Besuch der Bundestagsabgeordneten in Wagenhofen Die Hoffnung ruht auf Katrin Staffler

Firmenchef Martin Kistler und die Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler (CSU) sowie Mitarbeiter.

(Foto: Kistler/oh)

Ein Hersteller von Fotovoltaikanlagen, erklärt der CSU-Abgeordneten, warum Handwerk und Energiewende gefährdet sind

Von Renate Zauscher, Wagenhofen

In Handwerksbetrieben, die sich auf den Bau von Fotovoltaikanlagen spezialisiert haben, geht die Angst um: Laut einem vor kurzem bekannt gewordenen Entwurf zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist eine Kürzung der Einspeisevergütung für neue PV-Dach-Anlagen ab einer Leistung von 40 Kilowatt Peak (kWp) um zwanzig Prozent vorgesehen. Sie soll zusätzlich zu bereits bestehenden Degressionsmechanismen mit monatlichen Absenkungen um ein Prozent greifen. Als Folge erwartet die Solarwirtschaft massive Umsatzeinbrüche. Einer der im Landkreis Dachau betroffenen Betriebe ist die Firma "Kistler-Elektrotechnik-Neue Energie" in Wagenhofen. Firmeninhaber Martin Kistler hatte aus diesem Grund die Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler (CSU) eingeladen, um ihr die eigenen Sorgen und die der Solarwirtschaft insgesamt vorzutragen.

Die vor 28 Jahren gegründete, in Wagenhofen in der Gemeinde Pfaffenhofen an der Glonn ansässige Firma ist seit 18 Jahren primär im Bau von PV-Dachanlagen aktiv, bietet aber auch Heizsysteme mit Wärmepumpen und Flächenheizungen, Elektrotechnik für Gewerbe und Landwirtschaft sowie Ladeinfrastruktur für Elektromobilität an. Im Laufe der Firmengeschichte kam es bereits nach Gesetzesnovellen 2012 und 2014 zu massiven Umsatzeinbrüchen. Mittlerweile aber, sagt Firmenchef Martin Kistler, habe sich die Situation wieder stabilisiert. Die Firma hat wieder elf statt früher einmal 35 und zwischendurch nur noch fünf Mitarbeitern; dazu fünf Auszubildende - ein nicht nur sehr engagiertes, sondern auch junges Team, was gerade im Handwerk nicht selbstverständlich sei. Was sein Unternehmen dringen brauche, sei Kontinuität - nicht zuletzt, um die Mannschaft in Zeiten des Fachkräftemangels zusammenzuhalten und seinen Mitarbeitern berufliche Sicherheit zu bieten.

Ihren Hauptumsatz macht die Firma Kistler mit dem Bau von PV-Anlagen im Ausbausegment zwischen 40 und 100 Kilowatt Peak. Genau für diesen Bereich aber soll die zwanzigprozentige Kürzung der Fördermittel für Neuanlagen gelten. Als "Anschlag auf die Energiewende" bezeichnet das der Bundesverband der Solarwirtschaft, zumal die neue Regelung bereits zum Jahresbeginn 2019 in Kraft treten soll. "Eine so hohe Förderkürzung mit so kurzer Vorwarnung greift tief in die Planungssicherheit der Handwerksbetriebe ein", heißt es beim Verband. Viele Vertragsverpflichtungen würden sich nicht mehr erfüllen lassen.

Auch in der Firma Kistler fürchtet man, dass bereits erteilte Aufträge storniert werden könnten. Martin Kistler fordert deshalb zumindest einen zeitlichen Aufschub, zumal die monatliche Reduzierung der Einspeisevergütung für Neuanlagen derzeit ohnehin bei einem Prozent liegt. Für den Markt wäre es laut Kistler wesentlich verträglicher, wenn die Förderreduzierung nicht jetzt sondern vielleicht erst im kommenden Sommer greifen würde und statt einem mit zwanzig Prozent sehr massiven Eingriff monatliche Kürzungen von vielleicht zwei Prozent beschlossen würden.

Nicht nur die jetzt geplante Kürzung der EEG-Vergütung im mittleren Segment aber sorgt für Ängste gerade im Handwerksbereich, sondern auch eine geltende Deckelung der Fördermittel: Sobald die bereits installierte PV-Gesamtleistung eine Grenze von 52 Gigawatt erreicht hat, soll die Einspeisevergütung für neue Dachanlagen auf Null sinken. Dies könnte bereits 2019 der Fall sein - mit gravierenden Folgen für die Solarbranche wie auch die Energiewende in Deutschland, heißt es beim Bundesverband Solarwirtschaft, der die Abschaffung der Deckelung fordert.

Martin Kistler präsentierte der Bundestagsabgeordneten Katrin Staffler bei ihrem Besuch in Wagenhofen eine Fülle von Fakten und Zahlen, die seine Sorgen belegen. In ihrem Gespräch mit dem Firmenchef wurde deutlich, dass Staffler dessen Sorgen ernst nimmt. "Botschaft angekommen - Problem verstanden", sagte sie, "wir müssen dieses Thema verstärkt auf unsere Agenda setzen." Zwar könne sie "nichts versprechen", sie werde die erhaltenen Informationen aber dahin weiterleiten, wo die entsprechenden Entscheidungen getroffen werden.

Die Abgeordnete Staffler will sich an ihre Bundestagskollegen Anja Weisgerber, Mitglied im Umweltausschuss, und an den für Umwelt und Energie zuständigen, stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion, Georg Nüßlein, wenden. In der Firma Kistler hofft man sehr, dass Staffler Gehör findet.