Ausstellung:Aufrütteln

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Die Gruppe "Kuratorenteam Koordinaten" stellt erstmals im Wasserturm aus

Von Deborah Portejoie, Dachau

Die Liebe ist ein zentrales Thema in der neuen Ausstellung im Dachauer Wasserturm: Florian Tenk zeigt seine Fotoserie "Nun sag du hast mich nackt gesehen". Darin beschränkt er sich fragmentarisch auf Körperausschnitte. Der junge Münchner Künstler gehört zu einer Gruppe, die sich Kuratorenteam Koordinaten nennt und erstmals in Dachau ausstellt. Noch klarer als Tenk befasst sich Eva-Marlene Etzel in ihren Fotografien mit der Liebe, indem sie schon bezweifelt, dass man dazu überhaupt fähig ist. Ihr Titel lautet: "Menschen, die behaupten sich zu lieben." Auf den Bilder sind Paare zu sehen, die sich glücklich küssen, ganz in weiß im Wald stehen oder eben mit traurigen Blicken in der Badewanne sitzen. Während Florian Tenk seine Werke schon einige Male ausstellen konnte, ist für Eva-Marlene Etzel der Wasserturm eine Uraufführung.

Ausstellung Kopfkino

Der Titel "Kopfkino" passt zur Ausstellung im Dachauer Wasserturm.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Insgesamt sind dort 17 junge Künstler zu sehen, die für sich in Anspruch nehmen, "ein Kopfkino" im Betrachter auslösen zu können: also eigene Bilder, die sich auf das Gesehene beziehen oder es erweitern. 100 Leute hätten sich beworben, erzählen Sophie-Charlotte Bombeck, Ava Lahmann, Irina Antoniu und Bernhard Wolf von der Koordinatengruppe. Dabei waren nicht nur Künstler aus Deutschland interessiert, sondern zum Beispiel auch aus Spanien oder den Niederlanden. Der Ausstellungsort erwies sich als besondere Herausforderung. In dem denkmalgeschützten Gebäude darf man keine Nägel in die Wand schlagen, was das Aufhängen der Fotografien, Malereien und Zeichnungen erschwert. Deswegen platzierten die Künstler Bilder beispielsweise auf Biertischgarnituren, die senkrecht im Raum lehnten. Die vielen verwinkelten Mauern im Turm wurden von den Kuratoren kreativ genutzt, fast versteckt findet man einige Werke nur, wenn man mal auch neugierig um die Ecke schaut. Außerdem nimmt die Künstlergruppe für sich in Anspruch, der ihrer Ansicht nach "konservativen Kunstszene in München" neue Sichtweisen entgegenzusetzen. So kann man mit Hilfe von Virtual-Reality-Brillen bei einigen Werken sogar in zwei vollständig simulierte Welten eintauchen.

Ausstellung Kopfkino

Einige Kunstwerke lassen die Besucher mit Virtual-Reality-Brillen vollständig in simulierte Welten eintauchen.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Noch am Wochenende, 6. und 7. Mai, im Wasserturm in Dachau zu sehen. Samstag, 15 Uhr, Führung mit Künstlergespräch.

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