Amtsgericht Dachau Noch einmal am Knast vorbeigekommen

Jugendschöffengericht setzt Haftstrafe für 21-jährigen Einbrecher trotz vier Vorstrafen zur Bewährung aus.

Von Daniela Gorgs

Der Angeklagte gefällt sich in seiner Opferrolle. Von Spielsucht ist die Rede. Von Schulden, die er nicht bezahlen konnte. Und von Druck, den seine Gläubiger deswegen auf ihn ausübten und ihn zwangen, bei einem Einbruch Wache zu stehen, um seine 250 Euro Spielschulden zu begleichen. Dafür gerade stehen muss nur er. Die Gläubiger sind nicht bekannt.

Ein 18-Jähriger gerät in kriminelle Kreise und wird selbst straffällig.

(Foto: dpa)

Angeklagt ist ein 21-jähriger Mann. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in einer Oktobernacht im Jahr 2010 mit zwei weiteren Tätern in ein indisches Restaurant in Dachau eingebrochen zu sein. Laut Anklageschrift stieg das Trio durch eine eingeschlagene Fensterscheibe in die Gasträume ein und entwendete den Geldbeutel des Inhabers mit 1200 Euro Bargeld und diversen Bankkarten sowie 100 Euro aus der Tresenkasse. Bei dem Einbruch entstand 500 Euro Sachschaden. Die Anklage lautet auf Diebstahl in einem besonders schweren Fall und Sachbeschädigung in Mittäterschaft. Verhandelt wird der Fall vor dem Jugendschöffengericht; als der Angeklagte den Diebstahl beging, war er 19 Jahre alt.

Jugendrichter Daniel Dorner und zwei Schöffen hören dem jungen Mann zu, der von seiner Spielsucht berichtet, die ihn in eine Sackgasse geführt habe: abgebrochene Ausbildung, kein fester Wohnsitz, kein Job. Es sei "cool" gewesen, an Automaten zu spielen, berichtet der Angeklagte. Er lieh sich Geld bei Leuten, "die so tun als seien sie Freunde". Und diese Freunde machten ihm das unlautere Angebot, wie er seine Schulden begleichen könnte. Reumütig erklärt der 21-Jährige vor Gericht: "Ich war dabei, bin aber nur Wache gestanden."

Bei dem Versuch, über ein Fenster im Innenhof in das Lokal einzusteigen, hatte der Angeklagte Fingerabdrücke hinterlassen, anhand derer ihn die Polizei identifizierte. Es ist nicht sein erster Einbruch. Vor ein paar Monaten war der 21-Jährige deswegen zu einer Jugendstrafe verurteilt worden. Richter Dorner, der das damals gefällte Urteil des Münchner Amtsgerichtes vorliest, kann sich eine entsprechende Bemerkung nicht verkneifen: "Die Anklageschrift liest sich ähnlich", sagt er. Damals allerdings war der Angeklagte der Haupttäter.

Angesichts von vier teilweise einschlägigen Vorstrafen plädiert die Staatsanwältin für eine zweijährige Jugendstrafe und eine Geldauflage von 3200 Euro. Die Verteidigerin möchte es bei einer Gesamtstrafe von einem Jahr und acht Monaten belassen. Ihr Mandant sei zu dem Einbruch "genötigt" worden.

Das Jugendschöffengericht wählt den Mittelweg und verurteilt den 21-Jährigen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten und setzt diese zur Bewährung aus. Zudem muss der Angeklagte 1000 Euro an den Verein Wendezeit zahlen und trägt die Gerichtskosten. Richter Dorner spricht von "schädlichen Neigungen", doch sei der junge Mann jetzt auf einem guten Lebensweg. Von "Nötigung" allerdings könne man nicht reden, sagt er mit Blick auf die Verteidigerin. "Andere zahlen ihre Schulden auch auf ehrliche Weise zurück." Das Urteil ist rechtskräftig, die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.