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Bessere Sicht:Zwei Blickwinkel

Der Spiegel an der Kreuzung Münchner Straße/Schillerstraße soll das Radfahren sicherer machen.

(Foto: Toni Heigl)

Ein Bürger aus Dachau möchte die Sicherheit für Radfahrer erhöhen und spendiert Trixi-Spiegel. Die Stadt sucht noch nach einem geeigneten Standort, ist aber von dem Effekt nicht vollständig überzeugt

Wer mit dem Radl unterwegs ist, kennt das mulmige Gefühl, wenn man an einer roten Ampel neben einem blinkenden Lastwagen zum Stehen kommt. Sieht mich der Lastwagenfahrer? Viel zu oft passieren schwere Unfälle, wenn Radler von abbiegenden Fahrzeugen überrollt werden. So auch in Dachau, wo 2011 an der Kreuzung Theodor-Heuss-/Sudetenlandstraße eine Schülerin ums Leben kam, weil ein Lkw-Lenker sie übersehen hatte.

Gottfried Habersetzer, der die Familie des Mädchens aus seiner Nachbarschaft kennt, war schockiert. Und reagierte, als er 2014 von speziellen "Trixi-Spiegeln" hörte, die an Ampeln für einen besseren Überblick sorgen sollen. Sofort spendierte Habersetzer der Stadt drei Spiegel, die 2015 auch montiert wurden. Doch ein vierter Spiegel, den Habersetzer an der Unfallkreuzung sehen will, "liegt immer noch bei mir in der Garage". Offenbar wurde diese Offerte bei der Stadt übersehen. Nachdem Habersetzer bei einer Bürgerversammlung nachhakte, soll kommende Woche mit der Verkehrspolizei besprochen werden, "wo dieser Spiegel sinnvoll ist", erklärt Hauptamtsleiter Josef Hermann. Ob er tatsächlich an die Unfallkreuzung kommt, ist offen. Nach dem Unglück wurde dort die Verkehrsführung komplett umgebaut. "Diese Kreuzung ist seitdem vermutlich die sicherste in der Stadt", sagt Richard Wacht, Verkehrsexperte der Dachauer Polizei.

"Der gefürchtete tote Winkel ist damit ausgeschaltet"

Als Bürger hat er sich für mehr Sicherheit einsetzen wollen, doch bei der Stadt rannte er mit seinem Engagement nicht gerade offene Türen ein, so sieht es Habersetzer. Nach dem tragischen Unfall an der Theodor-Heuss-Straße sah er zufällig einen Fernsehbericht über die speziellen Trixi-Spiegel, die an Ampeln für mehr Übersicht und damit auch mehr Sicherheit für Radler sorgen sollen. Erfunden wurde die Orientierungshilfe von Ulrich Willburger, dessen Tochter von einem abbiegenden Lkw schwer verletzt wurde. Habersetzer ist von diesem System überzeugt. Im Spiegel sehe der Fahrzeuglenker sich selbst plus den Bereich vor und neben dem Fahrzeug. "Der gefürchtete tote Winkel ist damit ausgeschaltet." Der Spiegel bringt wertvolle Sicherheit, davon ist Habersetzer überzeugt. Genau deshalb hat er 2014 sofort drei Spiegel geordert, die dann von der Stadt als Geschenk angenommen und in der Münchner Straße montiert wurden. An der Einmündung Schiller- und Hermann-Stockmann-Straße stadtauswärts und der Einmündung Bahnhofsstraße stadteinwärts können sich alle Fahrzeuglenker nun per Blick in die runde Scheibe orientieren.

Die spontane Spende geriet bei der Stadt in Vergessenheit

Bei der offiziellen Einweihung war damals auch Spiegel-Erfinder Willburger anwesend und spendierte Dachau spontan noch einen weiteren Spiegel. Der, so seine Idee, soll an der Kreuzung montiert werden, wo der tödliche Unfall passiert ist. Doch diesen Spiegel verwahrt immer noch Habersetzer. Über die Annahme von Geschenken muss formal der Hauptausschuss des Stadtrats entscheiden. "Die haben darüber noch gar nicht abgestimmt", ärgert sich der Dachauer. Die spontane Spende in lockerer Gesprächsrunde beim Ortstermin geriet bei der Stadt offenbar in Vergessenheit. Habersetzer ist sauer und fordert nachdrücklich, den Spiegel endlich zu montieren. Und zwar an der Unfallkreuzung, "da gehört der Spiegel hin".

Doch so einfach, wie sich der spendable Bürger das vorstellt, ist die Sache nicht. Die Stadt will gemeinsam mit der Polizei nach einem geeigneten Standort suchen, erklärt Hauptamtsleiter Hermann. Ob das Votum dabei nach Habersetzers Wunsch ausfällt, ist eher fraglich. Nach dem tragischen Unfall wurde diese Kreuzung umfassend umgebaut, so dass für Radler und Fußgänger maximale Sicherheit erreicht wird. Ein Trixi-Spiegel dort "wäre ein Signal, dass die Kreuzung gar nicht optimal erneuert worden ist", gibt Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) zu bedenken. Zudem sehen Experten jegliche Verkehrsspiegel kritisch. Diese Orientierungshilfen "können hilfreich sein, aber auch verwirren", sagt Verkehrspolizist Richard Wacht. "Viele Autofahrer können damit nicht umgehen", hat auch Stefan Januschkowetz vom städtischen Ordnungsamt beobachtet. Die Spiegel seien störanfällig, schon ein Sturm kann die korrekte Position verändern, weiß Wacht. Wer sich allein auf diese Orientierungshilfen verlasse, wäge sich zu Unrecht in Sicherheit. "Von der Verkehrspolizei gibt es deshalb keine Empfehlung, wir verhalten uns da neutral."

© SZ vom 07.04.2017/lela

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