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Bauprojekt am Bahnhof:Altomünster muss sparen

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Derzeit noch eine Überschwemmungsfläche, im kommenden Jahre womöglich schon ein Busparkplatz. Damit dennoch Wasser versickern kann, darf das Areal nicht asphaltiert werden - mit Folgen für die Anwohnerinnen und Anwohner.

(Foto: Horst Kramer/oh)

Gemeinde baut vorerst keine weiteren Parkplätze am Bahnhof

Eigentlich geht es nur um 35 zusätzliche Parkplätze am Altomünsterer Bahnhof. Statt 120 Fahrzeuge wie bisher sollen künftig 155 Pkw-Halter ihr Auto abstellen können, um mit der S-Bahn nach Dachau oder München fahren zu können. Das Problem heißt jedoch auch hier Corona-Krise, beziehungsweise die finanziellen Folgen der Pandemie auf die Altomünsterer Finanzen. Außerdem ist an eine Abstellfläche für Touristenbusse gedacht, die für die Anwohner ein Ärgernis werden könnten.

Der Bauausschuss stimmte bei seinem jüngsten Treffen dennoch für ein Genehmigungsfreistellungsverfahren. Doch die Würfel für das Projekt fallen wohl erst im kommenden Herbst, wie Altomünsters Bürgermeister Michael Reiter (FWG) nun mitteilte. Er informierte sich dieser Tage im Dachauer Landratsamt über das E-Mobilitätskonzept des Landkreises. Dieses sieht eine einheitliche Infrastruktur für die E-Mobil-Ladestationen im Dachauer Land vor. Nicht zuletzt aus Kostengründen. Derartige Stationen sind nicht billig, so kosten etwa Schnellladestationen fünfstellige Beträge. Mittel, die eine klamme Kommune wie Altomünster nicht ohne weiteres aufbringen kann. "Das hängt ganz wesentlich von Fördergeldern ab", erklärte Reiter.

Die Zuschüsse können indes erst angefragt werden, wenn das Landkreis-Konzept verabschiedet und veröffentlicht ist. Das soll laut Reiter aber erst im September der Fall sein. Das Projekt könnte aber noch über eine andere Hürde stolpern: Die fünf Bus-Parkplätze sollen auf einer Wiese errichtet werden, die vom Wasserwirtschaftsamt gegenwärtig noch als Retentionsfläche für den nahen Stumpfenbach geführt wird. Beim Hochwasser vor sieben Jahren trat der kleine Bach erheblich über seine Ufer und überschwemmte einige Altomünsterer Straßenzüge. Allerdings nicht direkt am Bahnhof, sondern bachaufwärts. Die Retentionsflächen müssen dennoch in irgendeiner Art und Weise erhalten bleiben. Daher sollen die Busparkplätze nicht durchgängig asphaltiert werden, sondern im Wesentlichen aufgekiest werden. Das ist allerdings eine Oberfläche, die Parkmanöver von Großfahrzeugen nicht gerade leiser macht.

Das Areal schließt sich direkt an die sogenannte Reitwiesensiedlung an, ein Komplex aus fünf dreigeschossigen Gebäuden mit edel ausgestatteten Wohnungen. Wie deren Bewohner auf den Buslärm reagieren, wird sich also wohl erst noch zeigen müssen. Das Projekt war allerdings schon vor Jahresfrist umstritten, als es das erste Mal im Marktgemeinderat diskutiert wurde. Unter anderem weil eine Erweiterung der Parkplätze auch Richtung Süden entlang der Gleise möglich gewesen wäre. Zudem hielten einige Gemeinderäte das Areal für zu wertvoll, um es mit Autos voll zu stellen.

Anfang des vergangenen Jahres hatten Studenten der Technischen Universität Weihenstephan spannende Nutzungskonzepte für ein neues Bahnhofsviertel vorgestellt - mit Arkadengeschäften, Speiselokalitäten und Tiefgaragenplätzen. Kostspielige Pläne zweifelsohne, doch auch die Park-and-Ride-Parkplätze sind mit rund 1,2 Millionen Euro ziemlich teuer, auch wenn der Staat wohl erhebliche Fördermittel zuschießen würde. Ob sich Altomünster ein derartiges Projekt in Corona-Zeiten leisten kann, wird wohl erst der Haushaltsplan für das laufende Jahr zeigen. Am kommenden Dienstag sollen die Kalkulationen im Marktgemeinderat vorgestellt werden.

© SZ vom 23.05.2020

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