Ausstellung:Hoffnung in der Apokalypse

Ausstellung VR Bank Dachau

Die Wucht der Natur: Jonathan Drews' gemalte Landschaften sind schön und unnahbar.

(Foto: VR Bank Dachau)

Die menschenleeren Landschaften des Malers Jonathan Drews

Jonathan Drews' Landschaften sind schön und unnahbar, abweisend und faszinierend zugleich. Unerklimmbare Gipfel, abgrundtiefe Schluchten, eisige Hänge und scharfkantige Felsen stehen für den Moment, in dem die Natur einen Schlussstrich zieht. Hier herrschen uneingeschränkt die Elemente. Sie erlauben zwar eine Koexistenz, lassen aber keine Kompromisse zu. In der Langen Nacht der offenen Türen in Dachau, Freitag, 17. September, ist die Ausstellung in der Reihe "Kunst und Bank" Volksbank Raiffeisenbank, von 19 bis 24 Uhr geöffnet. Die Genossenschaftsbank, die traditionell Kunst und Kultur in der Region fördert, hat mit dieser Reihe seit 2011 die Kunstförderung in der Gegenwart fortgesetzt. Jonathan Drews ist in Dachau geboren und lebt und arbeitet heute in Berlin.

Die großformatigen Landschaften wachsen aus den Farbschichten heraus. Die besondere Wirkung, die von Drews Malerei ausgeht, rührt von der hellen Farbigkeit und einer überbordenden Lichtfülle. Hinzu tritt der spannungsvolle Kontrast des Dunkels sowie des ungewöhnlichen Material ins Spiel. Neben Leinwand verwendet der Künstler auch speziell angefertigte Aluminiumplatten. Diese werden an den Rändern gefalzt, damit sie eine Anmutung haben wie eine über den Keilrahmen geschlagene Leinwand. Die metallische Glätte des Malgrundes und sein silbriger Schimmer tragen wesentlich zur Direktheit der Komposition bei. Der Maler lässt in den flächigen Farbsetzungen große Bildteile unberührt oder legt sie während des Arbeitsprozesses frei. Indem er die Farbe in verschiedenen Schichten aufträgt, sie immer wieder abkratzt und neu darüber malt, knüpft er an den Vorgang der Erosion in der Natur an. Er schafft kein Abbild der Natur und er setzt ihr auch kein Monument, dem wir ehrfürchtig gegenüberstehen sollen. Vielmehr kreiert er eine Idee von der Landschaft, schafft ein Porträt von ihr, das uns mit seiner psychischen Wucht gefangen nimmt. In den menschenleeren Szenerien erkennt der Mensch, dass er den Naturgewalten ausgeliefert und ganz auf sich allein gestellt ist. Die Wildnis drückt seelische Zustände aus - den Abgrund der Angst.

Jonathan Drews beschäftigt sich seit seiner frühesten Jugend mit der Falknerei. Die Erfahrungen daraus und die daraus resultierende Weltsicht fließen in seine Kunst ein. Er spricht aktuelle Themen an: Auf einem Planeten, dessen Schicksal grundlegend vom Handeln des Menschen bestimmt wird, sind die Ängste vor dem bevorstehenden Ende unserer gegenwärtigen Zivilisation inbegriffen. Die bedrohliche Gefahr der Apokalypse ist jedoch nicht nur die Vorahnung einer düsteren Zukunft und die prophetische Vorhersage vom Ende der Welt. Vielmehr beschreibt sie auch einen hoffnungsvollen Neuanfang.

Jonathan Drews wurde 1985 in Dachau geboren. Er wuchs nicht in der Großen Kreisstadt auf, denn seine Eltern lebten zu dieser Zeit im Landkreis München und zogen anschließend nach Gars am Inn bei Mühldorf. Nach dem Abitur begann er 2007 mit dem Studium der Kunstpädagogik an der Akademie der Bildenden Künste München, das er 2012 mit dem Staatsexamen beendete. Darüber hinaus schloss er im Frühjahr 2014 das Studium der Freien Kunst mit Schwerpunkt Malerei mit dem Diplom und einer Auszeichnung ab. Anschließend war er als Doktorand und künstlerischer Mitarbeiter bei Professor Johannes Kirschenmann an der Akademie der Bildenden Künste tätig. Die Promotion schloss er 2017 ab. Das Thema der Dissertation lautet "Ästhetische Rationalität als kunstpädagogisches Paradigma bei Gunter Otto". 2019 beendete er das zweite Staatsexamen mit Auszeichnung.

Im Februar 2019 verlegte er seinen Wohnsitz nach Berlin. Jonathan Drews erhielt verschiedene Preise und Auszeichnungen, darunter im Jahr 2013 den Förderpreis der LfA Förderbank und 2014 den Senator Bernhard Borst Preis der Stiftung Kunstakademie. Seit 2008 ist er regelmäßig in Ausstellungen vertreten. Vorträge auf kunstpädagogischen Kongressen und Lehrveranstaltungen sowie eigene Publikationen arrondieren seine künstlerische Tätigkeit im Bereich der Kunsttheorie, Pädagogik und Didaktik. Seit 2011 wird Jonathan Drews von der Galerie Sabine Knust/Matthias Kunz vertreten.

Ausstellung vom 16. September bis 15. Oktober 2021 in der Volksbank Raiffeisenbank Dachau eG, Augsburger Straße 33-35, Dachau. Beim Besuch der Ausstellung gelten die Kontaktregeln der bayerischen Staatsregierung in der Corona-Pandemie.

© SZ vom 16.09.2021 / SZ
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