bedeckt München 15°
vgwortpixel

Arnbach:Brücken bauen

Pastoralreferentin Elisabeth Simon wünscht sich engagierte Bürger.

(Foto: Toni Heigl)

Die Bedeutung der Kirche im ländlichen Raum

Seit mehr als 30 Jahren bietet die Katholische Landvolkbewegung (KLB) am Petersberg Vorträge an, die den Blick auf wichtige regionale Themen vertiefen und weiterführen sollen. In diesem Jahr lautet das Motto der Arnbacher Gespräche: "Stadt und Land, Hand in Hand? Urbanisierung und ländlicher Raum". Nach dem ersten Gesprächsabend mit Diplomarchitekt Mark Michaeli zum Thema "Wohnen und Leben zwischen Stadt und Land" hat die KLB nun die Pastoralreferentin Elisabeth Simon eingeladen. Im Mittelpunkt dieses zweiten Arnbacher Gesprächs stand das Thema "Alles im Wandel - die Kirche bleibt!? Herausforderungen und Möglichkeiten in modernen Zeiten".

Für die rund 50 Besucher aus dem Landkreis und darüber hinaus bot das große Zimmer im Erdgeschoss des renovierten Arnbacher Pfarrhofs wieder eine gute Gesprächsatmosphäre. Zunächst sprach Elisabeth Simon, am erzbischöflichen Ordinariat München zuständig für Landpastoral, mittels Power-Point-Präsentation den Wandel auf dem Land aus staatlicher und wissenschaftlicher Sicht an. Vorrangig ging es der Referentin um das Dachauer Land, das sie als "besonders prosperierenden Landkreis in der Diözese" bezeichnet. Zum Erhalt der Dörfer in ländlichen Regionen müsste dafür gesorgt werden, dass "das Leben der Bewohner weiterhin attraktiv und lebenswert bleibt". Hierzu bedürfe es "mehr Menschen, die sich engagieren und Verantwortung übernehmen". Heutzutage würde auch von den Landbewohnern größere Flexibilität und Mobilität gefordert, es gebe mehr Druck in Familie und Beruf und weniger Bindung an den Ort. Als Dilemma sieht Simon zudem, dass landwirtschaftliche Betriebe und ortsgebundene Arbeitsplätze aufgegeben, Gasthäuser und Dorfläden geschlossen werden und Ärzte zu weit entfernt sind. "Damit fehlen immer mehr tragende Säulen des sozialen und politischen Ortslebens", beklagte die Theologin. Insbesondere sollte wieder mehr Gemeinschaft erlebbar werden, beispielsweise in aktiven Vereinen und Verbänden, wo sich Menschen verschiedenster Bildungsgrade ernst- und mitgenommen fühlen sollen.

Überraschend sei die Tatsache, dass es in nicht kirchlichen Bereichen ähnliche Befunde gebe wie in den Pfarrverbänden auf dem Land. "Denn in Orten, wo Menschen das Gefühl der Gemeinschaft erleben, passiert viel mehr Positives als auf übergeordneter Ebene", erklärte Simon. "Wo Menschen auf dem Land bereit sind, ihre Kraft und Energie einzusetzen, da ist Power am Ort." Die katholische Kirche sieht Simon prädestiniert für eine Gemeinschaft. Kirchliche Aufgaben wie Krankenbesuche, Kommunion- und Firmunterricht oder seelischer Beistand könnten auch von ehrenamtlichen Mitarbeitern geleistet werden, das sei nicht den Priestern vorbehalten. Ungenutzte kirchliche Gebäude könnten als Wohnraum oder für Vereinszwecke umfunktioniert werden. Alte Traditionen sollten neu überdacht und eventuell ersetzt werden. Die Kirche müsste wieder mehr Brückenbauer sein zwischen den verschiedenen Meinungen, unterschiedlichen Positionen oder andersdenkenden Menschen.

Der Austausch mit den Teilnehmern bezog sich unter anderem auf die schwierige Frage: Wie muss sich die Amtskirche in der Zukunft verändern? In diesem Kontext beklagte Simon die fehlende Toleranz in der Gesellschaft und den Nachwuchsmangel im Priesterberuf. Infolgedessen müssten kirchliche Aufgaben auf immer mehr Schultern in der Pfarrgemeinde verteilt werden. Sie verwies auf die Tendenz, nach der Papst Franziskus wieder mehr Verantwortung in die Ortskirchen geben will, in denen kleine Gemeinschaften gebildet werden könnten. Eine Teilnehmerin verwies auf die Bedeutung der Priester für die Gemeinden, die sie leiten und begleiten sollen. Laut Werner Götz, der als KLB-Mitglied den Gesprächsabend moderierte, sollten "wir Christen Brückenbauer sein und dieser Aufgabe müsste sich jeder Einzelne in der Pfarrgemeinde stellen". Die Gefahr, von anderen Religionen überflügelt zu werden, sieht ein anderer Teilnehmer. Für Pfarrer Josef Mayer vom Petersberg geht es um eine "neue Formatierung der Familien", die noch mehr gestärkt und unterstützt werden müssten. Einer Teilnehmerin zufolge sollten Priester den Gemeindemitgliedern "mehr zutrauen, sie ermutigen und aktivieren".

© SZ vom 13.03.2017
Zur SZ-Startseite