Süddeutsche Zeitung

Antrag der Dachauer Kreis-Grünen:Neue Schulen aus altem Schotter

Kreis-Grüne fordern, öffentliche Gebäude künftig aus Recycling-Baustoffen zu errichten

Der Landkreis wächst, es wird viel gebaut, und dazu braucht es Rohstoffe, die nicht in unendlicher Menge verfügbar sind. Die Kreistagsfraktion der Grünen hat nun beantragt, dass der Landkreis bei allen Bauvorhaben der öffentlichen Hand Recycling-Baustoffen, kurz RC-Baustoffen, den Vorzug geben soll und zwar gemäß den Vorgaben des Bayerischen Abfallwirtschaftsgesetzes.

Der von Marese Hoffmann und Achim Liebl gezeichnete Antrag wird auch mit der einstimmigen Ablehnung des Gemeinderates Petershausen für ein Kiesabbaugebiet im Gemeindeteil Weissling begründet. Der Vorgang zeige "die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Endlichkeit der Primärrohstoffe Kies und Sand und die mit dem Abbau anfallenden negativen Umweltfolgen".

Grundsätzlich habe die öffentliche Hand auch eine gesetzlich verankerte Vorbildfunktion. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz verpflichtet sie, durch ihr Verhalten zur "Förderung der Kreislaufwirtschaft und Schonung der natürlichen Ressourcen" beizutragen, bei "Bauvorhaben und sonstigen Aufträgen zu prüfen, ob und in welchem Umfang Erzeugnisse eingesetzt werden können, die durch Vorbereitung zur Wiederverwertung oder durch Recycling aus Abfällen hergestellt wurden". Dass dies Kosten erhöhen und die Gebrauchstauglichkeit mindern kann, ist den Grünen bewusst. Dieser Nachteil sei jedoch "in angemessenem Umfang hinzunehmen", heißt es in ihrem Antrag, denn: "RC-Baustoffe schonen unsere natürlichen Ressourcen wie Sand, Kies oder Gesteinsmaterialien", schreiben die Grünen. "Recycling-Baustoffe substituieren diese Primärbaustoffe, wodurch der Rohstoffabbau reduziert, der dadurch bedingte Flächenverbrauch minimiert und Eingriffe in die Natur verringert werden." Auch luft-, lärm- und klimawirksame Emissionen könnten dadurch verringert werden, der Gesamtenergieverbrauch für die Herstellung von RC-Baustoffen sei im Vergleich zu Primärbaustoffen oftmals geringer. Eine ortsnahe Aufbereitung ermögliche kürzere Transportwegen und eine Reduzierung von Verkehrsbelastungen. Auch bei der Entsorgung hat dieses Modell nach Ansicht der Grünen große Vorteile: "RC-Baustoffe reduzieren unseren Bedarf an Verfüll- und Deponiekapazitäten, denn jede Tonne Recyclingbaustoff ist eine Tonne Bauabfall weniger."

Wenn der Landkreis Dachau den Klimaschutz ernst nehme, müsse er hier tätig werden. Bauschuttrecycling sei technisch möglich und wohl auch wirtschaftlich zumutbar. Woran es noch fehle, sei die Akzeptanz zur Verwendung von Recyclingbaustoffen bei neuen Bauvorhaben. Dies könne der Landkreis ändern, indem er mit gutem Beispiel vorangehe.

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SZ vom 29.02.2020 / SZ
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