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Barockfest in Dachau:"Nächstes Jahr sind wir wieder dabei"

Das Barockpicknick im Hofgarten des Schlosses Dachau hat trotz der Kälte auch dieses Jahr wieder 650 Menschen angezogen.

Barockpicknick in Dachau. Das heißt: Kandelaber putzen, die weiße Tischdecke bügeln, Salate und Häppchen vorbereiten, Wein und Prosecco gut vorkühlen. Und sich in die geduldig wartende Schlange am Schlosspark-Eingang einreihen, um eine musikalische Sommernacht zu genießen. Eigentlich. Doch heuer hieß es wieder einmal Fleecejacke statt Flatterkleider, Regenschirm statt Sonnenhut, Brot und Käse statt raffinierter Antipasti. Doch glücklicherweise folgte Kulturamtsleiter Tobias Schneider auch 2012 seiner Devise: "Wir sagen nichts ab." Schließlich galt es am Freitagabend, wenn auch unbemerkt von den Verantwortlichen der Stadt und fast allen Besuchern, ein kleines Jubiläum zu feiern: Bereits zum zehnten Mal war der Schlosspark Ort der beliebtesten Dachauer Freiluftveranstaltung.

Die unermüdlichen und hartgesottenen Freunde des 10. Barockpicknick trotzen der Kälte und sagen: "Wir kommen wieder."

(Foto: Toni Heigl)

Begonnen hatte alles 2001 mit einem veritablen Barockfest und 2000 Besuchern in einer tropischen Sommernacht. Nur einmal - 2002 - wurde das Picknick abgesagt. Kein Wunder also, dass inzwischen aus der opulenten Festivität - auch wegen der Wetterkapriolen der vergangenen Jahre - so etwas wie ein Familien- und Freundestreffen geworden ist. Und der Wettstreit um das schrillste Outfit oder die üppigste Deko des tapfer verteidigten eigenen Claims längst in den Hintergrund getreten ist. Rund 650 Besucher hatten sich eingefunden. Platz im sonst auch mal heiß umkämpften Areal in Bühnennähe gab es so reichlich, dass nicht einmal die Blumenbeete Schaden erleiden mussten. Man wanderte "von Decke zu Decke" - in diesem Jahr eher von Designer-Campingtisch zu immer ausgefeilteren Klappsessel-Modellen. Buben erkletterten - Verbot hin oder her - die reichlich Früchte tragenden Apfelbäume. In den Blumenrabatten lieferten sich Löwenmäulchen, Ziersalbei, Zinnien, Begonien, Tagetes, Rittersporn und Sonnenhut mit den edlen Rosen einen Wettstreit der Farben.

Und die obligatorische Musik? Die passte endlich wieder perfekt zum Fest. Die hervorragenden Barocksolisten München spielten auf historischen Instrumenten Musik von Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann. Gebannt lauschten etliche Zuhörer jedem Ton nach, der über den Park wehte. Andere wiederum unterhielten sich leise, friedlich, entspannt, so wie der ganze Abend war. Die Musik "passt hierher, auch wenn es nicht gerade jedermanns Geschmack ist", sagte ein junger Mann. Viele lagen entspannt auf dem etwas feuchten Rasen und begaben sich in dem perfekten Zusammenspiel von barocken Klängen und hingebungsvoll gepflegtem Park auf eine kleine Traumreise.

Nur schade, dass die Barocksolisten die einzelnen Konzerte nicht ankündigten. So überhörte man fast, dass unter den Vivaldi-Hits und Tafelmusik-Bonbons eine echte Rarität vergraben war: Stücke von Johann Friedrich Fasch. Den heute selten gespielten Zerbster Hofkapellmeister schätzen die Barocksolisten München sehr. Doch nicht nur ihn. Wie sich die Musiker mit Solokonzerten für Flöte, Oboe, Fagott und Streicher den Preziosen der alten Musik näherten, war ein Erlebnis. Gerne hätte man dieses einfach schöne Konzert bis zum Ende gehört, schleichende Kälte hin oder her. Der Regen vertrieb auch die hartgesottensten Picknicker. Doch die sagen: "Nächstes Jahr sind wir wieder dabei."