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Kultur in Bergkirchen:Das Hoftheater darf nicht sterben

Dem Freundeskreis gehören auch einige im Landkreis bestens bekannte Persönlichkeiten an wie Landrat Stefan Löwl, Bergkirchens Bürgermeister Robert Axtner, seinen Vorgänger Simon Landmann, Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler und Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter.

(Foto: Toni Heigl)

Die Bergkirchener Bühne muss infolge der Corona-Krise ihr Ensemble verkleinern und plant zudem bauliche und technische Veränderungen. Ein neu gegründeter Freundeskreis will dabei helfen, die professionelle Kultureinrichtung dauerhaft zu erhalten

Von Dorothea Friedrich, Bergkirchen

Was braucht ein Theater in Corona-Zeiten? "Freude, Freunde, Träume", sagt Hoftheater-Chef Herbert Müller. Eine beinahe mit Händen zu greifende Freude erfüllt den kleinen Theaterraum am Samstagnachmittag. Schließlich sind es bis zur Premiere des Sommertheaters nur noch wenige Wochen. Die Darsteller dürfen endlich wieder proben, Ulrike Beckers kann wieder Bühnenbild und Kostüme gestalten und hat bereits das ausgeklügelte Sicherheitskonzept für die Freilichtaufführungen an der alten Schule in Lauterbach getestet. "Hier sind Sie richtig" heißt es dort von Samstag, 4. Juli, an. "Hier sind Sie richtig", ist auch das Leitmotiv der zwölf Hoftheater-Liebhaber, die sich am vergangenen Samstag - im vorgeschriebenen Abstand - im Theater getroffen haben. Sie wollen mit der Gründung des Freundeskreises Hoftheater Bergkirchen zeigen, wie verbunden sie dem einzigen professionellen Theater zwischen München und Augsburg sind.

Gekommen sind Landrat Stefan Löwl, Bergkirchens Bürgermeister Robert Axtner und sein langjähriger Vorgänger Simon Landmann, Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler, Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter, Edith Daschner, seit Jahren der gefühlte kulturelle Motor der Gemeinde, sowie einige Stammgäste des Hoftheaters. Entstanden ist die Idee in den vergangenen Wochen, als das Hoftheater wie fast alle Kultureinrichtungen von Existenzsorgen und Zukunftsängsten geplagt war - und viel Unterstützung von privater und öffentlicher Seite erfahren hatte. Die war auch bitter notwendig. Obwohl im Hoftheater - ganz im Gegensatz zu etlichen großen Bühnen - alle Mitarbeiter und Darsteller sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren und damit Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben, sind die Perspektiven nicht gerade rosig. Schließlich ist noch völlig ungewiss, ob und wann es wieder Schulvorstellungen geben wird, die das zweite Standbein des Ensembles sind.

Doch Müller und sein Team sind zuversichtlich. Gerade arbeiten sie "zum dritten Mal" am Spielplan für die Herbst-Winter-Saison. Das Theater soll umgebaut werden, damit die behördlichen Auflagen erfüllt werden können. Die Pläne reichen von einer komplett neuen Lüftungsanlage bis zur Erweiterung des Zuschauerraums. Der Spielplan wird den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Stücke mit wenigen Darstellern und zwei Aufführungen pro Abend, so wie andernorts auch. Mehr als ein Wermutstropfen ist für Müller, dass damit notgedrungen auch das Ensemble verkleinert werden muss. Eine Entscheidung, die ihm sichtlich nicht leichtgefallen ist. Doch der rührige Theaterchef bleibt Optimist. Ganz nach dem Motto "Theater braucht Träume", sagt er mit verschmitztem Lächeln: "Meine Träume gehen ganz weit, von einem neuen Mischpult bis zu einer Halle, die vielleicht sogar von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wird." Gut möglich, dass zumindest in Sachen Mischpult und sonstigem Equipment der neu gegründet Freundeskreis schnell aktiv werden kann.

Der offizielle Teil, die Gründungsversammlung, geht unter der Leitung von Gerhard Mayr ausgesprochen schnell über die Bühne. Das ist sogar wörtlich zu verstehen, denn dort hat der einstimmig gewählte Vorstand Platz genommen: Edith Daschner ist neue Vorsitzende, Gerhard Mayr ist Schatzmeister und Ensemble-Mitglied Janet Bens Schriftführerin. Auf die Frage, warum er sich so für das Hoftheater engagiere, sagt Mayr: "Ich bin Hoftheater-Fan, auch meine Frau und meine Kinder. Wir mögen die Atmosphäre und die Stücke." Damit noch mehr Besucher zu Fans werden, wollen die Freundeskreis-Gründer heftig die Werbetrommel rühren - auch Bergkirchens Bürgermeister Axtner. Ihm sei es wichtig, dass das Hoftheater dauerhaft in seiner Existenz gesichert sei, sagt er und überreicht gleich die ersten Spendenschecks. Für die frisch gewählte Vorsitzende Daschner ist das Hoftheater ein Herzensanliegen: "Der Stand- und Spielort muss erhalten bleiben", sagt sie. Schließlich sei das Hoftheater ein wichtiger Teil der Gemeinde. Wie wichtig, wird die nächste Zukunft zeigen, da sind sich alle einig. Schließlich soll es auch weiter heißen: "Hier sind Sie richtig".

© SZ vom 25.06.2020

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