Pfingstkonzert:Liebeserklärung an das Leben

Pfingstkonzert: Im Altarraum der Pfarrkirche St. Johann Baptist treten Susanna Morper (Violine) und Petra Morper am Klavier auf.

Im Altarraum der Pfarrkirche St. Johann Baptist treten Susanna Morper (Violine) und Petra Morper am Klavier auf.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Auf den ersten Blick sieht das Programm des Pfingstkonzerts in Bergkirchen nach einem Ritt durch die Musikgeschichte aus. Beim Publikum erweist es sich aber als stimmiges Ganzes.

Von Dorothea Friedrich, Bergkirchen

"Eternal source of light divine - ewiger Quell göttlichen Lichts" war das Motto des diesjährigen Konzerts am Pfingstmontag in der Pfarrkirche St. Johann Baptist in Bergkirchen. Das Motto stammt aus der "Ode zum Geburtstag von Queen Anne" aus dem Jahr 1713, komponiert von Georg Friedrich Händel (1685-1759), und hätte leicht abgewandelt auch lauten können: Ewiger Quell himmlischer Musik.

Seit mehr als zehn Jahren organisieren Pianistin Petra Morper und Sängerin Janet Bens die Pfingstkonzerte: Neben Morper an der Orgel und am elektrischen Klavier, traten Geigerin Susanna Morper und Cellist Nenad Uskokovic auf. Und von der Orgelempore aus sang Mezzosopranistin Stephanie Eineder mit ihrer kraftvollen und zugleich geschmeidigen Stimme das Stück "Eternal source". Im Altarraum folgten drei Arien aus Christoph Willibald Glucks (1714-1787) berühmtem "Orfeo ed Euridice" sowie vier Stücke aus dem Liederalbum von Richard Strauss (1864-1949).

Susanna Morper hatte für ihr Instrument folgende Stücke ausgewählt: die Sonata quarta detta "La Hortensia virtuosa" des italienischen Komponisten und virtuosen Geigers Marco Uccellini (1603-1680), das Allegro aperto aus dem Violinkonzert No. 5 A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und die Polnische Caprice von Grazyna Bacewicz (1909-1969).

Cellist Uskokovic hatte sich für die Sonate e-Moll von Antonio Vivaldi (1678-1741) und die Fantasiestücke op. 73 von Robert Schumann (1810-1856) entschieden. Und Petra Morper? Die Unermüdliche hatte gleich mehrere Aufgaben übernommen: als Lied- und Instrumentalbegleiterin, als "Orchesterersatz" oder - leider nur einmal - als Solistin mit dem "Reigen seliger Geister" aus Glucks Orfeo ed Euridice in der Klavierfassung.

Pfingstkonzert: Susanna Morper lässt ihre Geige bei der Polnischen Caprice förmlich tanzen.

Susanna Morper lässt ihre Geige bei der Polnischen Caprice förmlich tanzen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Mochte das Programm auf den ersten Blick wie ein ziemlicher Ritt durch die Musikgeschichte vom Barock über die Romantik bis zur klassischen Moderne anmuten, erwies es sich für das Publikum im fast voll besetzten Kirchenschiff als stimmiges Ganzes, mit Können und Empathie gesungen und gespielt.

Das lässt sich nachvollziehen, wenn man sich das Konzertprogramm und die Geschichte um den Sänger Orpheus (Orfeo) und seine geliebte Eurydike (Euridice) in Erinnerung ruft: In Glucks Oper wird Orfeos Kampf mit den Furien zur ewigen Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse. Und in Richard Strauss' "Allerseelen" lässt sich die verzweifelte Sehnsucht nach der oder dem toten geliebten Menschen nachspüren. Nicht zuletzt - und Höhepunkt dieser Stunde wahrhaft guter Musik - war die zutiefst bewegende Aria "Erbarme dich" aus Johann Sebastian Bachs (1685-1750) "Matthäuspassion" - eine in Musik gegossene Empfindung, die in ein Gotteshaus genauso gehört wie in einen Konzertsaal oder in ein Opernhaus.

Sänger und Instrumentalisten bekamen reichlich Zwischenapplaus

Wie sehr die vier Künstler harmonierten, zeigte sich nicht nur in ihren Soloauftritten. Gesang, Geige, Cello und Klavier waren immer wieder in bemerkenswerten Zusammensetzungen zu erleben. Dabei erklang jedes Stück, je nach Intention "zart und mit Ausdruck" oder "lebhaft leicht" oder "rasch und mit Feuer", um es mit Robert Schumanns Bezeichnungen seiner Fantasiestücke auszudrücken. Der Lohn für die große Leistung der Sänger und Instrumentalisten: reichlich Zwischenapplaus, der im traditionellen Konzertbetrieb ja immer noch verpönt ist, den aber alle Mitwirkenden mehr als verdient hatten.

Susanna Morper spielte mit großem Einfühlungsvermögen, ließ ihre Geige bei der Polnischen Caprice förmlich tanzen. Cellist Uskokovic entlockte seinem Instrument ein ganzes Klangfarben-Universum. Sängerin Stephanie Eineder zeigte die ganze Bandbreite ihrer Ausdruckskraft: von der untertänigsten Huldigung im barocken Überschwang für Queen Anne ist es schließlich ein weiter Weg zur oft strapazierten "Zueignung" von Richard Strauss. Die Mezzosopranistin machte daraus eine wunderbare Liebeserklärung an das Leben - so wie das Konzert am Pfingstmontag das Leben mit all seinen Facetten, die Musik und "das göttliche Licht" feierte.

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