Es scheint, als könnten es die Bergkirchener und ihre Nachbarschaft gar nicht erwarten, bis die neue Genossenschaft Bürgerenergie Bergkirchen loslegt. Am Montag beim Infoabend war die Schulaula mit knapp 150 Leuten jedenfalls fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Tags darauf gab es die ersten Anteilsscheine, zu erwerben direkt auf der Homepage der Energiegenossenschaft.
Klimaschutz, Energieautarkie und regionale Wertschöpfung nannte Vorstandsmitglied Heribert Seiderer als Ziele der Bürgerenergie Bergkirchen. Geschehen soll das mit dem Ausbau von Photovoltaik auf Hausdächern und mittelfristig auch mit Windrädern. Bereits im vergangenen Herbst bei einem Infotag der Gemeinde zum Thema Windkraft hatte sich die damals noch in Gründung befindliche Genossenschaft vorgestellt.
Jetzt heißt es Geld sammeln
Treibende Kraft war Bergkirchens Bürgermeister Robert Axtner (CSU), „ohne ihn täte es uns wahrscheinlich nicht geben“, so Seiderer. Pünktlich zum Jahresende am 30. Dezember sei man in das Genossenschaftsregister eingetragen worden. Jetzt heißt es, Geld sammeln, damit die ersten Projekte umgesetzt werden können. Eines machte Zweite Bürgermeisterin Dagmar Wagner aber am Montag klar: Photovoltaikanlagen sollen vor allem auf Dächern entstehen, Freiflächenanlagen dagegen nur auf privilegierten Flächen.
200 Euro kostet ein Anteilsschein, maximal darf eine Person 100 Anteile zeichnen, also bis zu 20 000 Euro investieren. Auf das Stimmrecht wirkt sich das nicht aus, es ist eine der Besonderheiten von Genossenschaften, dass jedes Mitglied nur eine Stimme hat, unabhängig von den Anteilen. Menschen aus Bergkirchen und den umliegenden Ortschaften können Mitglieder werden.
Nach fünf Jahren kann man aussteigen
„Sie werden Miteigentümer an einem Unternehmen“, verdeutlichte Aufsichtsratsvorsitzender Gerd Müller. Die ersten fünf Jahre bleibe das investierte Geld als Einlage, „danach kann man aussteigen“. Einmal im Jahr findet eine Mitgliederversammlung statt, diese entscheidet über die Satzung, die Zusammensetzung des Vorstands und darüber, ob eine Dividende ausgezahlt wird oder der Gewinn in neue Projekte fließt. Geht es an größere Vorhaben, etwa Windkraftanlagen, wird es projektbezogene Nachrangdarlehen zu einem bestimmten Zins für eine bestimmte Laufzeit geben. An diesen können sich dann nur Genossenschaftsmitglieder beteiligen.
„Für uns wäre sinnvoll, wenn jeder gleich fünf bis zehn Anteile zeichnet“, betonte Vorstandsmitglied Heribert Seiderer unverblümt. 150 000 bis 200 000 Euro brauche die Genossenschaft, um die bereits geplanten Maßnahmen umzusetzen. Anfangs wirke sich der fixe Kostenblock wie Software oder Versicherungen negativ aus, „jedes zusätzliche Projekt erhöht die Rentabilität“, so Seiderer. Personalkosten fielen vorerst keine an, der gesamte Vorstand arbeite ehrenamtlich.
1400 Mitglieder in Pfaffenhofener Genossenschaft
Der Finanzplan für die nächsten 20 bis 30 Jahre ist bereits vom Genossenschaftsverband geprüft. Darin wird eine Eigenkapitalrendite von zwei bis drei Prozent prognostiziert. Sieben Projekte sind derzeit in Planung, darunter Fotovoltaik auf den Bürgerhäusern von Palsweis und Deutenhausen sowie eine Beteiligung an den in Lauterbach geplanten Windrädern.
Das erste Treffen der Gründungsmitglieder fand im November 2023 statt, im Juli 2024 wurde der Vorstand gewählt, neben Heribert Seiderer ist das Helmut Braun. Ende Oktober war die Prüfung durch den Gründungsverband abgeschlossen, Ende November kam die notarielle Beurkundung. Anfangs sei es mühsam gewesen, verhehlte Seiderer nicht, „aber inzwischen sind wir hervorragend aufgestellt mit Kompetenzen bei Finanzen, Recht und Versorgungstechnik“. Aufsichtsratsmitglieder sind Hans Kandler, Marita Heitmeier, Michael Haunschild und Aufsichtsratsvorsitzender Gerd Müller.
Viel Unterstützung bei der Genossenschaftsgründung kam aus dem Nachbarlandkreis. Dort gibt es seit zwölf Jahren die Bürgerenergie im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, mittlerweile mit 1400 Mitgliedern. Vorstandsvorsitzender Andreas Herschmann versprach den Anwesenden am Montag, „besser kann man sein Geld nicht anlegen“. Die Energiewende biete die Möglichkeit, die Energiewirtschaft zu demokratisieren. „Aber dafür gibt es nur ein kurzes Zeitfenster. Haben Eon und Co erst mal Anlagen gebaut, stehen sie.“
Langfristig sei die Versorgung mit erneuerbaren Energien kein Problem, und Sonne und Wind blieben die günstigen Erzeugungsformen. Deshalb sei ihm der momentane Ruf nach Kernkraft auch völlig unverständlich. „Die ist viel zu teuer. Kein Atomkraftwerk der Erde wird wirklich wirtschaftlich betrieben.“

