Ausstellung in Altomünster:Schöne Grüße aus Altomünster

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Alte Postkarten

Bärtige Monarchen und gelockte Musen: Postkartenkultur um 1900.

(Foto: Klostermuseum)

Das Klostermuseum präsentiert Postkarten der Jahrhundertwende

Von Horst Kramer, Altomünster

Für manche war sie eine Plage, für andere die Möglichkeit, Angehörige und Bekannte mit kürzesten Botschaften zu beglücken: die Postkarte und ihre Ableger Ansichtskarte und Glückwunschkarte. Im gesamten 20. Jahrhundert zählten Postkarten zu den Standardkommunikationsmitteln in weiten Teilen der Gesellschaft. Das Klostermuseum Altomünster wirft in einer neuen Ausstellung den Blick zurück auf die Geschichte der Postkarte, insbesondere auf die Jahrhundertwende um 1900, und zeigt zahlreiche Beispiele der damaligen Postkartenkultur - mit Ansichtskarten, Grußkarten und Ereigniskarten wie etwa Ortsansichten, Weihnachts-, Ostern- oder Glückwunschkarten.

Ein populäres Motiv scheinen hierzulande die Wittelsbacher Herrscher gewesen zu sein, mindestens ebenso beliebt wie Karikaturen und grafische Kommentare zum Zeitgeschehen. Ablichtungen von Gemälden fanden wohl ebenso Fans wie künstlerische Naturmotive. Eine besondere Rolle in der Ausstellung wie in der damaligen Zeit spielen die Darstellungen von Frauen, seien es bekannte Sängerinnen, Werbemotive oder allegorisch gemeinte Szenen mit leicht bekleideten Damen, die Jahreszeiten, Musen oder Tugenden darstellen oder einfach nur Geschlechterklischees transportieren sollen. Junge Frauen haben den Blick gerne züchtig gesenkt, Ehefrauen blicken dafür beseelt nach oben. Manche Posen sind hingegen eindeutig erotisch - es wäre interessant zu wissen, wer die Absender und Empfänger derartiger Sendungen waren.

Die Postkarten zeigen verblüffend klar, wie sich die "gute alte Zeit" inszenierte - "als noch alles in Ordnung war, in Bayern gleich gar", wie der bayerische Schriftsteller Georg Lohmeier (1926-2015) in den wilden Sechzigerjahren in der TV-Serie "Königlich-Bayerisches Amtsgericht" formulierte: obrigkeitshörig, patriarchal, zuweilen unfreiwillig komisch, aber auch manchmal mit einem gewissen Augenzwinkern.

Die im Klostermuseum gezeigten Postkarten stammen zum großen Teil aus der Sammlung vom Katharina Maurer (1885-1950), der Großmutter des Altomünsterer Kunstexperten Peter Fink. Im empfehlenswerten Begleitkatalog zur Ausstellung findet sich ein von Fink verfasstes Kurzporträt der Sammlerin. Klaus Peter Zeyer informiert kundig über die Geschichte der Fotografie sowie über Ortsansichten und Grußpostkarten, Veit Didczuneit und Regina Schüffner über die Entwicklung der Postkartenkultur. Museumsleiter Wilhelm Liebhart hat lesenswerte Beiträge zu Herrscherdarstellungen, tagespolitischen Themen sowie zu Karikaturen beigesteuert. Schüffner klärt über das damalige Frauenbild auf, Susanne Allers analysiert Kunstmotive. Die Ausstellung soll voraussichtlich am Sonntag, 16. Januar, unter den dann geltenden Hygienebedingungen im Klostermuseum eröffnet werden und bis zum 26. Juni der Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Weitere Informationen unter www.museum-altomuenster.de.

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