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Ausstellung:Alles in Bewegung

Ein Fitness- und Wellness-Tempel wird zur Galerie: 20 Künstler zeigen im Anima Arbeiten, die mit speziellen Techniken entstanden sind. Die Schau beeindruckt durch die große Vielfalt der Stile

Anatomie in Bewegung

Skulptur von Stefan Bauer.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Für Wolfgang Perret, Inhaber und Geschäftsführer von "Anima - Finest Sports and Spa" in Dachau, bedeutet das lateinische Wort "Anima" so viel wie "Lebenskraft". Um Lebenskraft im weitesten Sinn, vor allem um künstlerische Ausdruckskraft, ging es bei einer Ausstellung im Anima am vergangenen Samstag, die unter dem Motto "Art and Show" angekündigt war: Auf drei Etagen zeigten 20 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten.

Schon vor der Tür des großen und modernen Hauses am Wettersteinring konnten die Besucher einem Kunstwerk beim Entstehen zuschauen: Stefan Bauer aus Stätzling bei Friedberg arbeitete mit verschiedenen Kettensägen und Schleifwerkzeug an einer fast drei Meter hohen, abstrakten Holzskulptur. Deren fließende, nach oben strebende Bewegung nimmt laut Bauer Bezug auf die Bewegungen Sport treibender Menschen, während vier in sie integrierte Holzkugeln das Logo des Clubs aufnehmen. Die Skulptur soll nach ihrer Fertigstellung im Foyer des Hauses stehen.

Anatomie in Bewegung

In der Ausstellung im Fitness- und Wellness-Center Anima waren Kunstwerke mit unterschiedlichen Stilen und Techniken zu sehen. Das Thema Bewegung griffen mehrere Künstler auf.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Am Samstag allerdings wurde der Eingangsbereich des Clubs beherrscht von den großformatigen Bildern des Dachauer Künstlers Richard Wurm. Der 48-Jährige ist eigentlich Bauingenieur, hat aber inzwischen solchen Erfolg als Künstler, dass für den bürgerlichen Beruf nicht mehr allzu viel Zeit übrig bleibt. Wurm hat in den vergangenen Jahren eine ganz spezielle Arbeitstechnik entwickelt: Er bringt auf seine Leinwände, die schon mal 2,50 auf 1,80 Meter messen können, verschiedene Farbschichten auf, um sie dann mit einem Hochdruck-Wasserstrahler zu behandeln und dabei die Farben partiell wieder abzutragen. Dabei entstehen mal kleiner, mal größer strukturierte Farbflächen. In einem Bild, das ganz lapidar nur die Nummer 320 trägt, hat der Maler eine Farbpartie mit leuchtendem Blattgold nachbehandelt und damit einen zusätzlichen effektvollen Akzent gesetzt. Wurm arbeitet mit einer Galerie in New York zusammen; entsprechend oft sind seine Arbeiten in US-amerikanischen Schauen zu sehen.

Anatomie in Bewegung

Bild von Thomas von Kummant.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Ganz anders, was Format, Technik und Sujets angeht, waren die Arbeiten, die Thomas von Kummant, ebenfalls ein sehr erfolgreicher Dachauer Künstler, zur Schau im Anima beitrug. Der Illustrator und Designer, der unter anderem mit seiner Comic-Reihe Gung Ho international bekannt geworden ist und viel mit amerikanischen Film-Unternehmen zusammenarbeitet, zeigt auf Papier aquarellierte Bewegungsstudien. Er nennt sie seine "Trainingsbilder". Zum einen, weil sie aus seiner steten Beschäftigung mit dem menschlichen Körper und dessen Bewegungen entstanden sind und zum anderen, weil das Thema "Bewegung" natürlich gut auch zu dem passt, was die Menschen - und ihn selbst - im Anima in Bewegung hält.

Anatomie in Bewegung

Fotografie von Claudia Reiter.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Eine Reihe von Künstlern, die ihre Arbeiten am Samstag präsentierten, verbinden Fotografie und Malerei. Zu ihnen gehört Claudia Reiter, die Fotos von Frauen und Männern mit solchen von architektonischen Strukturen, alten Mauern oder auch Zufallsfunden wie etwa einem Ölfleck auf dem Straßenpflaster übereinanderlegt und ihnen dann häufig ein abstraktes, farblich und strukturell stark reduziertes Pendant, meist in Spachteltechnik ausgeführt, zur Seite stellt. Von der Fotografie kommt auch Karin Öttl: Sie übermalt oder überspachtelt Fotografien oder lässt sich durch deren Strukturen zu abstrakten Bildgestaltungen inspirieren.

So zahlreich die Aussteller, so unterschiedlich sind auch die gezeigten Arbeiten. Da hängt etwa ein Selbstbildnis von Hartmut Emig, in dem er sich als Chronist einer Amsterdamer Hafenszene aus dem Jahr 1628 im Stil der Renaissance darstellt, neben abstrakten, von leuchtenden Farbflächen beherrschten Arbeiten von Pia Rochelt oder einer auf wenige Weiß- und Brauntöne reduzierten "Moorlandschaft" von Edith Schmidt. Die Leiterin der Freien Malgruppe Dachau, Ruth Rumberger, zeigt eine wuchtige Berglandschaft vor nachtschwarzem Hintergrund, das Ehepaar Kramberger überwiegend Landschaftsmalerei, und Anja Ludolph erinnert sich mit Bildern von Segelschiffen auf blauem Meer an ihre Hamburger Heimat. Von fernöstlicher Spiritualität lassen sich Claudia Ohmayer und Karin Matthes inspirieren, von Frauen in unterschiedlichsten Posen der Fotograf Maxi Jalkanen, während Eva Korol von einer Reise in ihre Heimat Sibirien Bilder von dortigen Schamanen mitgebracht hat - um nur einige weitere Aussteller zu nennen.

Anatomie in Bewegung

Besucher der Vernissage.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Die große Vielfalt der Stile und Sujets ist es, die bei der Schau im Anima am meisten beeindruckt. Nicht jeder, der hier seine Arbeiten zeigte, kann oder will von seiner Kunst leben, und auch nicht alles Gezeigte kann den Anspruch erheben, es handle sich um "große" Kunst. Eines aber weiß Wolfgang Perret ganz genau: "Allen hier gemeinsam ist die Liebe zur Kunst", sagt er. Und so hat er es sich auch nicht nehmen lassen, die Schau zum Event zu machen mit einem bunten Rahmenprogramm. Perret ist überzeugt: "Es ist toll, der Kunst ein Dach zu geben - noch dazu wenn es das eigene ist."

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