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Auszeichnung:Energieneutral wohnen

Familie Kolbinger aus Erdweg und die Wagenpfeils aus Sulzemoos haben in diesem Jahr den Energiepreis des Landkreises Dachau gewonnen

Von Anika Blatz, Dachau

Sein technisches Wissen hat sich Florian Kolbinger aus Erdweg im Beruf angeeignet, alles was mit Elektrik und Elektronik zu tun hat, im Selbststudium. Der gelernte Heizungs- und Lüftungsbauer installierte in seinem Haus unter anderem ein Energiemanagementsystem, womit er den Stromverbrauch überwachen, steuern und minimieren kann. Dafür wurde Familie Kolbinger nun mit dem Energiepreis des Landkreises Dachau ausgezeichnet - genau wie Familie Wagenpfeil aus Sulzemoos. Diese hat auf ihrem Grundstück eine Hackschnitzelheizung mit Wärmenetz errichtet. Anstelle des vorher verwendeten Heizöls wird ihr Haus jetzt nachhaltig beheizt.

Landrat Stefan Löwl (CSU) hat die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung im Landratsamt feierlich an die Preisträger übergeben. Mit ihren innovativen Projekten konnten sie die Mitglieder des Umweltausschusses überzeugen. Dieser ermittelte die Gewinner aus drei Bewerbungen. Die Kriterien für die Verleihung des Preises sind Einsparung von Kohlenstoffdioxid und eine gewisse Vorbildfunktion. Bei beiden Preisträgern seien diese "in hohem Maße" erfüllt. Jede Familie erhielt die Hälfte des Preisgelds.

Ich habe noch nie etwas gewonnen und freue mich sehr über den Preis", sagt Florian Kolbinger. Auch Michael Wagenpfeil ist glücklich: "Wir haben sehr viel Herzblut in das Projekt gesteckt, deshalb ist es umso schöner dafür eine Auszeichnung zu bekommen". Mit dem Preis, der bereits seit 2010 vergeben wird, sollen innovative Ideen gewürdigt werden, die den Klimaschutz im Landkreis voranbringen. "Wir wollen damit Konzepte auszeichnen, die nachahmenswert sind und einen Mehrwert für die Gesellschaft haben, um so der Klimakrise entgegenzutreten", sagt Esmeralda Schlehlein, Klimaschutzbeauftragte des Landratsamts, in ihrer Laudatio.

Energiepreis

Michael Wagenpfeil erklärt, wie sein Heizsystem, das mit Hackschnitzeln betrieben wird, funktioniert.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Ein solches Konzept ist das des Energiemanagementsystems im Haus der Familie Kolbinger, durch das die Nutzung von Photovoltaik und Batteriespeicher optimal kombiniert wird. Alles hat Florian Kolbinger selbst gebaut und installiert. "Weil ich die Funktionalität der Projekte bis ins kleinste Detail kennen will", sagt er bei der Preisverleihung. Gemeinsam mit seiner Frau Maria und zwei Kindern lebt der 34-Jährige, der für die Bayerische Staatsbibliothek als stellvertretender technischer Leiter der Außenstelle Garching arbeitet, in dem 2014 erbauten Haus. Immer wieder erweitert und verbessert er die Technik. "Der wachsende Mehrverbrauch von Energie und Wasser nach der Geburt meiner Kinder hat mich angetrieben, meine Gebäudetechnik so zu erweitern, dass ich das Haus fast energieneutral betreiben kann". So heizt die Familie primär mit einem Kohlendioxidneutralen Holzkaminofen und verwendet dafür Brennholz aus dem eigenen Wald. Um sauberes Trinkwasser zu sparen, wurde eine Regenwasserzisterne für die Bewässerung des Gartens errichtet, wodurch jährlich rund 40 Kubikmeter Wasser gespart werden können.

Im Frühjahr 2018 installierte Kolbinger schließlich eine Fotovoltaik-Hybridanlage: "Weil ich das Problem der Stromspitzen im deutschen Stromnetz wegen fehlender Speichermöglichkeit nicht weiter in die Höhe treiben wollte". Für die Stromspeicherung hat er sich für Bleisäureakkus statt der alternativ einsetzbaren Lithiumionenakkus entschieden. "Weil die Gewinnung von Lithium eine wahnsinnige Wasser- und Energieverschwendung ist", sagt Kolbinger. Mittels Überwachungs- und Steueranlage hält er die Stromnutzung seines Hauses im Blick. Unnötige Stromverbräuche können so erkannt und sofort behoben werden. Über Computer, Tablet und Handy kann der Stromverbrauch im Haus zudem so programmiert werden, dass Stromspitzen möglichst vermieden werden. Um auch den im Sommer produzierten Stromüberschuss effizient zu nutzen, koppelte Kolbinger zudem Wasserwärmepumpe mit Fotovoltaikanlage, wodurch die überschüssige elektrische Energie zur Warmwassererzeugung genutzt werden kann.

Das gesamte Grundstück wird jetzt mit Sonnenenergie versorgt. Die Kolbingers können 75 bis 80 Prozent ihres Energiebedarfs, das heißt Heizung, Strom und Warmwasser, selbständig decken. Aber Florian Kolbinger gibt sich damit noch nicht zufrieden: "Die nächsten 20 bis 25 Prozent der fehlenden Energie möchte ich mit meinem nächsten Projekt ausgleichen". Dafür plant er gerade die Errichtung einer Kleinwindkraftanlage mit dreieinhalb Kilowatt Leistung. Schlehlein zeigt sich davon beeindruckt: "Insbesondere die Kombination von Batteriespeicher und Überwachungssystem sind innovativ und vorbildlich. So etwas gibt es im Privatbereich nicht oft und das fanden wir hervorhebenswert", sagt sie.

Energiepreis

Familie Wagenpfeil (links) und Familie Kolbinger (rechts) freuen sich über ihr Preisgeld. Landrat Stefan Löwl (oben links) hat es übergeben.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Als hervorhebenswert wurde auch das Projekt der Familie Wagenpfeil eingestuft. Die alte Ölheizung tauschte Michael Wagenpfeil dieses Jahr durch eine Hackschnitzelheizung aus. An das Netz der nachhaltigen Biomasseheizung sind drei Einfamilienhäuser mit einer Gesamtfläche von 600 Quadratmetern angeschlossen: das Haus, das der 41-Jährige mit seiner Frau Kathrin und drei Kindern bewohnt, das Haus seiner Mutter und das seiner Schwester. 8000 Liter Heizöl und damit 24 Tonnen Kohlenstoffdioxid werden durch das Gemeinschaftsprojekt jährlich eingespart.

Dass die Wahl auf den Rohstoff Holz fiel, erklärt Wagenpfeil, der als Schreiner im Olympiapark München tätig ist, so: "Ich habe mich auf vielen Messen nach Alternativen umgeschaut. Ausschlaggebend war, dass es sich um erneuerbare Energien handelt und sich der Arbeitsaufwand in Grenzen hält". Er gibt aber auch zu bedenken, dass für den Hackgutbunker Platz vonnöten ist. Bei den Wagenpfeils dient ein ehemaliges landwirtschaftliches Gebäude als Heizzentrale. Die Anlage wird mit Solarstrom betrieben, das Hackgut kommt aus der Umgebung und wird aus Abfall-, Alt- und Schadholz gewonnen, die Hackschnitzel werden umweltfreundlich mit Abwärme aus einer Biogasanlage getrocknet.

"Der CO₂-Wert der Produktkette könnte kaum optimaler sein", sagt die Klimaschutzbeauftragte Schlehlein. Das Projekt hebe sich vor allem durch seine Vorbildlichkeit hervor. "Für uns war es die richtige Entscheidung", erklärt Wagenpfeil voller Überzeugung, denn: "Nach uns wollen auch noch ein paar Generationen auf dieser Erde leben".

© SZ vom 24.12.2019
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