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Beginn des Volksfests Dachau:Zwei Kerzen für die Wiesn

Robert Gasteiger betet in Altötting für das Gelingen des Dachauer Volksfestes, und der Regen hört auf. OB Hartmann braucht zwei Schläge, dann heißt es: "Ozapft is!"

Zwei Schläge - und der sichtlich gut gelaunte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) verkündet im Dachauer Festzelt: "Ozapft is! Jetzt trink ma erst amol oane". Die fast 3000 Besucher jubeln und greifen zu den Bierkrügen. Dabei hatte es gar nicht so gut angefangen. Am Tag vor dem Beginn des Dachauer Volksfestes stand die Sonne noch prall am Himmel. So hätte man sich das auch für den offiziellen Auftakt der Wiesn am Samstag gewünscht. Und dann das: Am Vormittag goss es wie aus Kübeln. Da gingen in der Stadt bedenkliche Blicke zum grauen, wolkenverhangenen Himmel, und so mancher meinte, das werde nichts mehr. Schon wurde gemunkelt, das ganze schöne Fest werde wohl bis zu seinem Ende am 19. August ins Wasser fallen. Die Dachauer Wiesn ist ein Publikumsmagnet: Gut 300 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr. Nur Volksfestreferent Robert Gasteiger (Freie Wähler) bleibt optimistisch: Er prophezeit zum Wiesneinzug trockenes Wetter.

Danach sah es aber um 10.30 Uhr wirklich nicht aus. Einige Schlossbergler Trachtler machen auf halben Weg zum Rathaus kehrt, weil sie um ihr teures "Gwand" fürchten. Wer durchhält, dem bietet sich dennoch alles andere als ein trauriges Schauspiel. Um kurz vor elf füllt sich der Rathausplatz zusehends. Die Männer, wie üblich in Tracht gut behütet vor dem Regen, die Frauen mit Schirm und Charme. "Das Wetter stört uns nicht, auf der Wiesn in München hat's schon mehr geschüttet", meint Jürgen Bürkle von der Knabenkapelle Dachau.

Die Regenponchos packt dann doch keiner aus

Die Musiker haben zwar ihre Regenponchos dabei, anziehen will ihn aber keiner. Wo man hinblickt, herrscht große Vorfreude, sei es bei der Kreisgruppe Dachau-Karlsfeld der Siebenbürger Sachsen, bei den Ampertalern, den Malweibern, deren üppige Hutpracht die festlichen Kleider etwas vor dem Regen schützt; den Mitgliedern des Gebirgstrachtenvereins Schlossbergler, des Jagdschutz- und Jägervereins Dachau mit seinem Taferlbuben Edi, acht Jahre alt, oder des Schützenvereins Eichenlaub Pellheim mit dem Taferlmadel Magdalena, das zehn Jahre alt ist. Die großen Fahnen sind vor der Regenflut einer Plastikplane geschützt, "der Stoff würde sonst Schaden nehmen", erklärt Ampertaler-Vorstand Markus Erhorn.

Oberbürgermeister Hartmann und seine Frau Julia treffen etwas verspätet vor dem Rathaus ein. Unter großen Regenschirmen lauschen sie dem Standkonzert der Ludwig-Thoma-Musikanten. Dann ist es so weit. Der Wiesneinzug. Jetzt heißt es, die offenen Kutschen zu besteigen. Die Dachauer Honoratioren werfen bange Blicke zum Himmel hinauf, bis zum Volksfestplatz wird man doch klatschnass werden, wie sie befürchten.

Gegen halb zwölf hört der Regen auf - ein kleines Volksfestwunder

Doch dann: Volksfestreferent Gasteiger behält recht. Es ist 11.30 Uhr, und der Regen hört plötzlich auf - ein kleines Volksfestwunder. Kalt war es sowieso nicht gewesen. Beim Anstich wird sich der Oberbürgermeister bei Gasteiger bedanken, der zuvor nach Altötting gepilgert war, um für das Gelingen des Volksfests Kerzen zu stiften. So sitzt auch Robert Gasteiger entspannt im ersten Wagen mit der sogenannten Erntekrone, gefolgt von den Ampermusikanten und der Kutsche mit Oberbürgermeister Hartmann, seiner Frau Julia sowie dem Bürgermeister der Partnerstadt Fondi, Salvatore De Meo, und Laurent Barban, Bürgermeister der Vielleicht-Partnerstadt aus Frankreich, Léognan. Dahinter folgt das Gespann der Spaten-Brauerei, die als einzige Münchner Brauerei noch eigene Pferde, belgische Kaltblüter, hält.

Am Straßenrand winken Hunderte von Schaulustigen der Kutsche mit dem Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) zu; daneben der Landrat von Oświęcim, Marcin Niedziela. Als nächstes folgt die Kutsche mit den Landtags- und Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises, Katrin Staffler (CSU), Michael Schrodi (SPD), Bernhard Seidenath (CSU) sowie dem oberbayerischen Bezirkstagspräsidenten Josef Mederer (CSU). Dicht dahinter die Kutsche des Festwirts Ewald Zechner, die Stadtkapelle, und das Gespann der Schloßbergbrauerei, die längst ein Teil der Spatenfamilie ist.

Viel Beifall erhalten die Trachtenvereine, die Kutsche des Sparvereins, die Knabenkapelle und ihr Besuch aus Frankreich, die Band'a Léo aus Léognan, gut erkennbar an den schwarzen Jacken mit pinkfarbenem Schriftzug. Den Abschluss bilden traditionell die Malweiber, die Hunderte gelbe und rote Rosen verschenken, und schließlich der Wagen mit den Schaustellern, die Bonbons und Fahrgutscheine an die Besucher verteilen, welche den Zug begleiten.

Mehr als 3000 Gäste, das Zelt ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt, gucken angestrengt auf die Kellnerinnen, die Berge von gut gefüllten Bierkrügen gekonnt durch die Reihen der Besucher balancieren. Drei Tage vorher hatten noch mehr als 20 Mitarbeiter gewerkelt, um die Bühnentechnik zum Laufen zu bringen und das Zelt zu schmücken, darunter mit 40 Hopfenreben. Auch bei den Schaustellern herrschte noch Hochbetrieb.

Nach dem Ois-Easy-Konzert rasten zwei Jugendliche aus. Sonst bleibt es ruhig

Die meisten von ihnen arbeiteten mehr als zwölf Stunden pro Tag, um ihre Fahrgeschäfte und Verkaufsstände flott zu machen. Am Freitagabend war die Band Ois Easy im Festzelt aufgetreten und hatte ein fulminantes Konzert hingelegt. Es war restlos ausverkauft, 400 standen auf der Warteliste für einen der insgesamt 3800 Plätze. Viele Jugendliche, die zwar ein Ticket erstanden, aber nicht reserviert hatten, mussten in den Biergarten ausweichen. Trotz des Andrangs verlief der Abend zunächst ruhig, erst gegen halb elf Uhr am Freitagabend musste die Polizei einschreiten. Ein 19-jähriger Dachauer war außer Kontrolle geraten, auch gegen die Polizisten wurde er aggressiv, verletzte einen Beamten leicht und trug selbst Verletzungen davon. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Ein ähnlicher Zwischenfall ereignete sich gegen 0.15 Uhr, als die Zelte schon geschlossen hatten. Ein 22-Jähriger aus Eichenau ging auf andere Besucher los und wehrte sich heftig gegen die einschreitenden Polizisten, einen verletzt er leicht. Der 22-Jährige durfte, nachdem er sich erkennbar beruhigt hatte, nach Hause gehen. Verschiedene verbale Streitigkeiten konnten die Polizisten schlichten, ohne dass es zu Handgreiflichkeiten kam. Anzeige mussten sie am ersten Volksfesttag lediglich wegen Masskrugdiebstahls aufnehmen - dafür gleich zweimal. Merke: nach dem Austrinken Krug auf dem Tisch stehen lassen. Besonders attraktiv macht die Dachauer Wiesn natürlich der sensationell niedrige Bierpreis: 6,30 Euro kostet die Maß. Das wird auf keinem Volksfest in der Region unterboten. Die Spatenbrauerei hat 1800 Hektoliter Bier hergestellt. Das erste Fass zapft traditionell der Oberbürgermeister an. Hartmann konzentriert sich einen Moment. Mit zwei Schlägen ist die 92. Dachauer Wiesn offiziell eröffnet. Nach dem obligatorischen "Ein Prosit der Gemütlichkeit" prostet der Oberbürgermeister gemeinsam mit Volksfestreferent Gasteiger von der Bühne mit einer Maß Märzenbier der jubelnden Menge zu. Jetzt kann es auch regnen, das ficht die Dachauer nicht an. Aber am Ende spitzt sogar noch die Sonne heraus - dank Robert Gasteiger und seinem Gottvertrauen.