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An Dachaus Ufern:Mein Nachbar, der Biber

Biber

Das schaffen nur Biberzähne: Den unteren Stamm dieses Baums an der Würm östlich der Alte-Römer-Straße hat der Nager fast komplett zu Holzspänen zerlegt. Im Hintergrund die Dachauer Kläranlage.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Dank eines funktionierenden Managementsystems sind Probleme mit dem nachtaktiven Nager im Landkreis Dachau kaum noch ein Thema

Aufmerksame Spaziergänger können sie aktuell wieder entdecken: Sogenannte Drahthosen, die Bäume entlang der Bäche und Flüsse im Landkreis vor Fraßschäden des Bibers schützen sollen. 400 bis 600 Tiere leben laut Erhebungen des Landratsamt mittlerweile im Landkreis. Doch der Ärger über den Biber und die durch ihn verursachten Probleme sind verklungen - anders als noch vor ein paar Jahren. Das liegt vor allem am erfolgreichen Bibermanagementsystem und der Tätigkeit der Biberberater.

"Der Landkreis Dachau ist ein Biberlandkreis", sagt Roderich Zauscher, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz. Dass das gut so ist, bestätigen sämtliche Interessensvertreter unisono: Die Aktivität des nachtaktiven Nagers wirke sich positiv auf die Artenvielfalt aus, erklären Zauscher, die Verantwortlichen im Landratsamt und Anton Kreitmair, Oberbayerischer Bezirkspräsident und Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands in Dachau.

Derweil könnte man Bauern und Biber beinahe als "natürliche Feinde" bezeichnen: Denn durch ihre bauliche Tätigkeit, beispielsweise in Entwässerungsgräben entlang von Feldern, setzen die cleveren Tiere regelmäßig landwirtschaftliche Flächen unter Wasser, was wiederum zu Schäden an Fahrzeugen oder gar zur Unbrauchbarkeit der Ernte führen kann. Kreitmair sagt allerdings, dass das Biberproblem eigentlich kaum mehr Thema bei den Landwirten in der Region sei. Zwar gebe es immer wieder - teilweise vermehrt - Schadensfälle, doch insgesamt sei die Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde sehr gut.

So dürfen Biber, die in für sie eigentlich ungeeigneten Räumen leben, nach erfolgter Genehmigung durch das Landratsamt entnommen werden. Im Jahr 2019 waren das insgesamt 38 Stück. Die Biberpopulation selbst ist seit Jahren stabil mit einer leicht steigenden Tendenz. Bei der Prüfung auf Zugriff orientieren sich die Verantwortlichen im Landratsamt an einer dreistufigen Skala, die bewertet, wie geeignet ein Gewässer als Biberlebensraum ist. Daraus ergibt sich eine Karte, die auf besondere "Brennpunkte" hinweist und aufzeigt, wo Präventionsmaßnahmen besonders sinnvoll sind.

Kreitmair bestätigt, dass immer sehr sorgfältig geprüft werde, ob eine Entnahme durchgeführt werden muss und widerspricht der Annahme, dass die Bauern den Biber gänzlich loswerden wollen: "Es geht nie auf Null, das wollen wir auch nicht." Umso wichtiger sind die Arbeit der Biberbeauftragten und die Präventionsmaßnahmen, die eine Entnahme von vornherein unnötig machen. Dazu zählt neben Drahthosen, Elektrozäunen oder Schutzanstrichen, die gegen Fraßschäden an den Bäumen angebracht werden, im Einzelfall auch ein vollständiger oder teilweiser Abtrag des Biberdamms. Der Einbau von Drainagen ist ebenfalls möglich. "Mit etwas gutem Willen kann man den Biber aber fast immer dort lassen", erklärt Zauscher. Die entsprechenden Arbeiten führen unter anderem die sieben Biberbeauftragten des Landkreises durch. Vor allem aber sind sie sofort zur Stelle, um in Konfliktsituationen zu beraten.

Obwohl die Schäden durch den Biber für alle tragbar erscheinen, sind sie doch nicht zu leugnen. Aus dem Landratsamt heißt es, dass es vor allem bei der Aufstauung oder Untergrabung von Deichen oder Straßen zu Problemen komme. Im vergangenen Jahr wurden 17 Schäden mit einer gesamten Höhe von knapp 7 000 Euro beim staatlichen Biberfonds gemeldet. Aus dem landkreiseigenen Biberfonds flossen rund 4 000 Euro in Präventionsmaßnahmen und Entschädigung.

Generell betonen sowohl Kreitmair als Bauernvertreter aber auch Zauscher vom Bund Naturschutz, dass die Zusammenarbeit aller Beteiligter im Rahmen des Bibermanagementkonzepts sehr gut sei: Im Vergleich zu anderen Regionen in Oberbayern sei man in Dachau sehr gut aufgestellt und könne durchaus so weitermachen wie bisher, urteilt Kreitmair. "Die Zusammenarbeit ist konstruktiv, und es kommt etwas Vernünftiges raus", sagt auch Zauscher.

Er freut sich besonders darüber, dass der Biber in Bayern wieder heimisch geworden ist, da das Tier diesen Raum eigentlich sogar schon länger besiedle als der Mensch. Zudem helfe der Biber beim Erfüllen des offiziellen Staatsziels, der Erhöhung der Artenvielfalt: "Wo der Biber aktiv ist, steigt die Artenvielfalt und die Individuenvielfalt", sagt Zauscher. Grund dafür sei zum Beispiel die Vergrößerung der Wasserfläche durch das Aufstauen aber auch die schnellere Strömung hinter einem Damm.

Der Dachauer Fischereiverein Petri Heil kann - bis auf gelegentliche Löcher im Uferbereich - keine Probleme durch den Biber ausmachen, sondern gar das Gegenteil. Denn Totholz im Wasser sei vor allem für Kleinfische ein Vorteil, erklärt der Vorsitzende Horst Egner. Er erzählt sogar von Bibern, die sich den Mitgliedern des Vereins regelmäßig auch tagsüber aus der Nähe zeigen. Allerdings könne er die Situation nur aus der Sicht der Angler beurteilen - bei Fischteichen hingegen könne der Biber durchaus zum Problem werden.

© SZ vom 29.02.2020
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