Ausgesetzter Welpe Kein Herz für Tiere

Wer kann diesem Blick widerstehen? Snoopy ist seit Kurzem eines der vielen herrenlosen Tiere, die das Dachauer Tierheim zu versorgen hat.

(Foto: privat)

Und jetzt Snoopy: Zum zweiten Mal binnen weniger Tage wird in Dachau ein Haustier entdeckt, das wie Müll entsorgt werden sollte. Das Tierheim kümmert sich um den Welpen. Doch der Einrichtung geht langsam das Geld aus

Von Leonie Sanke, Dachau

Snoopy heißt der schwarz-weiße Welpe mit dem unwiderstehlich süßen Blick. Irgendjemanden muss dieser Hundeblick kalt gelassen haben, denn Snoopy wurde vergangenen Donnerstag in einem Karton gefunden - wie Müll neben einem Container entsorgt. Erst kürzlich hat acht Kätzchen, erst sechs bis acht Wochen alt, das gleiche Schicksal ereilt, ebenfalls in Dachau. "Diese Entsorgungsmentalität schockiert mich immer wieder", sagt Silvia Gruber, Vorsitzende des Tierschutzvereins Dachau. So etwas komme häufig vor, meistens würden Hasen oder Meerschweinchen ausgesetzt. "Mir graust es jetzt schon vor der Urlaubszeit."

Wie alle herrenlosen Tiere im Landkreis kamen Snoopy und die Kätzchen ins Tierheim Franz von Assisi, das der Dachauer Tierschutzverein betreibt. Bevor sie ein neues Zuhause finden können, müssen die Kleinen entwurmt, von zahllosen Parasiten befreit, gechipt und geimpft werden. "Das geht leider nicht so schnell, wie viele denken", erklärt Gruber. Sie ist aber zuversichtlich, dass sie schon in wenigen Wochen vermittlungsfähig sind und auch schnell vermittelt werden. "Junge Tiere haben immer viel bessere Chancen."

Was die Zukunft ihres Tierheims betrifft, ist Gruber weniger optimistisch. Schon seit Jahrzehnten hat die gemeinnützige Einrichtung mit finanziellen Engpässen zu kämpfen - und die Lage wird immer kritischer. "Der nächste Schritt wäre eine Kreditaufnahme. Mir ist klar, dass das der Anfang vom Ende wäre", sagt Gruber resigniert. Das Tierheim erhält zwar für die Aufnahme von Fundtieren jährlich eine Pauschale von den meisten Landkreisgemeinden - in Dachau wurde sie dieses Jahr auf 1,50 Euro pro Einwohner erhöht -, doch die decke die Betriebskosten bei weitem nicht. Der Verein ist daher auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen, die den größten Teil der Einnahmen ausmachen, die Kosten jedoch nicht aufwiegen. Das Beispiel der ausgesetzten Kätzchen verdeutlicht die hohen Kosten: Allein die Erstversorgung nur einer Katze kostet laut Gruber gut 100 Euro. Futter und der erhöhte Arbeitsaufwand bei Jungtieren seien da noch nicht eingerechnet. Zu den vielen Einzelfällen, bei denen das Tierheim häufig auf den Kosten sitzen bleibe, kommen allgemeine Kostensteigerungen. Auch räumlich hat das Tierheim seine Belastungsgrenze erreicht. "Trotzdem haben wir bisher noch kein Tier abgewiesen."

Ein Austausch mit den Bürgermeistern der Gemeinden Karlsfeld, Bergkirchen und Vierkirchen, die eine Arbeitsgruppe Tierheim bildeten, vor drei Monaten habe bisher kein Ergebnis gebracht. Und nicht nur in der Politik, auch unter den Bürgern erfahre der Tierschutzverein kaum Rückhalt, bedauert Gruber. Inzwischen gehe es so weit, dass ehrenamtliche Helfer Anfeindungen ausgesetzt seien und viele von ihnen dem Verein den Rücken kehrten. "Wir sind gewiss nicht fehlerlos, aber die positiven Dinge werden meist unter den Tisch gekehrt."

Immer wieder wird Gruber mit Vorwürfen konfrontiert: Das Tierheim vermittle nicht, die Öffnungszeiten seien zu großzügig. Gruber entgegnet darauf, das Tierheim vermittle sehr wohl, jedoch nur an verantwortungsvolle Haushalte. Außerdem dürfe man beispielsweise sogenannte Verwahrtiere gar nicht vermitteln. Mit den langen Öffnungszeiten wird etwas angeprangert, das eigentlich vorbildlich ist: Als einzige Einrichtung der Region bietet das Tierheim - noch - einen 24-Stunden-Notdienst an, ermöglicht durch ehrenamtliche Helfer. Der sei angesichts der vielen nächtlichen Notfälle auch nötig, sagt Gruber. "Trotzdem müssen wir den Notdienst bald vorübergehend einstellen." Damit tierische Findelkinder wie Snoopy in Dachau weiterhin eine Anlaufstelle haben, ist das Tierheim auf Mithilfe angewiesen - nicht nur finanziell. "Wir suchen auch Leute, die handwerklich begabt sind und uns bei Renovierungsarbeiten unterstützen."