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Bürger sollen mitgestalten:Gemeinsam älter werden auf dem Land

Die Maro-Genossenschaft hat bereits mehrere generationenübergreifende Wohnprojekte in Bayern realisiert. Hier ein Beispiel aus Weilheim.

(Foto: Maro/oh)

Bergkirchen stellt sich dem demografischen Wandel mit der Teilnahme an einem Förderprogramm mit dem Namen "Marktplatz der Generationen". Senioren sollen eigenständig in kleineren Apartments aber doch in einer sorgenden Gemeinschaft leben

Vor Jahrzehnten mit großen Anstrengungen errichtet, wird das Häuschen im Grünen im Alter oft zur Last. Wege zum Arzt oder Supermarkt erleben Senioren als beschwerlich, die Gartenpflege wird zur Plackerei. Eine Entwicklung, auf die nun die Gemeinde Bergkirchen frühzeitig reagieren möchte. Das Ziel: Ältere sollen in ihrem Dorf bequeme, barrierefreie Wohnungen finden, dort aber nicht isoliert, sondern gemeinsam mit jungen Familien leben. "Wir liebäugeln mit einer Art Generationen-Wohnkomplex", erklärt Bürgermeister Simon Landmann (CSU).

Die Idee ist schon konkret: Weil in einigen Dörfern jetzt große Bauernhöfe aussiedeln, wird im Ortskern Platz für so ein Projekt. Einen Planer hat die Gemeinde schon beauftragt. In dieser Situation kommt das staatliche Förderprogramm "Marktplatz der Generationen" gerade recht. Die Gemeinde hat sich deshalb mit den beiden Dörfern Oberbachern und Unterbachern beworben, weil gerade kleine Kommunen im demografischen Wandel unterstützt werden. "Dass wir ausgewählt wurden, hat uns gefreut", sagt Landmann. Das Fachwissen aus dem Förderprogramm soll ins Projekt Generationen-Wohnen und vielleicht weitere Konzepte einfließen. Aufgelegt wurde das Programm vom bayerischen Sozialministerium. Es wurde in den vergangenen vier Jahren bereits in neun Modellkommunen in allen bayerischen Bezirken erprobt und richtet sich konkret an kleine Kommunen mit bis zu 3000 Einwohnern.

Bergkirchen entdeckt das Thema Senioren nicht neu. Vielmehr hat die Gemeinde bereits einiges auf den Weg gebracht, um das Älterwerden auf dem Land zu begleiten. Im gemeindlichen Bruggerhaus gibt es das Sozialbüro, wo Leiterin Ute Hönle als Ansprechpartnerin bereit steht, Informationen bietet und Veranstaltungen organisiert. Aber weitere Anstrengungen sind wie in allen Gemeinden auch in Bergkirchen notwendig. Fachwissen von Experten kann dabei nicht schaden und über das Förderprogramm "Marktplatz der Generationen" werden Bergkirchen, Oberbachern und Unterbachern auch Erfahrungen anderer Kommunen nutzen können. Vor allem von den sogenannten "Best-Practice-Beispielen", als erfolgreichen Projekten anderer Gemeinden, möchte man lernen, erklärt Ute Hönle. "Denn wir müssen das Rad ja nicht neu erfinden." Damit aber nicht über die Bürger hinweg geplant wird, gelte es zunächst "Stimmen zu sammeln, Ideen zusammen zu tragen und die Bürger zu beteiligen."

Fest steht aber schon, dass das Thema Wohnen ein erster Schwerpunkt sein wird. Um gewappnet zu sein, wenn die zahlenmäßig starke Generation der Babyboomer älter wird. "Dann werden wir es nicht mehr schaffen, dass jeder in seinem Haus wohnen bleibt und sich dort eigenständig versorgt", sagt Hönle. Das Motto "my home is my castle" habe keine Zukunft, wenn viele Senioren von wenigen Jungen betreut werden müssen. "Wir müssen zurück zu einer sorgenden Gemeinschaft." Aus diesem Gedanken heraus ist in Bergkirchen die Idee für den Generationen-Wohnkomplex geboren. Ziel ist, dass Bürger in ihrem Heimatdorf altersgerechte, kleine Apartments finden, in denen sie eigenständig, aber doch in Gemeinschaft leben können.

Mit so einem Angebot im vertrauten Umfeld könnten sich Ältere auch leichter tun mit einem Umzug. Und ihre zur Last gewordenen Häuser oder Wohnungen frei machen für junge Familien. Noch gibt es im ländlich geprägten Bergkirchen vor allem Einfamilienhäuser und kaum geeignete kleine Apartments oder überhaupt Wohnungen, weiß der Bürgermeister. Genau deshalb will man nun gemeinsam mit der Kreiswohnbaugesellschaft anpacken. Das Generationen-Wohnen als Komplex für Ältere und Junge, mit Versammlungsräumen für gemeinschaftliche Aktivitäten. Damit Senioren im Alter gut leben können. Aber auch mit dem Nebeneffekt, dass die Ortschaften nicht zu Schlafdörfern werden, sondern lebendige Mittelpunkte behalten.

Das Förderprogramm "Marktplatz der Generationen" läuft für Bergkirchen erst 2018 an. Bis dahin will Ute Hönle Wünsche und Meinungen zusammentragen. Eine erste Veranstaltung unter dem Motto "Wohnen und Leben in Bergkirchen - auch im Alter" bietet am Donnerstag, 12. Oktober, Informationen über gängige Wohnformen für Ältere. Vorgestellt wird auch die Maro-Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen aus Ohlstadt, die bereits mehrere generationsübergreifende Wohnprojekte in Bayern realisiert hat. Der Themenabend im Bruggerhaus (Römerstraße 3, Bergkirchen) beginnt um 18.30 Uhr, Anmeldung erbeten unter Telefon 08131/2731525 oder ute.hoenle@bergkirchen.de.