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Ausstellung im Dachauer Wasserturm:Zwölf Künstler, viele Visionen

Als Vorsitzende des Kunstvereins Kunstkompass ist Ursula Busch selbst mit mehreren Werken in der Ausstellung vertreten.

(Foto: Toni Heigl)

Der Verein Kunstkompass München Nord zeigt derzeit seine Ideen zum Thema Aufbruch im Wasserturm

Kantige Eisblöcke, die auseinanderdriften. Eine Haut aus Ton, unter der Hitze der Flammen aufgerissen. Zarte Farben, die sich vom grauen Einerlei lösen. Die Werke, die von Freitag an im Dachauer Wasserturm präsentiert werden, sind vor allem eines: vielfältig. Vom Speckstein über die Druckgrafik bis zur Acrylmalerei ist alles dabei, doch bei ganzen 12 Künstlern, deren Arbeiten in den kommenden zwei Wochen zu sehen sind, ist das nicht weiter verwunderlich. Eines eint die Ausstellungsstücke dann aber doch - nämlich das Thema "Aufbruch". Unter diesem Motto arbeiteten die Künstler des Garchinger Kunstvereins Kunstkompass München Nord ein Jahr lang. Die Ergebnisse präsentieren sie nun in der gleichnamigen Ausstellung im Wasserturm.

Doch Aufbruch ist nicht gleich Aufbruch: In den 62 Bildern und zehn Objekten, die über drei Stockwerke im Wasserturm verteilt sind, spiegeln sich die verschiedenen Überlegungen, die die Künstler zum Thema hatten. "Wir haben bewusst ein Jahresthema gewählt, dass variabel und nicht eng gefasst ist", erklärt die Vorsitzende des Kunstvereins, Ursula Busch. "Es denken ja auch nicht alle gleich: Für die einen ist Aufbruch zum Beispiel ein Vulkanausbruch, bei dem die Erde sich öffnet. Andere konzentrieren sich eher auf das Innere, ein Losgehen etwa." Sie selbst ließ sich von Ingeborg Bachmanns Gedicht "Die große Fracht" inspirieren: Aus den drei Strophen sind vier abstrakte Bilder entstanden, die den Betrachter vor allem durch ihre Farbkraft in Bann ziehen.

Ebenso intensiv leuchtend sind die Werke von Margit Lendzian. "Ich habe lange überlegt, was Aufbruch für mich bedeutet und wie ich das künstlerisch umsetzen möchte - schließlich bin ich beim Hochhausbau gelandet", sagt die Künstlerin. Wenn sie dann aber eine Idee habe, müsse sie sich sofort an die Arbeit machen, denn nur so könne sie die ständige Veränderung ihrer Ideen abbilden. So erzählen nun beispielsweise feine Linien auf knalligem rot oder grün vom neuen Bauen in der Stadt in all seinen Formen.

Dem Aufbruch in seiner wohl ursprünglichsten Form widmet sich wiederum Lilo Hehn. Ihre bevorzugte Arbeitstechnik ist der archaische Feldbrand, bei dem die Tonskulpturen zwei Tage lang in einer Feuergrube gebrannt werden. So entstanden etwa ein Boot, in dem sich Dutzende Körper dicht an dicht drängen, ein rundliches Gefäß, aus dem dünne Äste vorsichtig ihren Weg nach draußen wagen oder die Skulptur einer Frau, deren aufgebrochene Mitte einen Blick in ihr Inneres erlaubt.

"Jeder arbeitet natürlich anders", resümiert Busch, "und am Ende sind wir dann selbst überrascht, was für Ideen die anderen zu demselben Thema hatten." Überraschen lassen sollen sich darum auch die Ausstellungsbesucher - denn Aufbruch bedeute eben nicht nur losgehen, sondern könne auch etwas Zerbrechliches, Verletzendes oder ein Neuanfang sein.

Die Vernissage der Ausstellung "Aufbruch" findet am Freitag um 19 Uhr im Wasserturm in Dachau statt. Danach kann die Ausstellung bis zum 13. Oktober jeweils donnerstags und freitags von 16 bis 18.30 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr besucht werden.

© SZ vom 26.09.2019

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