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Briefwahl im Wahlkreis Dachau und Fürstenfeldbruck:"Hauptsache demokratisch"

Briefwahl besonders beliebt

Im Landkreis Dachau ziehen im Bundesvergleich überdurchschnittlich viele Bürger die Briefwahl dem Gang ins Wahllokal am Sonntag vor.

(Foto: dpa)

Direktkandidaten des Wahlkreises Dachau und Fürstenfeldbruck appellieren an die Bürger, durch eine starke Beteiligung die Erfolgschancen der AfD eindämmen zu helfen. 29 Prozent haben sich zur Briefwahl entschlossen

Von Viktoria Großmann, Dachau/Fürstenfeldbruck

Ein Drittel der Wahlberechtigten im Landkreis Dachau wird am Sonntag nicht an die Urne gehen. Die Wähler füllen den Stimmzettel lieber zu Hause aus. Bis zum Mittwoch hatten bereits 29,6 Prozent der Wahlberechtigten Briefwahlunterlagen angefordert. Im selben Bereich bewegen sich die Zahlen aus dem Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck. Damit liegt der gemeinsame Wahlkreis nicht nur im bundesweiten Trend, sondern führt ihn sogar an. Während in Augsburg 20 Prozent Briefwähler bereits einen deutlich Anstieg bedeuten, lag die Quote im Landkreis Dachau bereits vor vier Jahren bei 26 Prozent und damit etwas über dem bayerischen Durchschnitt.

"Wir haben unseren Wahlkampf darauf abgestimmt", sagt Michael Schrodi (SPD), der bis zur letzten Minute an Infoständen um Stimmen kämpft. Immerhin 70 Prozent der Wahlberechtigten gilt es noch zu erreichen. Die hohe Briefwahlnachfrage sieht der Bundestagskandidat als gutes Zeichen. "Das heißt, dass es den Menschen wichtig ist, ihre Stimme abzugeben." Tatsächlich zeigt die Statistik, dass die meisten angeforderten Unterlagen genutzt werden. Briefwähler seien sehr sicher, wem sie ihre Stimme geben wollen, erklärte der Münchner Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld der Deutschen Presseagentur. Laut dieser sehen Forscher die Zahl der Briefwähler als Indikator für eine insgesamt hohe Wahlbeteiligung.

Besorgt ums Wahlgeheimnis ist die Grüne Bundestagsabgeordnete für Dachau und Fürstenfeldbruck, Beate Walter-Rosenheimer: "Wenn ich daran denke, dass ich nicht einmal meine damals kleinen Kinder mit in die Wahlkabine nehmen durfte, heute aber überall Wahlunterlagen auf Küchentischen und in Wohnzimmern liegen, ist diese Frage schon berechtigt", sagt sie. Zudem könnten aktuelle Ereignisse oder Aussagen nicht mehr bewertet werden.

So wird es wohl besonders vielen Vierkirchnern gehen: Hier haben sogar 34,5 Prozent der Wähler Briefwahlunterlagen angefordert. Vielleicht liegt das aber auch nur an der übersichtlichen und informativen Homepage. Ganz anders als die in Karlsfeld, auf der man nur Informationen zu vergangenen Wahlen abrufen kann. Für alle Gemeinden gleichermaßen gilt: Noch bis 18 Uhr an diesem Freitag können in den Rathäusern Briefwahlunterlagen beantragt werden. Die Briefe müssen am Wahlsonntag bis 18 Uhr im Rathausbriefkasten der Gemeinden eingeworfen werden. Das Wahlamt in der Großen Kreisstadt beantwortet Fragen dazu unter Telefon 08131/75 300.

Eine Sprecherin des Landratsamtes Fürstenfeldbruck mahnt, die Anleitung genau zu befolgen: Stimmzettel in den blauen Umschlag, Wahlschein unterschreiben und beides zusammen in den roten Umschlag. Den Wahlbrief erst am Freitag mit der Post zu versenden, empfiehlt die Deutsche Post ausdrücklich nicht einmal selbst. Wem am Wochenende noch etwas dringendes dazwischen kommt, der kann noch bis Sonntag, 15 Uhr, Briefwahlunterlagen erhalten. Diese kann ein Bevollmächtigter abholen.

Am Sonntag gleich früh morgens will CSU-Bundestagskandidatin Katrin Staffler in ihrer Heimatgemeinde Türkenfeld wählen gehen. "Für den Wahlkampf ist die lange Briefwahlzeit schon eine Herausforderung", sagt sie. Bei der Stadt Dachau konnten bereits seit 14. August Briefwahlunterlagen beantragt werden. Wählen also mitten in den bayerischen Sommerferien und knapp drei Wochen vor dem TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Die CSU hat deshalb bereits im Juli an Infoständen geworben und vor den Sommerferien Flyer in den Briefkästen verteilt.

Auch Beate Walter-Rosenheimer geht am Sonntag ins Wahllokal, daheim in Germering. Das sei ein "lieb gewonnenes Ritual. Es hat für mich fast etwas Feierliches". In diesen letzten Tagen geht es der Bundestagsabgeordneten, die wieder gewählt werden möchte, wie auch den Kandidaten für Berlin, Schrodi als auch Staffler, in erster Linie um Mobilisierung. "Jede Stimme zählt", sagt Schrodi. "Hauptsache, die Menschen gehen wählen und wählen demokratisch", sagt Walter-Rosenheimer. "Es war noch nie so wichtig wählen zu gehen", ruft Katrin Staffler auf - im Hinblick darauf, dass allen Prognosen zufolge, nach dem 24. September die rechtsnationale AfD in den Bundestag einziehen wird.

Die Erdweger müssen, falls sie am Sonntag nicht ins Wahllokal gehen können, zweimal Briefwahlunterlagen beantragen. Einmal für die Bürgermeisterwahl und einmal für die Bundestagswahl. Für alle Unentschlossenen gibt es an diesem Freitag eine der letzten Möglichkeiten, sich direkt mit den Politikern auseinander zu setzen. Ins Bürgerhaus W5 in Schönbrunn sind zwischen 10 und 12.30 Uhr Beate Walter-Rosenheimer, Martin Güll (SPD) und Georg Kiermeir und Moritz Gambke (CSU) anzutreffen.

© SZ vom 22.09.2017
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