bedeckt München 15°
vgwortpixel

Pläne für Industriemuseum:Damals, in der alten Fabrik

Bezirk, Landkreis und Stadt träumen davon, auf dem ehemaligen MD-Gelände ein Industriemuseum einzurichten. Eine Machbarkeitsstudie soll nun zeigen, ob sich die Idee umsetzen lässt

Vielleicht wird das MD-Gelände doch noch ganz anders aussehen, als es die jetzigen Pläne vorsehen. Zum Beispiel könnte aus der Kalanderhalle auch ein Arbeiter- und Industriemuseum werden. Oder auf dem alten Fabrikgelände entsteht gleich ein ganzes Museumsforum, wie man es sonst aus Großstädten kennt.

Die Idee zum Industriemuseum brachte Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) anlässlich einer Ausstellung zur Industriegeschichte Dachaus und Oberbayerns im vergangenen Sommer auf. Nun hat nach Bezirk und Landkreis auch die Stadt zugesagt, sich finanziell an einer Machbarkeitsstudie zu beteiligen. In dieser soll geklärt werden, wie sich das Museum in die bestehenden denkmalgeschützten Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik einfügen könnte. Derzeit ist geplant, die Kalanderhalle für kleineren Einzelhandel zu nutzen. Die Halle soll sich zum von den Architekten Verena und Klaus Trojan geplanten Freiplatz, dem sogenannten Mühlenforum, hin öffnen. Die Architekten hatten bereits einmal signalisiert, dass sie den Museumsplänen aufgeschlossen gegenüber stehen.

Aus der Kalanderhalle der ehemaligen Dachauer Papierfabrik könnte vielleicht auch ein Arbeiter- und Industriemuseum werden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Dabei geht es nicht gerade um eine Kleinigkeit für Dachau. Denn einziehen soll nicht nur ein Museum, das die Arbeiter- und Industriegeschichte ganz Oberbayerns darstellt. Es wird auch überlegt, ein Museumsforum zu schaffen, in das zugleich die bestehenden Dachauer Museen, also Gemäldegalerie, Bezirksmuseum, Neue Galerie, aber auch der Ausstellungsraum der Künstlervereinigung mitsamt der Druckwerkstatt einziehen könnten.

Von der Machbarkeitsstudie erwarten sich Stadt, Landkreis und Bezirk nun Vorschläge zur inhaltlichen Ausrichtung des neuen Museums. Es soll aufgezeigt werden, was die bestehenden Museen besonders macht und wie sie möglicherweise ihr Profil schärfen könnten. Auch ein Raumkonzept für das Industriemuseum einerseits und das Forum andererseits soll erarbeitet werden. Nicht zuletzt soll es einen Vorschlag zur Trägerschaft des Museums geben, an dem sich Stadt, Landkreis und Bezirk beteiligen sollen. Auch wie hoch die Kosten für Bau und Einrichtung und später den Betrieb sein sollen, wird geschätzt werden. Schon Ende des Jahres sollen die Ergebnisse vorliegen.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer war der Ideengeber.

(Foto: Renate Schmidt)

Neben Josef Mederer auf Bezirksebene haben die Museumspläne im Stadtrat einen Freund in Zeitgeschichtsreferent Günter Heinritz (SPD) gefunden. Das Konzept findet er "bestechend", Bedenken hat er nur, dass langfristig auch Mittel dafür zur Verfügung stehen. An der Idee, die Kalanderhalle für ein Museum zu nutzen, gefällt ihm auch, dass sie dafür wohl weniger umgebaut werden müsste als für die Nutzung für Ladenflächen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich eine Arbeitsgruppe zum Thema Industriemuseum gegründet. Nach einem ersten Treffen im Dezember ließ Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) verlauten: "Ein Museumsforum aus dem Arbeiter- und Industriemuseum und anderen, bestehenden Museen würde den Kulturstandort Dachau erheblich aufwerten." Für den Bezirk würde sich hier eine "Präsentationslücke" schließen, sagte Mederer damals. Er ist schon länger auf der Suche nach einem geeigneten Standort für das Museum in Oberbayern. Kern der Ausstellung soll die Wanderausstellung "Hartes Brot, Gutes Leben?" sein, die vergangenen Sommer in der Dachauer Sparkasse zu sehen war und bereits durch viele Orte Oberbayerns getourt ist. Jede Region hat die allgemeine Ausstellung dabei um die eigene lokale Geschichte ergänzt.

Ein Ort, der selbst Industriegeschichte geschrieben hat und zudem auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, erscheint nun als dauerhafter Standort ideal. Im Konzept könnte auch das bestehende, privat betriebene Papiermuseum aufgehen. Allzu technisch soll es jedoch nicht werden. Mederer stellt sich ein "Mitmachmuseum" vor, an dem "die Geschichte mit der Gegenwart konfrontiert wird". Der Besuch im Museum soll einer Zeitreise gleichen, auf der die "Entwicklung Oberbayerns vom Agrarstaat Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum High-Tech-Standort" erlebt werden kann, heißt es im Konzeptpapier, das die Arbeitsgruppe im Dezember geschrieben hatte.

© SZ vom 27.04.2016
Zur SZ-Startseite