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Bürgerhaus Karlsfeld:Gezupft wie gehupft

Im Karlsfelder Bürgerhaus werden Tänze nicht nur gespielt, sondern auch aufgeführt, etwa von D'Knödldrahra.

(Foto: Toni Heigl)

Das Vivaldi-Orchester Karlsfeld widmet sich in seinem Jahreskonzert umfassend dem Thema Tanz

Von Renate Zauscher, Karlsfeld

"Tanz der Zuckerfee" in Anlehnung an Tschaikowskis gleichnamigen Satz im Ballett "Der Nussknacker" hatten das Vivaldi-Orchesters Karlsfeld und seine Leiterin Monika Fuchs-Warmhold als Titel für das Jahreskonzert ausgesucht. Das Programm war ganz auf das Thema "Tanz" abgestimmt, ebenso das Rahmenprogramm, das voller Überraschungen steckte. Ergänzt wurde beides durch eine Ausstellung mit Arbeiten des in Dachau lebenden Malers Tadeusz Stupka, der ebenfalls das Thema Tanz aufnahm.

Für den festlichen Auftakt im ausverkauften Bürgerhaus Karlsfeld sorgten die "Vivaldi-Tiger", die Jugendformation des Orchesters. 16 "Tiger" gibt es derzeit, nachdem zwölf jugendliche Musiker und Musikerinnen zu Beginn der Saison ins große Orchester übergewechselt sind. Beim Deutschen Orchesterwettbewerb in Jülich haben sie und die noch jüngeren "Vivaldi-Mäuse" eben erst den dritten, beziehungsweise zweiten Platz in ihrer jeweiligen Leistungsklasse geholt. Mit drei Stücken, darunter einer stimmungsvollen "Aria" von Girolamo Frescobaldi, bewiesen die "Tiger" dem Publikum im Bürgerhaus ihr beachtliches Können.

Mit dem eigentlichen Vivaldi-Orchester ging es dann auf eine Reise quer durch die Welt des Tanzes und der Tanzmusik. Rund 40 Mitglieder umfasst derzeit das 1970 von seiner Leiterin, Monika Fuchs-Warmhold, gegründete Ensemble, in dem, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ausschließlich Zupfinstrumente gespielt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei Mandoline und Gitarre; auch einige Mandolas, ein Mandoloncello und zwei Kontrabässe kommen zum Einsatz. Beim Konzert am Samstag setzten Ulrike Pobel und Jürgen Schieber mit Flöte und Schlagzeug einige zusätzliche musikalische Akzente.

Gleich das erste Stück im Programm nahm das Thema Tanz ganz im Stil der Renaissance auf und trug deshalb auch die Bezeichnung "Tabulaturen - Eyn Lust Tantz", stammte überraschenderweise aber von dem 1939 geborenen Komponisten Gunther Erdmann. Mit vier Sätzen aus Georg Friedrich Händels Oper "Rodrigo" war dann "echtes" Barock in Bearbeitung für Zupfinstrumente zu hören.

In ganz andere Welten führten Tänze aus Böhmen von Roland Leistner-Mayer, ein Walzer von Aram Khachaturian oder "Il Concerto" des großen griechischen Komponisten Manos Hadjidakis. Im zweiten Teil des Abends bestimmten erst elisabethanische Tänze und im Anschluss daran sieben Sätze aus Tschaikowskis "Nussknacker" das Programm, ehe drei südamerikanisch inspirierte Stücke von Markus Kugler für einen höchst temperamentvollen Abschluss sorgten. Mit einer italienischen Canzone und einem flotten Foxtrott als Zugabe verabschiedeten sich Monika Fuchs-Warmhold und ihr Orchester von ihren begeisterten Zuhörern.

Nicht nur auf musikalischer Ebene aber fand die Reise durch die Welt des Tanzes statt, sondern auch auf der der Optik. Zu den böhmischen Tänzen von Leistner-Mayer wirbelte plötzlich ein Paar in schöner Egerländer Tracht, Irena Büchner und Gerad Himmler von den Karlsfelder "Knödldrahan", über die Bühne. Ihnen folgten, immer auf die jeweilige Musik und ihren kulturellen Hintergrund abgestimmt, Damen und Herren, die mal, wie Geli Riepl, einen Eindruck von der Tanzkultur des Elisabethanischen Zeitalters vermittelten, mal mit eleganten Tango- oder Samba-Einlagen das musikalische Geschehen begleiteten. Ganz besonders viel Beifall bekam Antonia Bauer für ihre bezaubernde Balletteinlage.

Das Thema Tanz bestimmte auch die Bilder, die Tadeusz Stupka eigens für diesen Abend geschaffen hatte. Ob im Foyer, im Festsaal oder als Bühnenbild: Seine temperamentvollen, durchaus auch erotischen Tango-Paare, feurigen Flamenco-Tänzerinnen oder zarten Balletteusen regten die Zuschauer zu vielen Diskussionen und wohl auch zu dem ein oder anderen Bilderkauf an.

© SZ vom 22.05.2017
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