Band "Church Girls":"Musik hat eine übernatürliche Wirkung"

Lesezeit: 3 min

Mariel Beaumont, die Lead-Sängerin der Band Church Girls über musikalische Einflüsse und besondere Vibes

Interview von Andreas Förster, Dachau

Church Girls

Die vierköpfige Band um Lead-Sängerin Mariel Beaumont (vorne) tourt aktuell durch Europa. An diesem Samstag spielen sie im Café Gramsci.

(Foto: Rola Music)

Die "Church Girls" sind eine der vielversprechendsten amerikanischen Indie-/Post-Punk-Bands. Ihr frischer Sound hat sich in den letzten Jahren von der anfänglichen Indie-Rock-Ästhetik zu einer kraftvollen musikalischen Post-Punk-Angriffslust entwickelt. Im Paste Magazine schrieb Autorin Libby Cutmore: "Die Church Girls schaffen es, dem Garage-Rock-Sound neues Leben einzuhauchen." Kommendes Jahr erscheint ihr neues Album "The Haunt", Anfang diesen Jahres kam die EP "Cycles" heraus. Aktuell tourt die vierköpfige Band um Gitarristin und Lead-Sängerin Mariel Beaumont zum ersten Mal durch Europa. Am 30. November werden sie dabei auch nach Dachau ins Café Gramsci kommen. Mit Beaumont sprach die Dachauer SZ über die Ähnlichkeit von Kirche und Musik und die Verbindung zum Publikum.

SZ: Woher kommt der ungewöhnliche Name Church Girls? Welche Bedeutung steckt dahinter?

Mariel Beaumont: Ich ging auf eine kirchliche Mädchenschule und war in meiner Jugend Messdienerin. Das hat mir nicht sonderlich viel ausgemacht, ich war auch nicht dagegen. Als Teenager besuchte ich so oft es ging Punkshows, darauf fuhr ich voll ab und irgendwie entwickelte sich das Pilgern in Livekonzerte zu meiner neuen Kirche. Musik hat eine übernatürliche Wirkung auf uns Menschen und ebnet den Weg zu einem Gemeinschaftserlebnis und Zusammengehörigkeitsgefühl. In gewisser Weise ist das dann ja auch Kirche.

Welche musikalischen Einflüsse hatten die größte Bedeutung für Sie?

Wie gesagt, meine größte Leidenschaft in meiner Jugend war die Punkmusik. Und ich war regelrecht besessen von der Band Against Me!. Aber mir gefallen auch klassische Singer-Songwriter wie Neil Young, Joni Mitchell und Jackson Browne. Im Bandbus hören wir auch rockige Sachen von Protomartyr, PUP, Interpol und Omni.

Welcher Musikstil sticht bei Ihrer eigenen Songs am meisten heraus?

Der kreative Prozess mit den Jungs bringt es mit sich, dass jeder einzelne seinen Einfluss geltend macht, das gilt auch für mich. Am Ende kommt dadurch immer etwas heraus, das mich selbst überrascht. Speziell bei den aktuellen Songs haben wir uns aber mehr denn je auf den aggressiven Post-Punk-Sound gestürzt und weniger die Indie-Schiene bedient.

Können und wollen Sie in den Songs auch ganz persönliche Erfahrungen verarbeiten?

Absolut, unsere Lieder haben oft persönliche Themen, oder spiegeln etwas aus unserem Leben oder dem Leben unserer Freunde und Familie wider. In der aktuellen EP geht es um Sucht und Depression und wie man davon loskommt, es geht ums Weitermachen und darum, gesunde Verhaltensweisen zu adaptieren.

Was fällt Ihnen als erstes ein: der Text, die Melodie oder der Rhythmus?

Meistens beginne ich mit dem Thema des Songs und ich versuche, ein paar Zeilen dazu aufzuschreiben, erst dann wende ich mich der Musik zu. Für mich gibt das Thema sozusagen die Tonlage und den Rhythmus vor. Gelegentlich schickt mir unser Gitarrist eine fertige Instrumentalnummer, die mich dann zu einem Text inspiriert.

Was treibt Sie als Band an, gibt es eine gemeinsame Vision?

Das ultimative Ziel ist die "Connection", also eine transzendentale Verbindung untereinander. Da ist es egal, wie viele Menschen bei einem Konzert sind oder wie gut das Soundsystem ist. Wir fühlen uns gut, wenn das Publikum unsere Musik fühlt und wenn es mitgeht. Dieses Gefühl trägt uns durch die ermüdenden Phasen einer Tournee.

Haben Sie es schon erlebt, dass mal keiner beim Konzert mitgetanzt hat?

Klar, das kann schon mal vorkommen. Es ist halt auch eine Frage des Vibes. Bei der einen Crowd kommt er an, bei der anderen nicht. Trotzdem versuchen wir, so viel von unserer Energie auf die Bühne zu bringen wie möglich.

Im Dezember geht es wieder zurück nach Philadelphia. Besondere Vorfreude?

Ich liebe es, nach einer längeren Reise wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen. Aber zu lange halte ich es zuhause dann auch wieder nicht aus, nach einer Weile werde ich unruhig und dann kann ich es kaum erwarten, wieder "on the road" zu sein.

Live zu sehen sind die Church Girls am Samstag, 30. November im Café Gramsci, Beginn: 20 Uhr. An der Abendkasse kosten die Tickets 12 Euro.

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