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180000 Stück pro Woche:Wo der FC Bayern seine Stadionbecher waschen lässt

ProfiMiet

Jens Kirchhoff, Geschäftsführer der "ProfiMiet" in Bergkirchen präsentiert versiegelte und verpackte Mehrwegbecher des FC Bayern.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der FC Bayern hat beim Getränkeausschank in der Allianz Arena auf ein Mehrwegsystem umgestellt. Gereinigt wird die unfassbare Menge an Bechern in Bergkirchen.

Fußballfans können durstig sein. Sehr sogar. Etwa 1,9 Millionen Plastikbecher für Bier und andere Getränke verbrauchten die Fans des FC Bayern München in den vergangenen Jahren pro Saison. Ein Müllberg gigantischen Ausmaßes. Damit ist aber schon seit zwei Jahren Schluss. 2017 etablierte der Verein ein umweltfreundlicheres Mehrwegsystem. Seitdem werden in der Allianz Arena wiederverwendbare Becher zum Ausschank genutzt. Dafür wurde der FC Bayern unlängst mit dem "Reusable-Award" ausgezeichnet, an dem auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) beteiligt ist.

Doch dieser Beitrag zum Umweltschutz stellt den Verein vor eine logistische Herausforderung: Wie die Hunderttausenden Becher unter Zeitdruck transportieren, spülen und trocknen? Der Verein hat eine Lösung gefunden: Eine Firma in Bergkirchen, "ProfiMiet", hat den Großauftrag des FC Bayern übernommen.

Die Nachfrage nach Nachhaltigkeit wächst rapide an

Ein verregneter Herbstnachmittag in Bergkirchen. Eine riesige Lagerhalle ragt in den Himmel. Im Süden rauschen Autos und Lastkraftwagen vorbei, die A 8 verläuft keine einhundert Meter entfernt. Im Osten erstreckt sich ein graues Gewerbegebiet: Gada. Hier hat "ProfiMiet" seinen Firmensitz. Der unscheinbare Auftritt des Unternehmens ist fast schon bezeichnend für die Branche, in der es erfolgreich tätig ist. "In der öffentlichen Wahrnehmung existieren wir faktisch nicht", sagt Jens Kirchhoff. Er ist geschäftsführender Gesellschafter von "ProfiMiet". Kirchhoff und seine Mitarbeiter nennen sich selbst "Non-Food-Caterer", sie verleihen Becher, Geschirr und Möbel in riesiger Stückzahl, für Messen, Festivals und Veranstaltungen - inklusive Transport und Reinigung. Eine allgemein-gültige Bezeichnung für ihre Arbeit gibt es nicht. Zu gering ist die Zahl an vergleichbaren Firmen, zu speziell ist ihr Aufgabenbereich.

Doch das Geschäft boomt. Denn die Nachfrage nach Nachhaltigkeit wächst rapide an, Mehrweggeschirr läuft Einwegplastik zunehmend den Rang ab. Das zeigt auch der Auftrag des FC Bayern. 180 000 benutzte Becher holt ein großer Sattelzug wöchentlich von der Allianz Arena ab und bringt sie nach Bergkirchen. Hat der Verein ein Spiel in der Champions League, sind es noch einmal so viele.

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Das Unternehmen reinigt die benutzten Becker aus der Allianz Arena mit hochmodernen Maschinen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Seine Arbeit verschafft Kirchhoff interessante Einblicke in die Trinkgewohnheiten der Bayernfans - und anderer Konsumenten. Ob während einer nervenaufreibenden Heimniederlage wohl mehr gebechert wird? Kirchhoff lacht. "Nein, aber andere Faktoren, zum Beispiel das Wetter, spielen durchaus eine Rolle." Auch Risikospiele, bei denen kein Alkohol ausgeschenkt werden darf, schlagen sich auf die Zahl der Becher nieder.

Die chemische Reinigung der Becher erfolgt durch eine hochmoderne Maschine. Sechs Mitarbeiter arbeiten rund um die Uhr im Schichtbetrieb, um die engen Zeitfenster einhalten zu können. Die Arbeit ist aufwendig. Die Becher müssen per Hand sortiert werden, denn vom Kaffee- bis zum Bierbecher gibt es elf verschiedene Größen. Nach der Reinigung werden sie verpackt und versiegelt. All das geschieht unter hohem Zeitdruck, denn innerhalb von zwei, maximal drei Tagen muss das Inventar wieder in München sein - punktgenau zum nächsten Spiel im Stadion.

"Das ist kein leichter Job", sagt Kirchhoff. Die Mitarbeiter sind nicht nur körperlich belastet. Da spielt noch ein weiterer Faktor eine Rolle: Vor allem Becher von Festivals würden mitunter in einem desolaten Zustand geliefert. "Erbrochenes und Kondome sind da noch das Harmloseste, was wir finden", sagt Kirchhoff. Er lacht. "Eine dicke Haut gehört zum Job einfach dazu." Solche Becher aber kommen nicht aus der Allianz Arena. Die Bayernfans, sagt Kirchhoff, seien da zum Glück gesitteter.

Der größte "Non-Food-Caterer" Europas

Rund 86 Mitarbeiter beschäftigt "ProfiMiet" insgesamt in Bergkirchen. Das Unternehmen ist der größte "Non-Food-Caterer" Europas. Weitere Standorte liegen in Köln, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Wien und Rio de Janeiro. Großaufträge kommen nicht nur vom FC Bayern München. Auch andere Fußballvereine wie der FC Augsburg, Eintracht Frankfurt und der 1. FC Köln lassen ihre Mehrwegbecher in Bergkirchen reinigen.

Auf dem deutschen Markt hat "ProfiMiet" nur einen namhaften Konkurrenten. Seine Monopolstellung verschafft dem Unternehmen auch internationale Großaufträge. Im Jahr 2010 beauftragte der Weltfußballverband Fifa Kirchhoff und seine Mitarbeiter mit der Ausstattung einzelner Stadien der Fußball-WM in Südafrika. "Da haben wir VIP-Lounges und Zeltlandschaften mit Möbeln und Geschirr ausgestattet", sagt Kirchhoff. Auch bei der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine sowie anderen Großereignisse im Sport ist "ProfiMiet" mit dabei.

Der logistische Aufwand für solche Projekte ist mitunter enorm. Für die Fußball-WM 2016 in Rio de Janeiro etwa verpackte das Unternehmen sein gesamtes Inventar samt Reinigungsmaschinen in Übersee-container und verschiffte es nach Brasilien. "Dort gibt es einfach niemanden, der so große Aufträge stemmen kann", sagt Kirchhoff. Für ihn und seine Firma ist das ein lukratives Geschäft - und gibt ihr noch das gute Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun. Klar, lange Transportwege, Chemikalieneinsatz. Aber ohne "ProfiMiet" sähe die Situation viel schlimmer aus.

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Die Lieferungen werden nicht nur innerhalb Deutschlands verschickt, sondern gehen auch an Kunden aus dem Ausland.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts beschreibt das Ausmaß deutscher Verschwendungslust: 2,8 Milliarden Einwegbecher alleine für Heißgetränke kamen im Jahr 2016 in Umlauf, 34 pro Kopf und Jahr, dazu 1,3 Milliarden Plastikdeckel. 60 Prozent der Becher waren aus beschichteter Pappe, 40 Prozent aus Plastik, etwa aus Getränkeautomaten. So entstanden 28 000 Tonnen Abfall. Die Lösung: Mehrwegbecher. Dieser und anderer Plastikabfall schädigt Umwelt und Meere.

Kirchhoff sagt: "Durch unser Mehrweggeschirr vermeiden wir solche Müllberge". Bis zu 300 Mal ließen sich alleine Mehrwegbecher wie die des FC Bayern nutzen, Porzellangeschirr sogar noch öfter. Der Transport zu Veranstaltungen auf der ganzen Welt gehöre da nun mal dazu.