Bilanz des VdK Dachau:Der Sozialstaat knausert in der Krise

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Herzschlag

Stefanie Otterbein ist als Geschäftsführerin des VdK Dachau inzwischen für 7372 Mitglieder zuständig.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

VdK Dachau erstreitet für seine Mitglieder mehr als 750 000 Euro an Nachzahlungen

Im Krisenjahr 2020 verzeichnet der Sozialverband VdK Bayern einen deutlichen Zuwachs: Insgesamt stieg die Zahl der VdK-Mitglieder im Landkreis im vergangenen Jahr um fast 300 Mitglieder. Zum Jahresende waren 7372 Dachauer Bürgerinnen und Bürger Mitglied im VdK. Die Mitgliederzahl in ganz Bayern beträgt mehr als 743 000.

Die Geschäftsführerin des VdK-Kreisverbandes und Sozialjuristin Stefanie Otterbein bezeichnet die steigenden Mitgliederzahlen als "Vertrauensbeweis", der belege, dass sich die Menschen beim Sozialverband VdK gut aufgehoben fühlen. Der Sozialverband VdK Dachau habe bewiesen und im Krisenjahr gezeigt, dass sich seine Mitglieder auf ihn verlassen können. Wo Geschäfte und Behörden schließen mussten oder Kontaktbeschränkungen galten, blieb der VdK sowohl im ersten als auch im zweiten Lockdown für seine Ratsuchenden immer erreichbar.

Die Kreisgeschäftsstelle hat im vergangenen Jahr mehr als 3800 Beratungstermine durchgeführt. In diesen Terminen wurden fast 5400 verschiedene rechtliche Themen besprochen. Wegen der Kontaktbeschränkungen wurden die Beratungstermine zu fast 90 Prozent telefonisch, schriftlich oder elektronisch abgewickelt. So konnte sichergestellt werden, dass die Geschäftsstelle jederzeit erreichbar blieb und das Infektionsrisiko für VdK-Mitglieder - zum großen Teil Menschen mit Vorerkrankung, Behinderung oder Ältere - minimiert werden. Lange Wartezeiten auf einen Termin findet man in Dachau nicht.

Der Vergleich der Jahre 2019 und 2020 zeigt, dass sich das Beratungsvolumen durch die Corona-Krise nicht wesentlich verringert hat, aber auch nicht, wie zunächst erwartet, enorm gestiegen ist. Es haben etwas weniger Beratungstermine stattgefunden als im Vorjahr, was sich durch den ersten Lockdown im März/April erklären lässt. "In dieser Zeit haben die Leute unsere Beratung nur sehr zögerlich in Anspruch genommen und waren unsicher, auch wenn die Rechtsberater des VdK Dachau immer erreichbar waren", bilanziert der Dachauer VdK-Verband.

Besonders auffällig ist, dass deutlich weniger Anträge gestellt worden sind als im vergangenen Jahr: fast 150 Anträge weniger als im Vorjahr. Viele Ratsuchende haben während des ersten Lockdowns eher von Antragstellungen abgesehen oder diese aus Infektionsgründen, wo es möglich war, verschoben. "Dies ist für uns eine sehr besorgniserregende Entwicklung und wir können nur davon abraten, Anträge zu verschieben oder gar nicht zu stellen", so der VdK. Bevor eine solche Entscheidung getroffen wird, sollte auf jeden Fall eine fachkundige Beratung eingeholt werden, da ansonsten wichtige Ansprüche verloren gehen können. Hilfesuchende erreichen den VdK Kreisverband Dachau per Post unter Bruckerstraße 47, 85221 Dachau, unter der Telefonnummer 08131 / 87 87 2 oder per E-Mail: kv-dachau@vdk.de.

Die Zahl der eingelegten Widersprüche und Klagen hingegen steigt konstant an und lag im Jahr 2020 bei 218 Widersprüchen und 55 Klagen. Mit zwei juristischen Beratern betreuten die Experten des VdK Kreisverbandes Dachau im vergangenen Jahr mehr als 768 Verfahren. Der Schwerpunkt der Verfahren liegt im Schwerbehinderten- sowie Rentenrecht. Erhöhter Beratungsbedarf ist seit einiger Zeit aber auch im Bereich der Pflegeversicherungsleistungen zu erkennen. Besonders die Corona-Krise ließ aber auch die Beratungszahlen im Bereich des Arbeitslosengeldes II und der Sozialhilfe sowie auch des Arbeitslosengeldes merklich ansteigen. Insgesamt wurden 752 069 Euro an Nachzahlungen für VdK-Mitglieder erstritten. Zu beachten ist, dass laufenden Zahlungen (etwa monatliche Rente/Krankengeld) oder geldwerte Vorteile nicht beinhaltet sind.

Der Sozialstaat stehe auf dem Prüfstand, warnt der VdK, gerade und insbesondere auch in Fragen rund um die Finanzierung der Krise. "Für uns geht es darum, ihn zu verteidigen, denn aus unserer Sicht darf die Krise nicht auf dem Rücken der ohnehin schon sozial Benachteiligten oder gar unseres Sozialstaates als großem Ganzen ausgetragen werden." Im anstehenden Wahljahr will der VdK "soziale Ungerechtigkeiten in unserem Lande anprangern" und auf Verbesserungen im Sinne seiner Mitglieder hinwirken.

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