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Ateliers in einer ehemaligen Schreinerei:Künstlerhof und Kaufhaus

Etwa 20 Künstler präsentieren noch bis zum Sonntag im Hof "WerkStetten" ihre Arbeiten. Zu erwerben gibt es neben Bildern auch Schmuck und Kunstwerke aus Glas. Ergänzt wird die Ausstellung mit Musik, einer Lesung und einer Lichtinstallation

Wie setzt man sich von der derzeit grassierenden Weihnachtsmarkteritis ab? Ganz einfach. Indem man auf Glühweindunst und Bratwurstfett-Schwaden verzichtet, Kolleginnen und Kollegen einlädt und im Künstlerhof "WerkStetten" in Stetten mit ihnen eine Werkschau veranstaltet. Initiatorin von "Temporääär", so der an Umlauten reiche Name der Verkaufsausstellung, ist Anne Hein. Sie lebt in Schwabhausen und hat ihr Atelier in der ehemaligen Schreinerei in Stetten. In den lichten, hellen Räumen präsentieren derzeit etwa 20 Künstler ihre Arbeiten.

Anne Heins filigrane Installation "Ein Zuhause" fällt sofort ins Auge. Sie ist nicht gerade weihnachtlich, aber eindrucksvoll in ihrer Vielfalt. Zuhause ist schließlich da, wo man gut angekommen ist, könnte man bei näherer Betrachtung des vielschichtigen Werks meinen. Hein ist ausgebildete Glasmeisterin und seit mehr als 20 Jahren freischaffende Künstlerin.

Begeisterung für Glas

Ihre ehemalige "Azubine" Elisabeth Mischo-Wagner hat sich dagegen ganz auf himmlische Heerscharen konzentriert und ein wahrhaft engelsgleiches Fenster gestaltet. Die in der Nähe von Trier beheimatete Mischo-Wagner erzählte bei der Vernissage, sie habe lange nach einer Möglichkeit gesucht, den Umgang mit Glas zu erlernen. Sie sei aber seinerzeit "zu alt für eine richtige Ausbildung" gewesen. Erst bei Anne Hein habe sie die Arbeit mit dem empfindlichen Werkstoff lernen können. Diesem Material haben sich bei "Temporääär" etliche Kunstschaffende verschrieben. Kirsten Matos-Thümecke beispielsweise setzt in durchaus alltagstauglichen Flaschen und Gläsern ihre Begeisterung für Glas um. Die gebürtige Puertoricanerin war schon als Kind fasziniert, mit welcher Kraft das Meer schlichte Glasscherben in kleine Kunstwerke verwandelt und immer wieder am heimatlichen Strand angeschwemmt hatte.

"Sitzgymnastik im Stuhlkreis"

Kraft, Mut und Lebensfreude strahlen die Fotomontagen von Susanne Krauss aus. Ihre taffen alten Ladies fahren Skateboard, haben freche Sprüche parat und sind die wahre Alternative zur Altersperspektive "Sitzgymnastik im Stuhlkreis". Ebenfalls ein Gegenentwurf, nämlich zum herkömmlichen Verständnis von Schmuck, sind die farbfreudigen Ketten und Broschen von Unk Kraus. Der Haimhausener Goldschmied fotografiert Blumen - gerne im Botanischen Garten in München - und verarbeitet die Fotos aufwendig zu hinreißenden Schmuckgebilden.

Temporääär

Die Ausstellung "Temporääär" im Künstlerwerkhof von Stetten präsentiert eine bunte Palette an künstlerischen Arbeiten, darunter auch die frechen Fotomantagen von Susanne Krauss.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Auch die Schmuckdesignerinnen Carla Lass und Ulrike Kleine-Behnke verzichten auf Blingbling und schweres Gold. Kleine-Behnke etwa konzentriert sich auf Fundstücke aus Holz, Eisen oder Plastik und schafft daraus überraschende Stücke. Holz ist auch das Material von Bildhauer Peter Hermann. Seine detailfreudigen, farbenfrohen Skulpturen sind echte Hingucker. Das gilt gleichfalls für Lucia Aschings Lichtobjekte. In ihnen gehen Holz, Glas und Metall eine sehr individuelle, mal kühle, mal anheimelnde Verbindung ein.

Anheimelnd verführerisch ist zudem das Beiprogramm der Werkschau: Am Samstag, 2. Dezember, spielt die Band Blueberry zu einem mediterran-bayerischen Buffet auf. Beginn ist um 18.15 Uhr. Am Samstag, 9. Dezember, heißt es um 18.15 Uhr "Liebe, Liebe". Schauspielerin Elke Heinrich lädt zu einer szenischen Lesung ein; ihre Schwester Hermine Heinrich begleitet sie malerisch. Am Samstag/Sonntag, 16./17. Dezember, zeigen Anne Hein und Alois Hechl ganztägig eine eigens geschaffene Lichtinstallation. "Sie soll zum Chillen und zum Ausruhen einladen", sagt Anne Hein.

Temporääär

Floral-farbenfroh präsentiert sich das Collier von Unk Kraus.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

"Temporääär": noch bis zum Sonntag, 17. Dezember, jeweils samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr im Künstlerhof "WerkStetten" in Stetten.

© SZ vom 28.11.2017/lela
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