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Antrag:SPD will Zehn-Minuten-Takt im Lockdown kippen

Besonders an Wochenenden und nach Beginn der Ausgangssperre blieben die Busse häufig leer, beobachtet Verkehrsreferent Volker C. Koch.

(Foto: Toni Heigl)

Weil derzeit weniger Menschen Bus fahren, schlagen die Sozialdemokraten eine Ausdünnung des Fahrplans vor

Von Benjamin Emonts, Dachau

Die Dachauer Stadtbusse sind während des Lockdowns teilweise spärlich besetzt. Die SPD-Fraktion im Stadtrat hat dies nun zum Anlass genommen, eine Ausdünnung des Fahrplans vorzuschlagen, um Kosten für Personal und Benzin einzusparen. Die Verwaltung soll demnach prüfen, ob der Münchner Verkehrsverbund (MVV) entsprechenden Fahrplanänderungen zustimmen würde. Bei den anderen Fraktionen stößt der Antrag auf wenig Gegenliebe. Die CSU-Fraktion beispielsweise lehnt das Ansinnen in aller Deutlichkeit ab.

Die Diskussion über den Zehn-Minuten-Takt während der Pandemie ist nicht neu. Nachdem der Stadtrat die neue Taktung in großer Einigkeit beschlossen hatte, forderte die SPD im ersten Lockdown, die Einführung angesichts der dramatischen Haushaltslage zu verschieben. Die Stadt Dachau investiert enorme Summen in den dichter getakteten Fahrplan, während die Einnahmen im Öffentlichen Personennahverkehr in der Pandemie einbrechen. Die Mehrheit im Stadtrat hatte sich dennoch gegen eine Verschiebung ausgesprochen.

Jetzt, im zweiten Lockdown, verkehrt die aufgerüstete Busflotte der Stadtwerke nach dem regulären, neuen Fahrplan, der zu den Hauptverkehrszeiten einen Zehn-Minuten-Takt vorsieht.

Besonders an Wochenenden und nach Beginn der Ausgangssperre blieben die Busse jedoch häufig leer, beobachtet der Dachauer Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD), der den Antrag mit Fraktionschefin Christa Keimerl unterschrieben hat. Speziell die Linien 720, 722 und 726 belasten demnach den städtischen Haushalt. Die SPD schlägt einen Zwanzig-Minuten-Takt während des Lockdowns vor. "Leere Busse bringen es nicht", sagt Koch.

Doch selbst bei den Grünen ist man keineswegs überzeugt von dem Antrag. Am Montag will sich die Fraktion darüber austauschen. Stadtrat und Umweltreferent Thomas Kreß ist überzeugt, dass man sich mit einer Ausdünnung des Fahrplans ein Eigentor schießen würde. "Anderswo werden Verstärkerbusse eingesetzt, damit die Leute genug Platz haben." Auch die CSU-Fraktion hält von dem Vorschlag wenig, wie Fraktionsvorsitzender Florian Schiller verdeutlicht: "Von uns gibt es ein klares Nein." Dank der niedrigen Fahrgastzahlen seien die Dachauer Verkehrsmittel besonders sicher in der Pandemie, argumentiert er. "Wir sind da in einer guten Situation." Auf Ablehnung stößt der Antrag auch bei der Überparteilichen Bürgergemeinschaft, kurz ÜB. Nach Auffassung von Fraktionschef Peter Gampenrieder stünde der "geringe finanzielle Effekt" in keinem Verhältnis zum "enormen administrativen Aufwand". Die Abschreibungen für die neu angeschafften Busse schlügen sich ohnehin in den Bilanzen nieder. Außerdem hält Gampenrieder es für falsch, die neu eingestellten Busfahrer, die sich teilweise noch in Probezeit befänden, in Kurzarbeit zu schicken. Die Entscheidung für den Zehn-Minuten-Takt sei wohl überlegt gewesen. Man müsse auch in finanziell schwierigen Zeiten dazu stehen und nicht gleich alles "über den Haufen werfen", fordert Gampenrieder.

Um den Zehn-Minuten-Takt der Busse auf den Ringlinien 720, 722 und 726 gewährleisten zu können, haben die Stadtwerke Dachau ihre Busflotte nahezu verdoppelt. Die erdgasbetriebenen Fahrzeuge kosteten jeweils rund 360 000 Euro, außerdem stellten die Stadtwerke 36 neue Busfahrer ein. Ein Busdepot wird an der Otto-Jahn-Straße in Dachau-Ost neu gebaut, dort soll auch eine Erdgastankstelle entstehen. Insgesamt investieren Stadtwerke, Stadt und Landkreis 9,5 Millionen Euro in die Einführung des Zehn-Minuten-Taktes. Stadtkämmerer Thomas Ernst gab im Frühjahr zu Bedenken: "Der Zehn-Minuten-Takt ist eine Ausgabe, die in den nächsten Jahren eine immense Aufgabe nach sich ziehen wird. Und die könnte unter Umständen zu einem riesigen Problem werden."

© SZ vom 23.01.2021
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