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Amperverband:Verborgener Wertstoff

Was von der Reinigung des Wassers an Feststoffen übrig bleibt, landet als Klärschlamm in einem Sammellager in Geiselbullach.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Abwasserentsorger in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau bereiten ein gemeinsames Unternehmen zur Bearbeitung von Klärschlamm vor. Ziel ist unter anderem die Rückgewinnung von Phosphat

Von Erich C. Setzwein und Stefan Salger, Dachau/Fürstenfeldbruck

Wenn es nach dem Willen des Amperverbandes geht, dann wird es nun ganz schnell gehen. Schon zum 1. Januar des kommenden Jahres soll es ein öffentlich-rechtliches Unternehmen geben, das sich um die Verwertung von Klärschlamm kümmert. Nachdem nun auch die Große Kreisstadt Fürstenfeldbruck ihr Interesse bekundet hat, den Schlamm aus der städtischen Kläranlage künftig in der Region verwerten zu lassen und ihn nicht irgendwo hinzufahren und zu deponieren, stehe der Gründung eines gemeinsamen Kommunalunternehmens oder eines Zweckverbandes der Abwasserentsorger in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau nichts mehr im Wege, sagt der Geschäftsführer des Amperverbandes, Thomas Mösl.

Klärschlamm ist wie jeder Abfall etwas wert. So ist in ihm Phosphat enthalten, das zurückgewonnen werden soll. In einer Machbarkeitsstudie war festgestellt worden, dass sowohl ein regionales Klärschlammmanagement als auch eine "ökologisch vorteilhafte Entsorgung" in der Region sinnvoll und vor allem bezahlbar wäre. Als Standort käme demnach Geiselbullach in Frage, günstig gelegen nahe der von den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck betriebenen GfA-Müllverbrennungsanlage.

Diesen Argumenten zeigte sich nun auch der Stadtrat von Fürstenfeldbruck aufgeschlossen gegenüber. Die Kreisstadt war die letzte Station einer Reihe von Informationsveranstaltungen in den beiden für ein gemeinsames Unternehmen in Frage kommenden Landkreisen. Die Stadträte bekundeten durchaus ihren Willen, dem "interkommunalen Verbund zur regionalen Verwertung" von Klärschlamm, der in den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck anfällt, beizutreten. Damit folgten sie der Argumentation zweier Experten, die vor allem auf Aspekte des Klimaschutzes verwiesen - so sollen sich die Lastwagenfahrten sehr deutlich von zurzeit 450 000 auf künftig lediglich 31 000 Kilometer im Jahr reduzieren.

Matthias Jung vom Amperverband und Johannes Brühl, der technische Leiter der GfA in Geiselbullach, deren Müllverbrennungsanlage genutzt werden soll, wiesen auch auf den Ertrag hin, den eine Behandlung des Klärschlamms bringen würde - überschüssige Energie könnte ins Fernwärmenetz eingespeist werden.

Geht alles nach Plan, dann könnte die erforderliche Trocknungsanlage auf dem Gelände der GfA 2027 oder 2028 in Betrieb genommen werden. 60 Prozent des in der GfA angelieferten Klärschlamms sollen dann aus der Region kommen. Die Verkehrsbelastung für Geiselbullach soll sich gleichwohl in Grenzen halten. Jung und Brühl sprechen von bis zu vier zusätzlichen Lastwagenfahrten im Bereich Geiselbullach.

CSU-Fraktionssprecher Andreas Lohde will durch den Beitritt der Kreisstadt zu dem interkommunalen Verbund einen Beitrag, auch bei der Entsorgung auf Regionalität zu setzen. Grünen-Fraktionssprecher Jan Halbauer sieht das ähnlich, zumal die vorgesehene Verwertung nebst Phosphorrückgewinnung "wirtschaftlich und ökologisch" Sinn mache. Alexa Zierl (ÖDP) stimmte zwar ebenfalls zu, plädierte aber für die Prüfung der bereits vorhandenen Alternativen zur Verbrennung. Neben Fürstenfeldbruck und den Mitgliedskommunen des Amperverbandes, darunter die großen Kommunen im östlichen Landkreis Fürstenfeldbruck, sollen zu dem neuen interkommunalen Unternehmen auch Dachau und Karlsfeld sowie der Abwasserverband Obere Amper gehören. In der jüngsten Sitzung des Amperverbandsausschusses wurde beschlossen, ein Büro mit der Ausarbeitung einer Satzung für das neue Unternehmen zu beauftragen.

© SZ vom 19.08.2020
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