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Aus der Welt des Konsums:Das innere Leuchten

Sie hängen an Hausmauern oder stehen an Bahnhöfen und in Toiletten von Bars: Automaten. Bei ihren Kunden lösen sie die unterschiedlichsten Gefühle aus

Manche Dinge in praktikschen Reisegrößen kaufen Menschen in Eile heutzutage nur noch am Automaten. Der Kaffeeautomat dagegen verkürzt Wartezeiten, provoziert Wutausbrüche oder ist eine Ausrede für die Pause während einer kurzen Schaffenskrise im Büro. Im Landkreis Dachau kann man all diese Automaten testen und die entsprechenden Gefühle an ihnen auslassen. Auf einem Roadtrip durch den Landkreis werden Reisende oder Einheimische fündig und das Leuchten des kleinen Schaufensters erweckt vielleicht auch ein Gefühl der Erleichterung. Doch teilweise sind die automatischen Schatztruhen schon fast wieder ausgestorben. Und für den ein oder anderen rollt deshalb mit dem Kaugummi die Nostalgie aus dem Automaten.

Am Dachauer Bahnhof stehen die Automaten, die wohl nie ganz aussterben werden, da mit ihnen eine Reise beginnt. Fahrkarten gibt es dort frisch vom Automaten gedruckt, Passbilder aus dem Foto-Fix-Automaten auch. Der Raucher hetzt nicht zum Zug, sondern trifft ein paar Minuten früher ein, um sich am entsprechenden Automaten noch eine qualmende Auszeit zu gönnen, bevor er in den überfüllten Zug steigt. Dazu gibt es ein Snickers gegen die schlechte Laune. Aus einem Snack-Automaten, wie man ihn inzwischen an fast jedem Bahnhof findet.

Automaten Serie

Morgens braucht es erst einmal einen starken Kaffee.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Meistens spucken die Geräte mit nie endenden Öffnungszeiten Dinge aus, die zwar auch im Supermarkt in Regalen liegen. Oft ist dieser jedoch schon geschlossen, wenn einem einfällt, was für das morgige Frühstück fehlt. Die Milchtankstelle von Familie Kiening in Markt Indersdorf hilft hier aus. Sie wird nur selten leer. "Da springt nicht viel raus. Den Kunden ist der Aufwand wohl zu groß", vermutet Besitzerin Gabriele Kiening, "viele können den Liter Rohmilch nicht in zwei Tagen aufbrauchen". Dabei habe die Rohmilch einen weitaus besseren Fett- und Eiweißgehalt als die ultrahocherhitzte Milch aus dem Supermarkt. Auf die Stammkunden ist jedoch immer Verlass. "Ihnen schmeckt die Rohmilch einfach besser", freut sich die Landwirtin.

Regionale Produkte vom eigenen Hof verkaufen auch viele andere Landwirte aus dem hofeigenen Automaten. Die Vermarktungsstrategie erspart ihnen das Personal und den Zeitaufwand eines Hofladens. Die Spanne der Dinge, die man im Supermarkt vergessen hat und schnell noch am Automaten nachholen kann, reicht dabei von Eiern und Käse, über Obst und Gemüse, bis hin zu Grillfleisch. Das Schmankerlschrankerl der Metzgerei Blank in Dachau rettet den Grillabend durch ein Angebot an Weißwurst, Steak und sogar Kräuterbutter. Viele benutzen die Automaten der Landwirte auch, weil sie sich der Regionalität der Produkte durch die Nähe zum Erzeuger, nirgendwo sicherer sein können.

Kaugummi- und Spielzeugautomaten erinnern manche Erwachsene an die Kindheit. Sowohl in der Konrad-Adenauer-Straße, als auch im Gasthaus Amperlust in Dachau, hängen die bunten Vintage-Stücke. Der Spielzeugautomat im Gasthaus wurde sogar mit dem Spielzeug der Moderne ausgestattet - dem Fidget Spinner. Damit ist ein bunter Handkreisel gemeint, den nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene eine Zeit lang gar nicht mehr aus der Hand legten, als er in deutschen Geschäften ankam.

Sicherlich strahlen die verschiedenen Automaten ganz unterschiedliche Anziehungskräfte auf gestresste, gelangweilte, verzweifelte oder einfach erleichterte Kunden aus. Auf der Toilette einer Dachauer Gaststätte ist der Kondomautomat zur Stelle, wenn diese starke Anziehungskraft vom Gegenüber ausgeht.