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Bürgerhaus:Zirpende Mandolinen

Nicht nur bei den Nachwuchsgruppen, auch im großen Vivaldi-Orchester sieht man einige junge Gesichter.

(Foto: Toni Heigl)

Beim Sommerzeit-Konzert des Vivaldi-Orchesters Karlsfeld spielt das Ensemble wie aus einem Guss

Von Adolf Karl Gottwald, Karlsfeld

Das hätte sich der gute alte Antonio Vivaldi, der ja nebenberuflich katholischer Priester, hauptberuflich Geiger und Komponist war, nicht träumen lassen, dass es eines Tages ein "Vivaldi-Orchester Karlsfeld" und - man lese und staune - "Vivaldi-Tiger" geben würde. Vor allem wäre es für Vivaldi undenkbar gewesen, dass ein nach ihm benanntes Orchester kein Streichorchester ist und dass "Vivaldi-Tiger" junge Zupfer, also vor allem Gitarrenspieler sein würden, wo er doch fast sein Leben lang in Venedig beim Ospedale della Pietà Geigenunterricht gegeben hat. Aus seinen Schülerinnen bildete er ein Orchester, das zu den "Hörenswürdigkeiten" Venedigs zählte und noch Goethe begeisterte.

Aber Vivaldi hat nicht nur Konzerte für Streicher geschrieben - allein rund 140 Konzerte für Violine und Streichorchester -, er hat auch Zupfinstrumente - Laute und Mandoline - bedacht. Ein Lautenkonzert C-Dur stand auf dem Programm des Konzerts "Sommerzeit", das die Vivaldi-Tiger und das Vivaldi-Orchester unter der Leitung von Monika Fuchs-Warmhold im Karlsfelder Bürgerhaus gegeben haben. Der bekannte Gitarrist Siegfried Behrend hat es für Mandoline, Gitarre und Zupforchester bearbeitet. In dieser Form erklang es nun beim Vivaldi-Orchester Karlsfeld.

Die Solisten - Regina Maier, Mandoline, und Adam Haranghy, Gitarre - spielten gewiss sehr gut, aber als Zuhörer hatte man Mühe, ihre Soli eindeutig zu hören, da sie sich klanglich vom Zupforchester kaum abhoben. Bei Vivaldi war es damals anders; für die gezupften Töne der Laute ist das Streichorchester wie ein Klangteppich. Beim Karlsfelder rund 40 Mitspieler starken Vivaldi-Orchester streichen aber nur die drei Kontrabassisten, alles andere zupft, und zwar so exakt, als wäre es nur einer. Unter Monika Fuchs-Warmhold spielt das Orchester wie aus einem Guss.

Adam Haranghy legte nach dem Vivaldi-Konzert seine Gitarre beiseite und profilierte sich als Sänger. Auf Vivaldi folgte nämlich "A Whiter Shade on G-String" für Gesang mit begleitendem Orchester. Die Grundlage dieser Musik ist die berühmte Air aus einer Orchestersuite von Bach. Da der gezupfte Ton schnell verklingt, können lange Töne beim Zupforchester nur durch das Tremolo der Mandolinen hergestellt werden. Seine Air im Mandolinengezirp - das hätte sich Bach auch nicht träumen lassen, aber der hatte bei 20 Kindern und dem ausufernden Kirchendienst als Leipziger Thomaskantor ohnehin kaum Zeit zum Träumen. An "A Whiter Shade on G-String" ist nicht nur Johann Sebastian Bach als Komponist beteiligt, sondern auch noch Keith Reid, Gary Brooker und Joachim Foth, der das Ganze für Zupforchester bearbeitet hat. Bei der "Sommerzeit", dem Titel gebenden Höhepunkt der zweiten Halbzeit des Konzerts, waren so viele Komponisten beteiligt, dass im Programmheftchen nur von "Div. Komponisten" die Rede sein konnte.

Eigentlich ist Martin Ziegenaus einer der drei Kontrabassisten im Vivaldi Orchester Karlsfeld, aber bei "I got Rhythm" von George Gershwin griff er kurzerhand zum Saxofon, um Gershwins schöner Melodie den richtigen Klang zu geben. Für den Rhythmus sorgte Monika Fuchs-Warmhold mit ihrem Orchester, und der war auch im zweiten Teil des Konzerts gefragt, etwa beim "Libertango" von Astor Piazzolla und bei der "Homenaje a Lionel" von André Waignein, bei der Jürgen Schieber am Vibrafon glänzte.

Antonio Vivaldi hat sich ja größte Verdienste bei der musikalischen Ausbildung Jugendlicher erworben. Das Vivaldi-Orchester Karlsfeld trägt auch insofern seinen großen Namen zurecht, als auch bei ihm die musikalische Förderung der Jugend ein besonderes Anliegen ist. Wie erfolgreich Monika Fuchs-Warmhold dabei ist, zeigten die 19 (!) Vivaldi-Tiger mit drei sehr gut gelungenen musikalischen Beiträgen zur Einstimmung auf die Karlsfelder Vivaldi-Sommerzeit. Auch das große Vivaldi-Orchester ist auffallend jung besetzt.

© SZ vom 23.04.2018
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