Sie sehen ein bisschen komisch aus, die langen Betonmauern an der Straße zum Sportplatz und entlang der St.-Vitus-Straße. Schneeweiß stehen sie da recht künstlich in der Landschaft. Wer aber die Bilder vom Juni-Hochwasser 2024 noch im Kopf hat, weiß, warum die Mauern hier stehen. Genau hier stapelte die Feuerwehr unzählige Sandsäcke zu einer Wand gegen die Wassermassen.
Sieben Millionen Euro hat der Hochwasserschutz im Bergkirchener Ortsteil Günding gekostet, ein ganzes Maßnahmenpaket ist es geworden. Die Hälfte der Kosten trägt das Wasserwirtschaftsamt München, die andere die Gemeinde. Der nötige Grund war größtenteils in öffentlicher Hand, und so konnte das Ziel „mehr Platz für den Bulachgraben“ vergleichsweise zügig umgesetzt werden. Drei Jahre haben die Bauarbeiten gedauert, kürzlich wurde die Einweihung gefeiert.


Auch wenn sämtliche Maßnahmen am Bulachgraben stattfanden, handelt es sich doch eigentlich um Hochwasserschutz an der Maisach. Denn von diesem kleinen Fluss, der im Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck entspringt und südlich von Günding in den Amperkanal und die Amper mündet, kommen im Fall der Fälle die Wassermassen. In Günding fließt sie mitten durch den Ort, hier und am anschließenden Wasserwerk ist das Bett eng.

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Der Bulachgraben wiederum ist der Ablauf. Er zweigt in Günding aus der Maisach ab und fließt quer durch den südlichen Teil des Orts zum Amperkanal, der wie die Amper im Süden verläuft. Beim Bau des Maisach-Wasserkraftwerks in Günding wurde der Graben zur Entlastungsrinne ausgebaut. Aber eben nicht ausgelegt für ein 100-jährliches Hochwasser.

Bei besonders hohen Pegeln, das haben die Jahre 2013 und auch 2024 gezeigt, tritt er über die Ufer. 2013 war es besonders heftig, da überschwemmte er ganze Straßenzüge in Günding und richtete massive Schäden an.
Jetzt, mit Abschluss der Bauarbeiten am zweiten Bauabschnitt des Hochwasserschutzes, ist der Bulachgraben auf die Höhe eines Jahrhunderthochwassers plus 15 Prozent Klimafaktor ausgelegt, wie Stefan Homilius, der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes betont: „Ein Restrisiko gibt es immer, aber wir sehen dem nächsten Hochwasser auf jeden Fall deutlich entspannter als vorher entgegen.“

Im südlichen Bereich des Grabens sind Flutmulden gebaggert und mit schweren Steinen befestigt worden, dazu ein Bypass, ein zusätzlicher Zufluss, zum Amperkanal. Wo räumlich möglich, wurde das Bett des Gewässers aufgeweitet, um den Wasserstand möglichst niedrig zu halten.
Mitten in den zweiten Bauabschnitt fiel voriges Jahr das Juni-Hochwasser. Auch an der Baustelle gab es Schäden, die neuen Spundwandkästen für die neue Brücke an der St.-Vitus-Straße zum Beispiel wurden geflutet. Sie mussten erst trocknen, bevor die Arbeiten weitergehen konnten. Ansonsten aber zeigten die Maßnahmen aus dem ersten Bauabschnitt am Amperkanal schon Wirkung: So weit wie 2013 trat das Wasser im Bulachgraben auch im Oberlauf nicht mehr über die Ufer.

„Das war ein Riesenglück, dass die Brücke an der St.-Vitus-Straße schon abgerissen war, so war dieses Nadelöhr weg“, erinnert sich Wasserwirtschaftsamts-Leiter Stefan Homilius. So konnte das Wasser gut ablaufen, die Überschwemmungen hielten sich in Grenzen.
Der zweite Bauabschnitt sah dann auch eine neue, größere Brücke an der St.-Vitus-Straße vor, mit fast doppelt so großem Abflussquerschnitt wie die alte. Entlang der Straße zum Sportplatz und der St.-Vitus-Straße sowie an nahegelegenen Häusern verlaufen jetzt Betonmauern, sie sollen Straßen und Häuser künftig vor dem Wasser schützen.
Dass es innerhalb von elf Jahren zweimal zu einem sogenannten Jahrhunderthochwasser gekommen ist, sieht Stefan Homilius nicht unbedingt als Sensation: „Der Begriff Jahrhunderthochwasser beschreibt nur die Wahrscheinlichkeit. Aber man kann auch dreimal hintereinander eine Drei würfeln.“

