Fliegerhorst Fürstenfeldbruck:Ein verunreinigter Weiher und viele Fragen

Belasteter Fischweiher

Werner Kreißler aus Germering angelt gerne im Fischweiher von Bergkirchen. Dass das Wasser mit der Chemikalie PFOS belastet ist, hat er erst nach einer Blutuntersuchung erfahren.

(Foto: N. P. Jørgensen)

Chemikalien aus dem Fliegerhorst haben möglicherweise über Jahre hinweg den Fischweiher von Bergkirchen verseucht. Jetzt hat der Vorsitzende des Angelsportvereins Germering eine hohe Dosis davon im Blut - und eine große Portion Wut im Bauch.

Von Peter Bierl, Bergkirchen/Fürstenfeldbruck

Der Angelsportverein Germering hat vor Jahrzehnten einen Weiher gepachtet, der heute mitten im Gewerbegebiet Gada der Gemeinde Bergkirchen im Landkreis Dachau liegt. Im Sommer 2020 stellte ein Labor fest, dass Werner Kreißler, der Vorsitzende des Vereins, erhöhte Werte an Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) im Blut hat. Die Chemikalien stammen mit einiger Sicherheit vom Fliegerhorst Fürstenfeldbruck und sind über das Grundwasser in den Weiher gelangt. Die Fischer verlangen von den Behörden sowohl Aufklärung über die Belastung als auch Gegenmaßnahmen.

Das Gewässer ist etwa 200 Meter lang und 80 Meter breit, eine von mehreren früheren Kiesgruben aus den Siebzigerjahren, die vollgelaufen sind. Die Angler setzen dort Aal, Zander, Hechte, Karpfen und Forellen ein. Im Sommer 2019 stellte das Wasserwirtschaftsamt (WWA) erstmals erhöhte Werte an per-und polyfluorierte Chemikalien (PFC) fest.

Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Stoffen, darunter die PFOS, die in der Natur nicht vorkommen, sondern aus der chemischen Industrie stammt. Sie gelten als in der Natur nicht abbaubar, einige reichern sich in der Umwelt und in Organismen an. Einige stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, andere haben hormonähnliche Wirkung. Die Chemikalien wurden am Fliegerhorst von der Feuerwehr mit Löschschaum in die Umwelt verteilt.

Als die hohen PFC-Werte im Sommer 2019 festgestellt werden, folgen keine Auflagen durch die Behörden. "Eine Fischzucht wäre dichtgemacht worden, aber wir verkaufen die Fische nicht, sondern essen sie selber", sagt Kreißler. Erst im März 2020 sei er offiziell von der Kontamination informiert worden und habe von den Behörden weitere Wasserproben verlangt, die vom WWA Ende 2020 durchgeführt wurden. Die Ergebnisse bestätigten, dass nahezu alle Weiher zwischen der Autobahn und Bergkirchen am gleichen Grundwasserstrang hängen und belastet sind.

Die Untersuchung von Fischen habe gezeigt, dass frisch eingesetzte Forellen kaum belastet waren, umso mehr jedoch die älteren Exemplare etwa von Karpfen, berichtet Kreißler. Den Gutachten zufolge seien die mehrjährigen, großen Tiere quasi Sondermüll. Er verspeist Fische aus dem Weiher seit etwa 30 Jahren. Weil dem Weiher immer frisches Grundwasser zufließt, hätten alle Fische eine ausgezeichnete Qualität, selbst Karpfen schmeckten hervorragend, sagt er. Das Schlimme an diesem Umweltgift sei, dass man es weder rieche noch schmecke und es aufnehme, ohne es zu wissen.

Das Grundwasser müsse so schnell wie möglich gereinigt werden, fordert Kreißler

Im Sommer 2020 lässt Kreißler sein Blut von einem Labor in München untersuchen. Die Mediziner stellen einen PFOS-Anteil von 11,8 Mikrogramm pro Liter fest. In dem Befund wird extra darauf verwiesen, dass das Umweltbundesamt einen Wert von fünf Mikrogramm pro Liter als gesundheitlich unbedenklich einstuft. Er schickt dieses Ergebnis an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und erhält die Auskunft, dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung "nicht mit ausreichender Sicherheit auszuschließen", das Risiko "allerdings sehr gering" sei.

Kreißler würde sich wünschen - auch im Interesse der benachbarten Fischereivereine, die ebenfalls von der PFC-Kontamination betroffen sind -, dass sich unter Federführung des Landratsamts alle Beteiligten, die Besitzer der Gewässer, die Fischereivereine und Vertreter der Behörden, an einen Tisch setzen. Man müsse besprechen, wie man die Weiher reinigt und rechtliche Fragen klären, etwa zu Pachtverträgen.

Er verweist darauf, dass an anderen ehemaligen Bundeswehrstandorte, etwa Manching, die ebenfalls mit PFC kontaminiert sind, bereits gehandelt wird. Auch im Abstrom des ehemaligen Brucker Flughafens müsse das Grundwasser "so schnell wie möglich" mit speziellen Kohlefiltern gereinigt werden.

© SZ vom 18.09.2021/lfr
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