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Billard:Mit Köpfchen und Gefühl

Für Johannes Halbinger ist Billard einfach nur ein erfolgreiches Hobby, Profi will er nicht werden.

(Foto: Toni Heigl)

Physikstudent Johannes Halbinger gehört seit dieser Saison der ersten Bundesligamannschaft des BSV Dachau an

Von Laura Dahmer, Dachau/Zolling

Johannes Halbinger ist Physiker durch und durch. Im Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München erlernt er das theoretische Wissen, die Praxis kommt am Billardtisch. "Billard hat viel mit Winkeln zu tun, man berechnet da schon mal was im Kopf und braucht ein Gefühl dafür, wie die Kugeln verlaufen", sagt der Zollinger. Er spricht von "Kiss-Shot-Tangenten", dem 90-Grad-Winkel der weißen Kugel und verschiedenen Bandensystemen. Der 24-Jährige kennt sein Handwerk: Er spielt für den BSV Dachau in der ersten Bundesliga, im vergangenen Jahr wurde er Deutscher Meister im 10-Ball.

Angefangen hat Halbingers Karriere schon früh. Mit neun Jahren entdeckte er, dank seines Vaters, seine Begeisterung für diesen Sport. "Er war selber ganz angetan, hat auch regelmäßig Snooker im Fernsehen geguckt und meinen Bruder und mich einmal im Monat mit zum Billardspielen genommen", erinnert sich der Sportler. Es folgte die Anmeldung beim 1. PBC Freising. Für Jugendliche in dem Alter gab es keinen richtigen Ligabetrieb. Die Konsequenz: Halbinger spielte immer gegen Erwachsene. Am Anfang sei man da natürlich chancenlos, aber "man lernt sehr schnell und wenn man dann mal gewinnt, fühlt es sich umso besser an", sagt Halbinger lächelnd. Mit 14 Jahren spielte er in der Bayernliga, dann folgte der Wechsel zum BSV Dachau. Seit dieser Saison spielt Halbinger fest in der ersten Bundesligamannschaft. "Das ist schon was anderes als vorher in der zweiten Liga. Der Niveausprung ist sehr groß, es spielen einige Profis mit." Zu denen gehört er nicht, es gebe sowieso sehr wenige, die vom Billard leben können. "Im Dezember ist ein Deutscher Weltmeister geworden, der hat 40 000 US-Dollar für den Titel bekommen. Wenn man mal schaut, was ein Tennisspieler für einen Grand Slam bekommt, ist das nichts." Er wolle ohnehin kein Profi werden. "Mir macht mein Physikstudium viel mehr Spaß, Billard ist einfach nur ein erfolgreiches Hobby." Was er sich trotzdem wünscht, ist eine größere Popularität für seinen Sport. Dass die fehlt, liegt für ihn auch an dem komplexen Regelwerk. "Viele Vereine kritisieren, dass Billard dadurch nicht so zuschauerfreundlich ist."

Es gibt vier Disziplinen: 8-Ball, 9-Ball, 10-Ball und 14/1 endlos. "8-Ball ist das, was eigentlich jeder kennt, mit den halben Kugeln, den vollen und der schwarzen am Ende", erklärt Halbinger. Das ist das Einzige, das man dann problemlos verfolgen kann. In der Bundesliga werden aber alle Disziplinen kreuz und quer gespielt, pro Spieltag darf der Spieler zwei auswählen. Wer Billard schauen will, muss außerdem Zeit mitbringen: Ein Spiel dauert in der Regel eineinhalb bis zwei Stunden. Trotzdem empfiehlt der Billardspieler, "sich einfach mal einen Bundesligaspieltag anzuschauen, um zu sehen, was in dem Sport eigentlich so alles möglich ist." Es sei ziemlich beeindruckend, einen Profi beim Spielen zu sehen. "Der Hauptreiz ist für mich, dass man die weiße Kugel auf dem Tisch so kontrollieren kann, wie man mag. Und dass man beim Billard eigentlich nicht gegen den Gegner spiele: "Es ist viel mehr ein psychischer Kampf gegen sich selbst."

In der Bundesliga spielt Halbinger hauptsächlich 8-Ball und 14/1 endlos. "Ich war überrascht, dass ich dann genau im 10-Ball Deutscher Meister geworden bin", sagt der Zollinger. Er war mit der Jugend zwar schon Zweiter bei der Deutschen Meisterschaft und Europameister mit der Junioren-Nationalmannschaft, aber der deutsche Titel im Einzel der Herren ist für Johannes Halbinger der bisher größte sportliche Erfolg. "Eigentlich habe ich gehofft, dass ich durch den Meistertitel dieses Jahr mit zur Europameisterschaft fahren kann." Dafür hat er kürzlich allerdings eine Absage bekommen. Deshalb blickt er schon mal zur EM im nächsten Jahr. Bis dahin hat der 24-Jährige eher berufliche Ziele: Er macht jetzt seinen Master und möchte sich um eine Doktorandenstelle an der LMU bewerben.

© SZ vom 15.02.2019

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