Anfrage an den Münchner Stadtrat:Umstrittener Kahlschlag

Baumfällung Ludwigsfeld

Alles weg: Etliche Bäume wurden entlang des Schwabenbächls gerodet. Die Frage ist nun, um welche Art von Biotop es sich handelt.

(Foto: Privat)

Initiative kritisiert Baumfällungen am Schwabenbächl und will Biotop-Status klären

Von Jerzy Sobotta, Ludwigsfeld

Der Streit um die Rodung eines möglichen Biotops in Ludwigsfeld hat den Münchner Stadtrat erreicht. In einer Anfrage an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verlangt Stadträtin Sabine Krieger (Grüne) nun Aufklärung darüber, ob Baumfällungen entlang des Schwabenbächls in der Siedlung Ludwigsfeld an der südlichen Gemeindegrenze von Karlsfeld legal durchgeführt worden sind.

"Da es gerade in den vergangenen zwei Jahren eine Häufung von illegalen Baumfällungen gab, ist es wichtig, hier Klarheit zu schaffen und ein Signal zu geben, dass Bäume in München ein sehr wertvolles Gut sind", schreibt Sabine Krieger. Die Wohnungsgesellschaft Ludwigsfeld, Eigentümer eines Großteils der Siedlung, hatte am 16. Dezember in einem unbebauten Gebiet entlang des Schwabenbächls zwischen Karlsfelder- und Kristallstraße mehrere Bäume und Unterholz entfernen lassen. Dagegen protestierte prompt die Interessengemeinschaft Ludwigsfeld (Iglu), ein örtlicher Bürgerverein, noch in den Weihnachtsferien mit einem offenen Brief. Dem Verein zufolge habe es sich bei dem Grundstück um ein Biotop gehandelt, mit dessen Rodung der Eigentümer "Tatsachen schafft, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können", so lautet der Vorwurf.

Die Eigentümer verweisen auf jährlich anfallende Baumarbeiten. Kranke und absterbende Bäume hätten eine Gefahr für Passanten dargestellt, die häufig die Trampelpfade durch das Gelände nutzten. Wegen eines Pilzbefalls habe man in diesem Jahr auch das Unterholz entfernt. Genehmigungen seien lediglich für zwei Bäume nötig gewesen. Zudem handele es sich bei dem Grundstück nicht um ein "kartiertes und geschütztes Biotop", ließen die Eigentümer wissen.

Die Untere Naturschutzbehörde der Stadt München gibt an, dass es sich um ein "Biotop" handle, bei der bisher letzten Kartierung vor 22 Jahren sei das Gelände aber nicht als "wertvolles Biotop" eingestuft worden. Ein Sprecher der Wohnungsgesellschaft ergänzt: "Auch bei den jüngsten Voruntersuchungen des Gebiets im Rahmen der Nachverdichtung sind keine wertvollen Tier- und Pflanzenarten gefunden worden." Anders sei das bei einem Nachbargrundstück entlang der Karlsfelder Straße: Dabei handele es sich um ein kartiertes Biotop, weshalb bislang dort auch noch keine Fällungen durchgeführt worden seien und man sich mit der Stadt München abspreche. Die Fällungen stünden in keinem Zusammenhang mit der Nachverdichtung, betont der Unternehmenssprecher.

Alles nur ein Missverständnis um eine unklare Definition des Begriffs Biotop? Der Bürgerverein Iglu aus Ludwigsfeld sieht in den Fällungen ganz klar einen massiven Verstoß gegen Naturschutzbestimmungen. Ob diese tatsächlich vorliegen, muss nun die städtische Behörde endgültig klären. Gegebenenfalls werde man Ersatzpflanzungen oder eine Wiederaufforstung verlangen, heißt es dort.

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