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Bauherren müssen Abstellflächen einplanen:Mehr Parkraum für Räder

Petershausen beschließt neue Stellplatzsatzung

Nicht nur in der Großstadt setzen immer mehr Leute aufs Fahrrad. Auch in Petershausen nehmen Bürger öfter den Drahtesel für kurze Wege zum Bäcker oder zum Vereinsabend. Doch wer radelt, braucht auch einen Abstellplatz für sein Gefährt. Und zwar sowohl zu Hause wie auch am Ziel. Das hat auch der Gemeinderat erkannt und deshalb nun eine spezielle Fahrradstellplatzsatzung verabschiedet. Eine Verordnung, die regelt, wie viele Autoparkplätze beim Neubau eines Wohn- oder Geschäftshauses anzulegen sind, gibt es längst und ist in allen Kommunen Usus. Nun aber werden in Petershausen Bauherren verpflichtet, auch für Fahrräder eigene Abstellflächen vorzusehen. Für Einfamilienhäuser wird es keine Vorgaben geben, aber bei Neubauprojekten für Mehrfamilienhäuser mit mehr als zwei Wohnungen sowie Läden und Einkaufsmärkte sind Radstellplätze künftig Pflicht.

Bei Wohnanlagen sollen, je nach Größe der Wohnung, ein bis zwei Radlständer je Appartement installiert werden. Umstritten war, wie viele Radständer es vor großen Einkaufszentren wie dem aktuell geplanten Edeka an der Jetzendorfer Straße braucht. Ein Radlständer pro 100 Quadratmeter Einkaufsfläche, wie es der Satzungsentwurf vorsieht? "Das ist viel zu wenig", erklärte SPD-Gemeinderat Bernhard Franke und plädierte für eine Verdoppelung. Bei geplanten 1600 Quadratmetern Verkaufsfläche wären das 32 Radständer, rechnete Bürgermeister Marcel Fath (FW) vor. "Viel zu viel", erklärt Hildegard Weßner (CSU), die einen ähnlichen Supermarkt in Jetzendorf führt. "Wenn wir fünf bis zehn Radfahrer als Kunden im Laden haben, dann ist das schon viel." 32 Radständer könnten nach der aktuellen Planung vor dem Gebäude nicht Platz finden, sorgte sich prompt der Bürgermeister. Vor allem vor kleinen Geschäften brauche es verhältnismäßig mehr Radständer, sagte Josef Mittl (FW). Denn für ein paar Semmeln nehmen Bürger eher das Rad als für den Wocheneinkauf. Schließlich einigte man sich, für Fachgeschäfte einen Radständer je 50 Quadratmeter Verkaufsfläche, bei Einkaufszentren einen pro 80 Quadratmeter vorzuschreiben. Ein Kompromiss, bei dem Edeka mit den schon bisher geplanten 20 Radständern auskommt. Dieses Konzept verabschiedete der Rat mit großer Mehrheit.

Wie wichtig das Thema Radverkehr für Petershausen ist, hatte sich bereits in der Bürgerfragestunde gezeigt, die jeder Gemeinderatssitzung vorausgeht. Da beklagte Christa Jürgensonn, die sich unter anderem auch in der Agenda-21-Gruppe engagiert, dass in Petershausen Radwege, Abstellplätze und sichere Querungsmöglichkeiten für Radler fehlten. Sie forderte, bei Straßenplanungen unbedingt stärker auf die Bedürfnisse der schwächeren Verkehrsteilnehmer Rücksicht zu nehmen. Schön wäre "eine Art Gleichstellungsbeauftragter für Fußgänger und Radfahrer im Bauamt", sagte Jürgensonn. Die Mitarbeiter in der Verwaltung hätten diesen Aspekt immer im Blick, versicherte Fath. Für die kommende Wahlperiode, so der Bürgermeister, könnte sich der Gemeinderat aber überlegen, vielleicht einen eigenen Mobilitätsreferenten des Gremiums zu ernennen, um dem Thema noch mehr Nachdruck zu verleihen.

© SZ vom 04.05.2018 / pes
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