Verkehrsprojekte im Landkreis:Es geht vorwärts - ein bisschen

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Verkehrsprojekte im Landkreis: Die Einwohnerzahl von Sulzemoos ist in den vergangenen zehn Jahren um über 16 Prozent gestiegen, kein Wunder, dass man auf eine S-Bahn hofft.

Die Einwohnerzahl von Sulzemoos ist in den vergangenen zehn Jahren um über 16 Prozent gestiegen, kein Wunder, dass man auf eine S-Bahn hofft.

(Foto: Toni Heigl)

Ein Gutachten zum Bahnausbau in der Region München befürwortet den Ausbau der S 2 nach Petershausen. Die Zukunft von drei weiteren Verkehrsvorhaben des Landkreises ist indes noch ungewiss

Von Alexandra Vettori, Dachau

Ende vergangenen Jahres hat das Bayerische Verkehrsministerium ein Gutachten zum Bahnausbau in der Region München vorgestellt, mit zahlreichen Verbesserungen, die sukzessive verwirklicht werden sollen. Aus Sicht des Landkreises Dachau hätte es besser laufen können. Von drei Projekten im Landkreis ist in dem Gutachten nur eines ohne Wenn und Aber befürwortet worden. Der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) ist dennoch zufrieden: "Was wir dringend brauchen, den Ausbau nach Petershausen, bekommen wir."

S-Bahn-Trasse entlang A 8

Für Enttäuschung im östlichen Landkreis hat die negative Stellungnahme zu einer S-Bahntrasse entlang der Autobahn A 8 zwischen München und Dasing gesorgt. Seit Jahren bemühen sich die Gemeinden dort um einen Bahnanschluss, verzeichnet die Region doch ein stetes Wachstum, nicht nur an Einwohnern sondern vor allem an Gewerbeansiedlungen. "Das ist hier ein gewerbliches Rückgrat, nicht nur in den drei Gemeinden im Landkreis Dachau, das geht bis Adelzhausen, Dasing und Augsburg. Hier in Sulzemoos sind viele wohnortnahe Arbeitsplätze entstanden, wir haben auch viele Pendler aus München", sagt der Bürgermeister von Sulzemoos, Johannes Kneidl. Weil so viele Kommunen betroffen sind, hat sich ein breites Bündnis zusammengetan, neben den Bürgermeistern auch die Landräte von Dachau und Aichach-Friedberg. "Dass es schwierig werden würde, war klar, die Geschichte bewegt uns schon lange", so der Sulzemooser Bürgermeister. Schließlich hat man, als die Bahnäste um München entstanden, den südwestlichen Ast ausgelassen. Der Autobahnbus von Pasing nach Dasing hat zwar leichte Abhilfe geschaffen, doch hat diese Lösung auch einige Nachteile.

Immerhin hat das Verkehrsministerium auf die Protestnote der "West-Allianz" prompt reagiert, wie Kneidl angetan berichtet: "Wir haben uns am 3. Januar an das Ministerium gewandt, am 5. Januar hatten wir schon einen Termin für Mitte Februar, mit der Ministerin persönlich." Dabei werde man nun ergebnisoffen mögliche Alternativen erörtern, etwa eine Optimierung des Autobahnbusses. "Der Bus ist super, ich sehe das täglich, weil die Leute bei mir am Rathaus vorbei marschieren" so Kneidl. Allerdings müsse der Bus bei jedem Halt von der Autobahn ab- und in die Orte einfahren, das koste Zeit. Hier könne man über eine Art Pendlerparkplätze an der Autobahn nachdenken. Auch darüber, ob die Busse bei Staus die Standstreifen nutzen könnten, werde man sprechen. Kneidl selbst findet auch neue Transportsysteme, etwa aufgeständerte Bahnlinien, sehr interessant.

Ausbau S 2, Ast Petershausen

Empfohlen wird im Gutachten des Ministeriums der weitere Ausbau der S-Bahnlinie S 2 West zwischen Dachau und Petershausen. Dazu ist eine Geschwindigkeitsanhebung und die Zweigleisigkeit zwischen Röhrmoos und Petershausen nötig, außerdem soll das Güterverkehr-Überholgleis mitgenutzt werden. Schon jetzt ist die Anbindung von Petershausen gut, durch den Einbezug der Regionalzüge gibt es teils sogar einen Zehn-Minuten-Takt. "Allerdings nicht stabil", so Landrat Stefan Löwl, immer wieder gibt es Verspätungen und Zugausfälle. Wichtig sei aber, dass es nach Fertigstellung der zweiten Stammstrecke in München keine Verschlechterungen gebe, etwa, wenn einmal Express-S-Bahnen verkehren.

Ausbau S 2, Ast Altomünster

Der zweigleisige Ausbau Dachau - Altomünster wird in dem Gutachten empfohlen, nicht aber die Verlängerung bis Aichach. Für Landrat Löwl ist letzteres "nachvollziehbar". Positiv sei, dass eines seiner Lieblingsprojekte, ein S-Bahn-Halt in Breitenau als untersuchenswert eingestuft wird. Hier denkt man an eine "Mobilitätsdrehscheibe" mit großem Pendlerparkhaus. Zwischen Breitenau und Dachau wäre ein 15-Minuten-Takt machbar, laut Gutachten allerdings nur, mit einer deutlichen Entwicklung bei Wohnen und Gewerbe.

Münchner Eisenbahn-Nordring

Schon ab 2025 soll es Pendlerzüge auf dem bisher nur von Güterzügen genutzten Nordring zwischen dem Euroindustriepark im Norden Münchens, dem Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) von BMW und Karlsfeld geben. Wie eine reguläre Anbindung aussehen könnte, ist noch ungewiss, das Bahngutachten für den Nordring wird für den Sommer erwartet. Weil eine Anbindung an das S-Bahn-Netz bis Dachau nur mit aufwendigen Umbauten möglich ist, gilt eine Verfolgung dieser Variante als unwahrscheinlich. Der Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) hat schon 2019 dafür geworben, die Trasse bis Dachau weiterzuführen. Schon die jetzt angedachte Verbindung würde vielen Pendlern in den Münchner Norden eine Alternative zum Auto bieten. Noch besser wäre es, die Pendelzüge nicht erst ab Karlsfeld sondern ab Dachau verkehren zu lassen. "Dafür", so erklärte er der Dachauer SZ, "setze ich mich auch weiter bei der amtierenden Verkehrsministerin ein."

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