiswerte Dachau-Karte einzuführen, seien am MVV gescheitert.

Auch wenn nicht alle hundertprozentig überzeugt sind von der Idee, wird man sich bei den Stadtwerken jetzt Gedanken über einen kostenlosen Schnuppertag machen. Dazu will man sich Anregungen aus Fürstenfeldbruck holen. Das Konzept wird anschließend erneut im Werkausschuss vorgestellt. Das entschieden die Stadträte mehrheitlich, eine Gegenstimme kam von Jürgen Seidl (FDP).