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Betrug:In großem Stil

Eine 28-jährige Versicherungsangestellte aus Altomünster soll ihre Kunden um 750 000 Euro geprellt und in anderen Fällen Kreditbetrug begangen haben. Die Angeklagte räumt die Vorwürfe zum größten Teil ein.

Eine ehemalige Versicherungsangestellte aus Altomünster soll ihre Kunden um fast 750 000 Euro betrogen haben. Außerdem wird der 28-jährigen Mutter Kreditbetrug in Höhe von knapp 35 000 Euro zur Last gelegt. Die Frau muss sich seit Freitag vor dem Landgericht München II verantworten. Zum Auftakt des Prozesses hat sie die Vorwürfe aus der Anklage der Staatsanwaltschaft nach anfänglichem Zögern zum größten Teil eingeräumt.

Zu ihren Motiven will die gelernte Bankkauffrau in dem auf fünf Verhandlungstage angesetzten Verfahren vor der 2. Strafkammer erst zu einem späteren Zeitpunkt Angaben machen. Die Angeklagte arbeitete von August 2011 bis Mitte Januar 2013 als selbständige Vertriebspartnerin für eine Lebensversicherung. Den Ermittlungen zufolge fälschte sie in diesem Zeitraum unter anderem Unterlagen und gaukelte so laut Staatsanwaltschaft ihren Kunden vor, dass sie deren Gelder angelegt habe. Außerdem soll die 28-jährige Frau Schriftstücke gefälscht und somit veranlasst haben, dass eine Reihe von Kundenkonten aufgelöst wurden. Die Gelder aus den Guthaben habe die Angeklagte, so die Staatsanwaltschaft, anschließend auf eines ihrer eigenen Konten überwiesen.

Doch damit nicht genug. Um an Geld zu kommen, soll die Bankkauffrau zudem bei verschiedenen Krankenversicherungen und Hausratsversicherungen gefälschte Nachweise vorgelegt haben. Im April 2013 etwa teilte sie ihrer Versicherung mit, dass in ihrem Haus in Altomünster ein Rohr gebrochen sei. Die Folge: Das Wasser sei vom ersten Obergeschoss durch das gesamte Haus gelaufen. Böden, Wände und Einrichtungsgegenstände seien völlig durchnässt und beschädigt. So dramatisch sich der Fall anhört, kein Wort davon stimmte.

Bei der Regulierung des Schadens soll die 28-Jährige ihrer Versicherung eine Vielzahl gefälschter Rechnungen vorgelegt haben. Bei der Assekuranz fiel das jedoch niemanden auf, so dass die 28-Jährige 15 500 Euro erhielt. Trotz des mutmaßlich ergaunerten Geldes war es mit der Zahlungsmoral der Angeklagten anscheinend nicht weit her. Im Januar 2013 kaufte sie eine Küche im Wert von rund 3700 Euro. Die Rechnung wurde jedoch nie beglichen. Ebenso die Behandlung bei einer Psychotherapeutin. Für 41 Behandlungstermine wurde der Angeklagten ein Betrag in Höhe von etwa 2900 Euro in Rechnung gestellt. Die Therapeutin wartet noch heute auf ihr Geld. Die gleiche Erfahrung machte auch eine Firma in Schwabhausen, bei der die 28-Jährige 60 Quadratmeter Rollrasen bestellt hatte. Nicht viel anders ging es einem Einrichtungshaus in Aichach. Dort hatte die Bankkauffrau im Oktober 2013 Einrichtungsgegenstände im Wert von 5820 Euro eingekauft.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft umfasst nicht weniger als 21 Seiten. Alles in allem werden der Bankkauffrau 45 Fälle von Betrug in einem besonders schweren Fall zur Last gelegt. Darüber hinaus Urkundenfälschung sowie Beleidigung. Als die Angeklagte eines Abends Ende August 2012 mit ihrem Auto von ihrem Anwesen in Altomünster fahren wollte, kam sie an einem geparkten Pkw nicht vorbei. Zwischen ihr und dem Halter des Fahrzeugs kam es zum Streit. Als dieser der 28-Jährigen schließlich empfahl, zu einer Nachschulung an einem Verkehrsunterricht teilzunehmen, entgegnete die Angeklagte: "Leck mich doch am ..." In diesem Augenblick zeigte ihr der Fahrer des geparkten Pkw, der in zivil war, seinen Polizei-Dienstausweis. Die Angeklagte reagierte hierauf unbeeindruckt mit weiteren wüsten Beschimpfungen. Ein Urteil in dem Prozess wird für Ende Februar erwartet.