Bebauungsplan Überraschender Stimmungswechsel

Bürgermeister Markus Trinkl erfährt Gegenwind.

(Foto: oh)

Fünf Odelzhausener Gemeinderäte melden Bedenken gegen temporäre Gewerbegebietserweiterung jenseits der A8 an

Von Horst Kramer, Odelzhausen

Dass die A8-Kommune von ihrem wachsenden Gewerbegebiet profitiert, schien bis dato Konsens im Odelzhausener Gemeinderat zu sein. Einzig der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz und Grünen-Kreisrat Roderich Zauscher (BGO) meldete zuweilen Bedenken an. Doch nun scheint sich der Wind zu drehen: In der jüngsten Sitzung haben außer Zauscher vier weitere Ratsmitglieder gegen zusätzliche Gewerbeflächen auf der Nordost-Seite der Autobahn gestimmt.

Der Stimmungswechsel kommt etwas überraschend, denn über das rund 15 000 Quadratmeter große Areal diskutiert der Rat schon seit Anfang 2017; sogar ein Flächennutzungsplan wurde beschlossen. Im März segnete das Landratsamt den Plan nach einigen Diskussionsrunden ab. Dass Trinkl nun die Vorbereitungen für ein Bebauungsplanverfahren einleiten will, ist mithin nur logisch.

Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen mittlerweile geändert. Denn seit dem vergangenen Jahr scheint eine S-Bahn-Trasse entlang der Autobahn aus dem Bereich der Utopie in den des Möglichen gerutscht zu sein. Wenngleich bestenfalls mittelfristig, wie Trinkl oder auch Landrat Stefan Löwl (CSU) mehrfach betonten. Deswegen erklärte der Odelzhausener Rathauschef nun: "Wichtig ist, dass wir die S-Bahn-Trasse auf Dauer nicht gefährden." Deswegen müsse das Gelände im Besitz der Gemeinde verbleiben, es komme nur eine "temporäre Nutzung" in Frage. Zum Beispiel mit einem Pachtvertrag über 15 Jahre. "Wir haben mehrere ernsthafte Anfragen vorliegen", deutete Trinkl an. "Das Grundstück ist aber noch nicht erschlossen", meldete sich Bruni Kiemer (FW) zu Wort, "Strom, Wasser, Abwasser, Telekommunikation - wer zahlt das?"

Alles kein Problem, meinte Trinkl, eine Ringschlussleitung zur Kläranlage sei sowieso geplant, für die Straße sei der Landkreis als Träger zuständig, die Stromversorgung sei eine Sache zwischen Anbieter und Abnehmer. Sein Ziel sei es, mit einem Pächter eine Vereinbarung zu treffen, mit der die Gemeinde ihre Kosten für den Grunderwerb und die Infrastruktur refinanzieren kann.

Roderich Zauscher äußerte erneut seine grundsätzliche Kritik an dem Projekt und hakte nach: "Über was stimmen wir hier eigentlich ab? Es geht offenbar nicht um einen Aufstellungsbeschluss." Also um einen rechtlich bindenden Akt. Trinkl gab dem BGO-Mann recht und sprach von einem "vorbereitenden Beschluss", damit die Verwaltung in Gespräche eintreten könne.

Elisabeth Kappes (BGO) stellte die Gretchenfrage: "Was passiert, wenn die S-Bahn doch früher kommt?" Trinkls Antwort: "Dann freuen wir uns." Der Pachtvertrag werde eine entsprechende Ausstiegsklausel enthalten. Doch für realistisch halte er einen S-Bahnhof Odelzhausen vor 2035 nicht.

Wolfgang Steininger (FW), Michael Kiemer (CSU) sowie der Ortssprecher von Taxa, Edgar Hiller, unterstützten Trinkls Pläne, nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen. "Auf die Einnahmen der Pacht zu verzichten, wäre sträflich", meinte Michael Kiemer. Trinkl hält sie für ein Gebot der "wirtschaftlichen Vernunft". Zauscher hielt dagegen: "Vernünftig muss nicht heißen, dass sich etwas pekuniär auszahlt."

Außer Roderich Zauscher stimmten seine BGO-Kolleginnen Ursel Kohn und Elisabeth Kappes sowie die FW-Gemeinderätinnen Johanna Winkler und Bruni Kiemer gegen die gewerbliche, temporäre Nutzung, wie es in der Grundsatzbeschlussvorlage von Bürgermeister Trinkl offiziell hieß. Acht Gremiumsmitglieder stimmten dafür, drei weilten im Urlaub oder waren verhindert. Zauschers leiser Schlusskommentar: "Mal sehen, was dem BN einfällt."